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Wir brauchen ein anderes Wirtschaftssystem!

Pressemitteilung von

Dr. Günter Emde
Dr. Günter Emde

Von Günther Hartmann in

(fair-NEWS) Unser heutiges Wirtschaftssystem wird von seinen Protagonisten gerne als alternativlos dargestellt. Oder es wird der Marxismus als angeblich einzig mögliche Alternative genannt. Dabei gab es in der Wirtschaftswissenschaft immer wieder Konzepte für eine ganz anders funktionierende Marktwirt­schaft. ÖP-Redakteur Günther Hartmann unterhielt sich darüber mit dem Mathematiker und Verleger Dr. Günter Emde.

ÖkologiePolitik: Herr Dr. Emde, als engagierter Christ be­fassten Sie sich früher vor allem mit spirituellen Themen - seit ei­nigen Jahren aber auch mit wirt­schaftlichen Prozessen. Warum?

Günter Emde: Mitte der 1990er Jahre fand ich in einer Zeitung ein Diagramm, mit dem die UN-Organisation UNDP auf die wachsende Schere zwischen Reichen und Armen aufmerk­sam machte. Demnach hatte das reichste Fünftel der Menschheit 1965 einen Anteil von 70% am Welteinkommen - und 1996 einen von 85%. Der Anteil der anderen vier Fünftel hat sich also innerhalb von 30 Jahren halbiert. Vermutlich wird der Anteil dieser vier Fünftel demnächst auf 10% gesunken sein. Es gilt also die Maxime „Wer viel hat, der möge noch dazu nehmen von denen, die wenig haben!“ Kann man sich einen schärferen Wider­spruch zur Bergpredigt denken? Dort heißt es: „Wer zwei Röcke hat, der gebe dem einen, der kei­nen hat!“

Die wachsende Umverteilung führt aber auf Dauer wohl auch zu großen Spannungen und Kon­flikten?

Verständlicher Weise wird sich das ärmste - und immer ärmer werdende - Fünftel der Weltbevölkerung - immerhin über eine Milliarde Menschen - diese Ungerechtigkeit auf Dauer nicht bie­ten lassen. Hier liegt die Wurzel des Terro­rismus. Menschen, die hungern, sind zum Letzten fähig. Kinder, die aus Armut keine Schule besuchen kön­nen und darum kei­ne Berufsperspektive haben, werden sich leichter einer Terror­gruppe anschließen, weil sie dort Essen und Geld bekommen. Zu dieser Entwicklung kann man als Christ nicht mehr schweigen. Deshalb lassen mich zwei Fragen nicht mehr los: „Was ist die eigentliche Ursache für diese unglaubliche Fehlentwicklung?“ und „Wo ist der He­bel anzusetzen, um die wachsende wirt­schaftliche Not in der Welt zu lindern?“

Wächst die Um­verteilung auch in Deutschland?

Es gibt zwei sorg­fältige Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie untersuchen die Verteilung der Nettogesamtvermögen - also einschließlich Immobilien und abzüglich Schulden - in den Jah­ren 2002 und 2007 in Deutsch­land. Auch hier zeigt sich der Trend zur wachsenden Trennung zwischen Reichen und Armen: Der Vermögensanteil des reichs­ten Zehntels stieg in diesen fünf Jahren von 57,9% auf 61,1%. Wenn man die Differenz 3,2% auf die Spanne von 30 Jahre -wie in der UNDP-Studie - hochrech­net, kommt man auch hier auf über 15% Reduktion. Noch deut­licher: Die ärmeren zwei Drittel teilen sich heute in weniger als 10% des Gesamtvermögens, während das reichste Hunderts­tel allein schon mehr als 20% auf sich vereint. Auch im relativ reichen Deutschland findet also der schleichende Prozess einer Verarmung immer gröerer Bevölkerungsschichten statt.

Was läuft denn in unserem Wirtschaftssystem falsch?

Unser Wirtschafts- und Fi­nanzsystem besitzt einen Me­chanismus, der den erarbeiteten Wohlstand von unten nach oben umverteilt: unser Zinssystem. Um das zu verstehen, muss man sich zunächst klarmachen: Bei jedem Einkauf bezahlen wir ei­nen Zinsanteil mit, denn in allen Preisen sind sog. „kalkulatori­sche Zinsen“ zur Deckung der Kosten des eingesetzten Kapi­tals enthalten. Die summieren sich in der Wertschöpfungskette bis zu den Endverbraucherprei­sen zu hohen Beträgen auf: im Durchschnitt ist es ein Anteil von rund 40 % der Preise, die wir Bürger bei all unseren Aus­gaben mitzahlen. Diese Zinsen landen letztendlich bei den Ka­pitaleignern, also denen, die so viel Geldvermögen besitzen, dass sie es verleihen können. „Geld anlegen und für sich arbeiten lassen“ nennt man das. So fließt ein ständiger Strom von Zinsen in der unglaublichen Höhe von mehr als 1 Mrd. Euro täglich al­lein in Deutschland von den Bür­gern zu den Kapitaleignern. Das waren 2007 über 400 Mrd. Euro, also weit mehr als der ganze Bun­deshaushalt mit seinen 270 Mrd. Euro. Wenn die Bundesregierung über einen großen Teil dieser 400 Mrd. verfügen könnte, lie­ßen sich viele Probleme lösen, unter denen die Mehrheit der Bevölkerung wegen der Knapp­heit der öffentlichen Kassen lei­den muss. Auch die Arbeitslosig­keit ließe sich dann nachhaltig beseitigen.

