Neue Westfälische (Bielefeld): Untersuchungsausschuss “Silvesternacht” legt Abschlussbericht vor – Kern aus den Augen verloren – Florian Pfitzner, Düs

So ganz sicher konnte man ja nie sein, ob möglicherweise einige der Frauen in den Zuhörerreihen gesessen haben, als es im Untersuchungsausschuss des Landtags um ihr Martyrium ging: die Silvesternacht in Köln. Man mag es sich kaum vorstellen, was sie wohl dachten, als regierungstragende und oppositionelle Fraktionen schwerfällig ins Klein-klein abglitten. Manche Abgeordnete gaben ein ziemlich schwaches Bild ab, wenn sie ihre Gegner in der Hoffnung auf Profilierung persönlich angriffen und allzu häufig den Kern ihrer Aufgabe, die Aufklärung sexualisierter Gewalt, aus den Augen verloren. Dass es sie überhaupt gab, die parlamentarische Aufarbeitung, darf indes als gutes Zeichen gewertet werden. Der Landtag hat sich in 61 Sitzungen und 178 Zeugenvernehmungen gründlich mit den üblen Vorgängen auseinandergesetzt. Ob die angekündigte "Fehlerkultur" gilt, scheint angesichts der mäßig ausgeprägten Selbstkritik von Minister Jäger jedoch fraglich. Die Opposition ließ nicht locker, fragte zu Recht nach Tätern und Verantwortung – vergaß jedoch oft die "weiblichen Geschädigten". Als in der Sommerpause die Vertreter der Opferberatungsstellen im Landtag sprachen, war es im Saal recht übersichtlich.

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