Pharmaindustrie hält an Patenten fest
Pressemitteilung von Aktionsbündnis gegen AIDS
Im Mittelpunkt standen diesmal die Menschenrechte von betroffenen Gruppen und die Ausweitung von geeigneten Präventionsmaßnahmen und Behandlung von Aidskranken, um dem Ziel des Universellen Zugangs bis 2010 näher zu kommen, so Astrid Berner-Rodoreda, Sprecherin des Aktionsbündnis gegen AIDS. Das Thema Prävention nahm viel Raum ein, ebenso wurde aber immer wieder gefordert, Prävention und Behandlung als Einheit zu sehen und nicht als konkurrierende Ansätze.
Auch die Pharmaindustrie war vertreten. Das Aktionsbündnis gegen AIDS und die Ecumenical Advocacy Alliance führten bilaterale Gespräche mit verschiedenen Pharmakonzernen. Ziel war es u. a., die Vertreter der Pharmaindustrie davon zu überzeugen, den Zugang zu neueren und preisgünstigen Aids-Medikamenten für wirtschaftlich wenig entwickelte Länder und für Länder mittleren Einkommens zu erleichtern.
"Das Problem der zu teuren Medikamente ist bekannt - vor allem auch in Lateinamerika, wo viele Länder auf vorbildliche Weise an Aids erkrankte Menschen therapieren und zunehmend PatientInnen auf neuere und teure Medikamente umgestellt werden müssen. Mexiko zum Beispiel gibt 90 % seines Aids-Budgets für Medikamente aus, da Originalpräparate zu hohen Preisen eingeführt werden müssen", so Astrid Berner-Rodoreda. Aber der mexikanische Präsident Felipe Calderón kündigte an: Mexiko werde künftig den freien Handel mit Aids-Medikamenten zulassen.
Ein Instrument für die bessere Verfügbarkeit von Aids-Medikamenten könnten Patent-Pools sein. Das bedeutet: Patente für bestimmte Wirkstoffe werden gesammelt und die entsprechenden Lizenzen kostengünstig an Generikahersteller vergeben. Auf diese Weise könnte ein Wettbewerb entstehen, durch den die Preise für Aids-Medikamente deutlich sinken würden. Das ist dringend nötig, um das Ziel, alle Behandlungsbedürftigen in Therapie zu bringen, endlich zu erreichen. Zwar wurde die Behandlung in den vergangenen Jahren ausgeweitet, doch noch immer sind weltweit etwa sieben Millionen Menschen davon ausgeschlossen - das sind 70% derer, die die Behandlung benötigen.
Während einige Pharma-Konzerne Patent Pools gegenüber offen sind, rücken sie an anderer Stelle nicht von ihren Profitinteressen ab. So fordert das Aktionsbündnis gegen AIDS in seiner aktuellen Kampagne "Leben vor Pharmaprofit! Patente können tödlich sein." drei führende Unternehmen auf, ihre Patentanträge in Indien auf neue, wirksamere Aids-Medikamente zurück zu ziehen. Diese behindern den Wettbewerb und somit dringend benötigte Preissenkungen. Die Firmen Abbott und Gilead, mit denen auf der Konferenz Gespräche stattfanden, lenkten jedoch nicht ein.
Medikamente sind aber nicht das einzige Problem. Für zwei PatientInnen, die neu therapiert werden, kommen 5 Neuinfektionen hinzu. Um Prävention und Behandlung auszuweiten, fehlt es an genügend Finanzmitteln. Hier ist auch Deutschland in der Pflicht. Zwar wurden die Mittel in diesem Jahr erhöht, der Beitrag deckt aber bei weitem nicht den erforderlichen Anteil an der globalen Aids-Bekämpfung.
Aktionsbündnis gegen AIDS
Paul-Lechler-Str. 24
72076 Tübingen
(Deutschland)
Telefon: 07071 206 537
Ansprechpartner: Katharina Päßler
Pressekontakt:
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