Union und FDP sprechen ger­ne von „Neidkampagnen“, wenn diese Umverteilung korrigiert werden soll.

Das hat mit Neid nichts zu tun. Ich würde den Superreichen ihr Vermögen gerne gönnen, wenn es nicht mit der Not ande­rer Menschen erkauft würde. De­ren Milliarden kommen ja nicht aus dem Nichts, sondern wurden zuerst von anderen Menschen erarbeitet und dann von dort abgesaugt. Das Geld fehlt dort aber. Die Umverteilung führt zur Armut vieler Menschen, und das halte ich in dieser Größenord­nung für unverantwortbar.

In der öffentlichen Diskussi­on werden immer das zu geringe Wirtschaftswachstum, die stei­gende Arbeitslosigkeit und die steigende Staatsverschuldung als eigentliche Probleme ge­nannt.

Sinkende Einnahmen zwingen den Staat zur Aufnahme weiterer Schulden, wodurch der Sockel an Schuldzinsen immer höher wird. Da­durch wird er unfähig, die Arbeitslosigkeit wirk­sam zu bekämpfen, was wiederum die Staatsein­nahmen vermindert - ein Teufelskreis! Dieses Problem besteht seit Jahrzehnten, und seit je­her bemüht man sich mit der Parole „Noch mehr Wachstum!“ vergeblich, um eine durchgreifende nachhaltige Besserung. Die eigentliche Ursache liegt in einem grundle­genden Systemfehler, der nicht benannt wird. Um den zu verstehen, müs­sen wir uns zunächst einmal klar werden, dass das Bruttoinlandspro­dukt (BIP) im Ergebnis immer zwischen den Ka­pitaleignern und den Ar­beitenden aufgeteiltwird. Wächst die Wirtschafts­leistung und damit das Volkseinkommen z. B. um 2 %, dann können auch die Kapital- und Arbeitseinkommen je­weils um 2 % zunehmen, ohne dass es zu irgendwelchen Schwierigkeiten kommt. Verlangt aber eine der Bezieher­gruppen mehr als jene zusätzlich erwirtschafteten 2%, dann muss sich die andere zwangsläufig mit weniger zufrieden geben. Da sich die Wirtschaftsunterneh­men heute weit überwiegend mit Fremdkapital finanzieren, müssen sie im Gegenzug Wert­steigerungen erwirtschaften, die dem marktüblichen Zinseszins­wachstum entsprechen. - Ins­gesamt steigen die Geldvermö­gen und damit die Zinserträge aber ungefähr exponentiell, also jährlich um den gleichen Pro­zentsatz. Und jetzt kommt das entscheidende Problem: Das BIP kann mit einem solchen Wachstum nicht mithalten. Ein immer schärfer werdender Ver­teilungskampf zwischen Kapi­taleignern und Arbeitenden ist dadurch vorprogrammiert. Die Kapitaleigner haben im heutigen Wirtschaftssystem aber immer den Erstzugriff.

Mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Günther Hartmann veröffentlicht. Sage herzlichen Dank dafür!

Quelle:

ÖP-Redakteur Günther Hartmann 2009

Dr. Günter Emde 2009

Erstveröffentlichung ÖkologiePolitik

www.oekologiepolitik.de

Ausgabe November 2009 (144)

Dr. Günter Emde Jahrgang 1929, studierte Mathematik, Physik und Philosophie. Nach der Promotion in mathematischer Logik war er beruflich bis 1988 in Wissenschaft, Lehre und Industrie tätig. Daneben leitete er von 1982 bis 2008 den Verein „Via Mundi“, eine Interessengemeinschaft für transzendenz- offene Wissenschaft und christliche Spiritualität. Zur Publikation dieser Themen gründete er 1982 einen kleinen Verlag. 1992 gründete er zudem die „Ethikschutz-Initiative“ (ESI), eine Hilfsorganisation zur Unterstützung von Arbeitnehmern, die aus Gewissensgründen in Konflikt mit ihrem Arbeitgeber gerieten, und leitete sie bis 2000. Seit 1996 beschäftigt er sich immer stärker mit der Rolle des Geldes in Wirtschaft und Gesellschaft.
Dokumente
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