Allg. Zeitung Mainz: Verschlafen / Kommentar zu tödlichen Radunfällen / Von Friedrich Roeingh

Mainz (ots) – Es gibt Entwicklungen, die erschließen sich eigentlich von selbst. Wenn im Zuge des unübersehbaren E-Bike-Booms immer mehr Radfahrer in Stadt und Land unterwegs sind, wenn damit das Durchschnittsalter der Radfahrer merklich steigt und immer mehr ältere Radler ihren Mobilitätsradius und damit ihre Streckenkilometer erweitern, kann die Zahl der Radunfälle nicht abnehmen. Auch nicht die Zahl der tödlichen. So erklärt sich diese gegenläufige Entwicklung zur sinkenden Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle – die immer mehr Airbags und Assistenzsystemen zu verdanken ist. Bleibt die Frage, was zu tun ist. Der Abbiegeassistent für Lkw muss endlich Pflicht werden. Damit – unabhängig von der Schuldfrage – die schwächeren Verkehrsteilnehmer nicht mehr in den toten Winkel der Laster rutschen können. Hier lässt sich der Gesetzgeber viel zu viel Zeit. Kostbare Zeit verspielen auch die Kommunen. Schließlich dauert der E-Bike-Boom bald schon zehn Jahre an und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Mit einem Mal sind sogar Städte für Radfahrer attraktiv, deren Topografie zuvor kaum jemanden zum Umstieg auf das Rad eingeladen hat. Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit. Es braucht gerade in den Ballungsräumen dringlich kommunale Masterpläne, um die Radwegenetze auszubauen. Die wenigen "Fahrradautobahnen", die der Bund für die wachsende Zahl von radelnden Berufspendlern fördern wird, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Jeder zusätzliche Radwegkilometer ist auch unter ökologischen Aspekten so viel wert wie zehn Ladestationen für Elektroautos.

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