Börsen-Zeitung: Die Vorsicht und die Fed, Marktkommentar von Kai Johannsen

Den Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed treibt mal wieder die Investitionspolitik im Rahmen der Kaufprogramme für Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Bonds um. Das geht aus dem Protokoll der Sitzung vom 14. und 15. März dieses Jahres hervor. Und wieder einmal nähert sich das für die Geldpolitik zuständige Gremium der Fed dem Thema nur sehr vorsichtig und zögerlich. Die Fed und die Vorsicht – das sind wirklich zwei gute alte Bekannte. Da heißt es jetzt bei der Fed: Vorausgesetzt die Konjunktur entwickelt sich weiterhin so gut wie erwartet, gehen die meisten Fed-Mitglieder im Gremium davon aus, dass die schrittweisen Erhöhungen des Leitzinses fortgesetzt werden könnten, und erwarten darüber hinaus, dass eine Änderung in der Reinvestment-Politik des Komitees im späteren Jahresverlauf wahrscheinlich angemessen sein könnte. Man muss schon ein wenig nachdenken, wenn man eine noch vorsichtigere Formulierung hinbekommen will. Im Klartext heißt das seitens der Fed: "Wir machen erst mal gar nichts, halten uns alle Türen offen und sehen dann später, was wir machen können, je nachdem, wie es so aussieht." Entsprechend gelassen nahmen es die Märkte tags drauf. Die Fed Minutes waren schnell wieder in den Hintergrund getreten.

Nicht alle überzeugt

Womit ist zu rechnen? Die Fed fährt jetzt erst mal weiter auf Sicht. Eine Änderung der Reinvestitionspolitik bzw. konkretere Überlegungen bei der Fed sind wohl erst mal in die zweite Jahreshälfte verschoben. Außerdem sind es nur die meisten Fed-Mitglieder, die eine solche Änderung für wahrscheinlich angemessen halten, aber es sind eben nicht alle überzeugt. Und man hat es in der Vergangenheit schon häufig bei Entscheidungen des Offenmarktausschusses gesehen, dass man so lange abgewartet hat, bis alle die gleiche Meinung hatten. Schließlich wollte man Einigkeit und Geschlossenheit nach draußen demonstrieren. Das wird auch in diesem Fall wohl nicht anders sein.

Die Fed hat schon einige Male signalisiert, dass sie dieses Thema beschäftigt, und immer wieder untermauert, wie vorsichtig die ganze Angelegenheit angegangen werden soll, wenn es denn überhaupt mal angegangen wird. Selbst das ist nicht sicher. Denn wenn die Konjunktur schlechter laufen sollte, was in einer so späten Phase eines Konjunkturzyklus wie in diesem durchaus einkalkuliert werden sollte, könnten die Verantwortlichen bei der amerikanischen Notenbank das Thema Änderung der Reinvestment-Politik auch ganz schnell wieder auf die lange Bank schieben. Und darauf sollte man sich angesichts der ausgesprochen schwachen Arbeitsmarktdaten vom März zumindest einstellen.

Und wenn es einmal zu dieser Schrumpfung der Fed-Bilanz kommt, dann wird das sehr gemächlich über die Bühne gehen. Denn die Fed scheut die Volatilität an den Finanzmärkten wie der Teufel das Weihwasser. Verkäufe von Bonds sind praktisch ausgeschlossen. Denn wenn die US-Notenbanker irgendwann einmal im Protokoll notieren sollten, dass sie die Staatsanleihen und Hypothekenbonds verkaufen wollen, geht an den Märkten wohl binnen Minuten das Licht aus. Denn die Fed hat von diesen Papieren zusammengenommen ein Volumen von rund 4,5 Bill. Dollar auf der Bilanz. Zum Vergleich: Das Volumen der am Kapitalmarkt ausstehenden Wertpapiere des Bundes (Kapitalmarktschuld) betrug per 5. April 2017 1,117 Bill. Euro. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie die Marktreaktion wäre, wenn die Fed die in etwa vierfache Menge der am Markt gehandelten Bundesschulden verkaufen würde. Man kann in diesem Fall wohl sagen: Das wird nie passieren. Die Fed hat das auch verdeutlicht: Die Bonds sollen "die Kurve herunterrollen". Die Restlaufzeit der Papiere nimmt damit mit jedem Jahr, das sie im Bestand der Fed sind, bis hin zur Rückzahlung dieser Papiere ab.

Die Fed spricht ja auch nur von einer Änderung der Reinvestitionspolitik und damit von der Wiederanlage von gezahlten Zinsen und der Wiederanlage ihr zufließender Rückzahlungen von Nominalwerten. Um die Marktreaktion auf eine Änderung bei diesen beiden Kapitalströmen zu testen, wird die Fed vielleicht in zwei Schritten vorgehen. Zunächst wird sie wahrscheinlich die gezahlten Zinsen nicht wieder in längere Anleihen investieren. Im zweiten Schritt wird sie vermutlich erste Nominale nicht mehr vollständig reinvestieren und hier ebenfalls schrittweise Reduktionen des reinvestierten Betrages vornehmen, um immer marktschonend zu bleiben. Aber bis das alles so weit ist, kann noch sehr viel passieren. Und nach den schwachen März-Arbeitsmarktdaten wurde der Beginn dieses Prozesses noch ein wenig weiter in die Zukunft verschoben.

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