Zur Verurteilung der Eltern des verhungerten Florian wegen Totschlags:
Pressemitteilung von Deutsche Kinderhilfe e. V.
Offenkundig aufgrund des gestiegenen Medieninteresses kündigte gestern der Oberbürger-meister Frankfurts, Herr Patzelt, eine lückenlose Untersuchung der Umstände an.
Die Deutsche Kinderhilfe stellte bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Falles öf-fentlich die Fragen nach Ungereimtheiten auf Behördenseite - eine unabhängige Unter-suchung wie nach dem Tode Kevins oder Lea-Sophies gab es aber bis heute nicht. Han-delte es sich im Fall des kleinen Florian um einen tragischen unvermeidbaren Einzelfall oder zeigt sich hier, dass das Jugendhilfesystem in Frankfurt/Oder nicht funktioniert? Vieles spricht nach wie vor dafür, dass Letzteres der Fall ist.
Die Mutter wurde vom zuständigen Jugendamt nur bis zum 18. Lebensjahr betreut - wa-rum nicht bis zum 21. Lebensjahr, wie es das KJHG vorsieht? Spielten Kostengründe eine Rolle? Sie lebte in schwierigen familiären Verhältnissen, in einer Atmosphäre stän-diger Kindeswohlgefährdung, hatte eigene Probleme. Es gab unterschiedliche Interventi-onen und Heimaufenthalte. Die geschilderten Lebensumstände überforderter Mütter, die ihre Kinder vernachlässigt oder gar getötet haben, legen dringend den Schluss nahe, dass bei diesen Frauen, insbesondere wenn sie selbst Mutter werden, massive Probleme auftreten und eine Überforderung nahezu indiziert ist. Das Jugendamt konstatierte je-doch, dass die Mutter nicht bekannt sei, weil sie als Mutter noch kein "Fall" war, sondern nur als Kind. Dies ist exemplarisch für die Jugendhilfe im Jahr 2008. Die eklatanten
Schwächen in der Arbeitsweise von Jugendämtern werden am Beispiel Frankfurt/Oder exemplarisch deutlich: Bestehende Erkenntnisse werden nicht genutzt.
Klare Risikoindikatoren liegen vor, aber die Stelle, die für die über 12-Jährigen zuständig ist, kommuniziert nicht mit dem Bereich, der für junge Mütter zuständig ist. Bereits mit der Geburt hätte das Jugendhilfesystem greifen müssen. Ein Abgleich mit den bestehenden Akten hätte ausgereicht um eine Familienhilfe zwingend zu bewilligen.
Es wird viel von Vernetzung gesprochen. Trotz Kevin im Jahr 2006 und der vielen Fälle des Jahres 2007 wird sie aber dort, wo sie am sinnvollsten ist - beginnend in der Geburtsklinik -, noch immer nicht praktiziert.
Dies verdeutlicht, dass es nicht immer nur um Geld, sondern um Qualität geht. Es ist für ein Jugendamt auch in Zeiten knapper Kassen möglich, in Kooperation mit den Geburts-kliniken jede Mutter, insbesondere wenn erkennbare Risikofaktoren bestehen, in der Kli-nik aufzusuchen und den Hilfebedarf abzuklären. In Kommunen wie Gütersloh oder Düs-seldorf ist dies Standard. Die Nichtteilnahme an Vorsorgeuntersuchungen zum Anlass zu nehmen, das Jugendamt zu informieren, ist eine wichtige Maßnahme. Bislang ist nicht bekannt, ob Florian an den Untersuchungen teilgenommen hat, es spricht viel dafür, dass dies nicht geschehen ist.
Florian könnte mit großer Wahrscheinlichkeit noch leben, wenn die seit Jahren bekann-ten Defizite in der Jugendhilfe auch in Frankfurt/Oder konsequent angegangen worden wären. Immer noch sterben im Schnitt drei Kinder pro Woche an den Folgen von Gewalt und Misshandlung.
"Wir verlieren weiter wertvolle Zeit und weitere Kinder, wenn die Jugendämter und freien Jugendhilfeträger vor Ort nicht endlich beginnen, konsequent alle potentiel-len Risikofamilien, die wie hier in aller Regel bekannt sind, mit den entsprechenden Hilfsangeboten zu versorgen", so RA Georg Ehrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.
Weitere Informationen:
Deutsche Kinderhilfe e.V.
Julia Gliszewska
Vorstandssprecherin
Tel. 030/24 34 29 40
presse@kinderhilfe.de
www.kinderhilfe.de

Deutsche Kinderhilfe e. V.
Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40
10117 Berlin
(Deutschland)
Telefon: 03024942940
Ansprechpartner: Julia Gliszewska
Pressekontakt:
Deutsche Kinderhilfe e. V.
Haus der Bundespresskonferenz
Schiffbauerdamm 40
10117 Berlin
Unternehmensprofil:
Permanenter Link:
Das könnte Sie auch interessieren:
Pressemitteilungen News-Ticker
-
27.05.2012 - 00:37 - e-motion experts GmbH, 40470 Düsseldorf
e-motion eBike Pendlerstudie für Unternehmen

-
26.05.2012 - 23:42 - Mein Bau - Das Onlinemagazin, A-6833 Klaus in Vorarlberg
Dächer aus Metall Renaissance und Nachhaltigkeit

-
26.05.2012 - 22:07 - BERLINER MORGENPOST
BERLINER MORGENPOST: Regieren bedeutet Kompromisse - Leitartikel von Hajo Schumacher

-
26.05.2012 - 20:10 - Oberstdorf Event GmbH, 87538 Fischen
Das 4-Sterne Hotel Oberstdorf im Allgäu feiert 10-jähriges Jubiläum!

-
26.05.2012 - 19:54 - DEMOS Wohnbaugesellschaft GmbH, 80337 München
www.demos.de: Lukrative Immobilien in München und Umgebung für mehr Wohnqualität

-
26.05.2012 - 18:04 - Schluga Camping Welt, 9620 Hermagor-Pressegger See
Campen: Programm inklusive
In der Schluga Camping Welt in Kärntens Süden

-
26.05.2012 - 16:43 - Knieper Projektmanagement, 53113 Bonn
Aufsteller mit Informationsflyer zum Thema Zahnunfall und Zahnrettungsbox zur Auslage in Zahnarztpraxen, Apotheken, etc. jetzt NEU bei Zahnrettungsbox.com erhältlich

-
26.05.2012 - 16:12 - Communication Office Düsseldorf, 40239 Düsseldorf
Komplexität als Chance

-
26.05.2012 - 15:48 - Creditum.eu, SW1E 5RS London, Greater London
http://creditum.eu : Kredit auch in schwierigen Fällen möglich

-
26.05.2012 - 15:40 - change.project gmbh, 70563 Stuttgart
Zufriedene Kunden? Ja bitte!





















