Westfalenpost: Ein Beruf im Teufelskreis / Kommentar von Martin Korte zur Situation der Polizei in NRW

Es steht außer Frage, dass unserer Polizei die bestmögliche Ausstattung zur Verfügung gestellt werden muss. Die Anforderungen an die Beamten steigen: Erstens agieren Terroristen immer brutaler, zweitens betrachtet eine größer werdende gesellschaftliche Gruppe Angriffe auf Beamte offenbar als Zeitvertreib. Die Debatte über Gegenmaßnahmen darf nicht ausblenden, dass es sich dabei häufig um junge Männer mit Migrationshintergrund handelt. Polizisten sind keine Sozialarbeiter und erst recht keine Spezialisten für Integration. Sie müssen uns schützen können – aber eben auch sich selbst. Zum Beispiel mit Body-Cams. Das sind wir den Männern und Frauen in Uniform schuldig, die täglich für andere ihr Leben riskieren. NRW muss jetzt aufarbeiten, was in den vergangenen Jahren falsch gemacht wurde. Die Zeiten, in denen Landesregierungen (sowohl SPD- als auch CDU-geführt) jede Personaleinsparung im öffentlichen Dienst bejubelten, sind noch gar nicht so lange her. Jetzt droht allerdings ein folgenschwerer Teufelskreis: Zwar haben die Verantwortlichen endlich eingesehen, dass zwingend mehr Stellen geschaffen werden müssen. Das zunehmend negative Image dieses Berufs dürfte aber kaum dafür sorgen, dass die Bewerber Schlange stehen. Warum sollten junge Männer und Frauen sich für einen Job entscheiden, in dem sie familienunfreundliche Dienstzeiten, eine nur durchschnittliche Bezahlung und im schlimmsten Fall Gefahren für die eigene Gesundheit in Kauf nehmen müssen? Für die Rahmenbedingungen ist die Politik verantwortlich. Für mehr gesellschaftliche Akzeptanz jeder einzelne Bürger.

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