Pressemitteilung der BAG zum Zwischenbericht des „Runden Tisch Heimerziehung“
Pressemitteilung von Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik
Abweichend von den bisherigen Vorschlägen in diesem Zwischenbericht halten wir allerdings den Verweis der unter Traumafolgestörungen leidenden Menschen auf das kassenärztliche Versorgungssystem für unzureichend: Schon heute gibt es keine ausreichenden Psychotherapieplätze bei geeigneten TherapeutInnenen und die Begrenzung der Stundenzahl in den Richtlinientherapien führt nicht selten zu vorzeitigen Beendigungen aus Geldmangel, da die Betroffenen die Therapien nicht aus eigener Tasche zahlen können.
Wir sehen mit Erleichterung, dass die Auseinandersetzung mit den Missbrauchsstrukturen in den Heimen der damaligen Zeit die Träger und Aufsichtsgremien zunehmend zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den heutigen Versorgungsmängeln für traumatisierte Kinder und Jugendliche führt.
Es stehen allerdings bis heute für aktuell Betroffene noch viel zu wenige traumapädagogisch arbeitende Betreuungseinrichtungen zur Verfügung, geschweige denn psychologische / psychotherapeutische Behandlungsplätze innerhalb und außerhalb der Kinder- und Jugendhilfe.
Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, die sich in diesem Sinne weiterentwickeln wollen, um traumatisierten Mädchen und Jungen in ihren Angeboten angemessen helfen zu können, sehen sich mit gesellschaftlichen und poltischen Bedingungen konfrontiert, die einer entsprechenden Realisierung oft im Wege stehen. So mangelt es zum einen bisher noch an entsprechenden fachlichen Angeboten in pädagogischen Grundausbildungen, zum anderen fehlen öffentliche und politische Signale, in diesem Sinne traumapädagogisch qualifizierten Angeboten genügende finanzielle Rahmenbedingungen in der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung zu stellen.
Die Zwischenergebnisse des „Runden Tisch Heimerziehung“ machen deutlich, dass die Erkenntnisse aus der Analyse der Vergangenheit wichtige Aspekte für eine vorwärtsgerichtete Planung und Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe beschreiben. Diese sind notwendig, um eine Korrektur gegenwärtiger Prozesse, die auch heute noch ein nicht geringes Gefährdungspotential für traumatisch belastete Mädchen und Jungen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe darstellen können, gelingen zu lassen.
Martin Kühn
(1. Vors. der BAG Traumapädagogik)
Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik
Friedrichsdorf 56
27442 Gnarrenburg
(Deutschland)
Telefon: 04763-9452298
Ansprechpartner: Martin Kühn
Pressekontakt:
Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik
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