Mittelbayerische Zeitung: Superstar Kretschmann: Die Grünen können viel vom Ober-Realo aus dem Ländle lernen – und damit vielleicht im Bund durchstart

Revolution im Schwabenland: Mit den Verhandlungen über eine Kiwi-Koalition schreibt der grüne Superstar Winfried Kretschmann Geschichte. Die erste grün-schwarze Koalition der Republik nimmt immer klarere Konturen an – und das dürfte auch die politische Landschaft insgesamt verändern. Baden-Württemberg wird zu einem Testlauf für die Bundestagswahl 2017. Im Ländle selbst steht für die CDU kein Stein mehr auf dem anderen. Kretschmann kann einen doppelten Triumph feiern: Erstmals wurden die Grünen in einem Bundesland stärkste Kraft. Und erstmals kann die Öko-Partei mit der Union als Juniorpartner verhandeln. Die Verhältnisse im einstigen CDU-Stammland haben sich um 180 Grad umgekehrt. Dabei profitierte Kretschmann natürlich auch von der Schwäche der Union und ihrem Spitzenkandidaten Guido Wolf mit seinem politischen Schlingerkurs. Seit dem Abgang des populären Ministerpräsidenten Erwin Teufel war die Union nur noch mit politischen Grabenkämpfen beschäftigt und betrachtete die Macht als Erbhof. Wolfs Attacken im Wahlkampfendspurt auf die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin waren nur der traurige Höhepunkt der jahrelangen Selbstdemontage der Südwest-CDU. Die krachende Niederlage muss sich die Union selbst ankreiden. Wie man es besser macht, beweist Kretschmann, der mit seiner Geradlinigkeit zum Prototyp eines populären Landesvaters wurde. Von der Debatte um den umstrittenen Stuttgarter Hauptbahnhof bis hin zu Angela Merkels Flüchtlingskurs machte der Grüne klare Ansagen – und widerstand wie ein Fels in der Brandung populistischen Versuchungen. Für diese Haltung haben ihn die Wähler belohnt. Aus Kretschmanns Triumph lassen sich auch Lehren ziehen, die vielen in den eigenen Reihen nicht schmecken dürften. Sein Wahlsieg belegt, dass starke Spitzenkandidaten für ihre Parteien immer wichtiger werden. Ohne Kretschmann hätten die Grünen nie den Sprung über 30 Prozent geschafft. Aber genau an der Frage, ob Personen im Vordergrund stehen sollen – oder die politischen Inhalte – scheiden sich bei der Öko-Partei immer schon die Geister. Ob auch künftig vier Chefs das Sagen haben sollen wie bei den Bundesgrünen – zwei in der Partei, zwei in der Fraktion – oder nur ein einziger, wird im Wahljahr 2017 noch für eine heftige Diskussion sorgen. Ebenso wie die Frage, ob Kretschmann dann als Spitzenkandidat für die Grünen antreten soll. Grundsätzlich stärkt sein Sieg zwar das Realo-Lager. Doch vielen Stammwählern vom linken Flügel ist Kretschmanns Kurs zu wirtschaftsfreundlich. Manche sehen in ihm keinen Öko-Messias, sondern einen Verräter grüner Politik. Der Partei stehen spannende Debatten und vielleicht sogar eine Zerreißprobe bevor. Dabei sollte die Basis nicht den Fehler begehen, die Misere der Grünen außerhalb Baden-Württembergs auszublenden. In Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt schaffte es die Partei nur knapp in die Landtage, im Bund krebsen die Grünen um die zehn Prozent herum und kommen in der Wählergunst nicht vom Fleck. Darin spiegelt sich wider, dass Merkel die CDU weiter nach links rückte und den Grünen wichtige Themen wie den Atomausstieg streitig macht. Die Öko-Partei tut sich insgesamt immer schwerer, bei den Wählern zu punkten. Umso mehr richten sich die Augen nun nach Baden-Württemberg. Wenn Grün-Schwarz im Ländle funktioniert, bedeutet das ein klares Signal für Berlin. Die Grünen wollen im Bund mitregieren – und Merkel braucht angesichts einer zunehmend zersplitterten Parteienlandschaft mit der AfD im Nacken dringend eine neue Machtoption. Für die CDU sind die Grünen kein Schreckgespenst mehr. Der Realo Kretschmann würde der Kanzlerin die Steigbügel wohl halten. Zumindest in der Flüchtlings- und Europapolitik ist sie für ihn eine Schwester im Geiste.

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