Börsen-Zeitung: Von den USA abgehängt, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) – Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Widerspruch. Die große Finanzkrise ging vom amerikanischen Immobilien- und Hypothekenmarkt aus und kulminierte vor zehn Jahren mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank – und dennoch steht der Aktienmarkt der Vereinigten Staaten eine Dekade später als großer Gewinner da. Mit einem Anstieg des S&P 500 von 144 Prozent seit dem 15. September 2008 haben US-Aktien europäische Dividendentitel – der Stoxx Europe liegt mit nur 40 Prozent im Plus – klar abgehängt.

Tatsächlich ist deutlich stärkere Entwicklung der US-Dividendentitel alles andere als widersprüchlich. Im Crash 2008/09 konnte sich Europa angesichts der engen wirtschaftlichen – und in der Finanzindustrie sehr ausgeprägten – Verflechtung nicht dem von den USA ausgehenden Abwärtssog entziehen. Anschließend war Europa, was Krisenreaktion und Aufräumarbeiten betraf, viel langsamer und weniger konsequent als die USA. Zudem wurde die Region von der sich anschließenden Euro-Staatsschuldenkrise bei weitem stärker negativ beeinflusst als die USA.

Hinzu kommen die grundsätzlichen strukturellen Vorteile der Vereinigten Staaten, die schon vor Lehman Bestand hatten, darunter wesentlich günstigere Rahmenbedingungen für Unternehmen, deren höhere Profitabilität, ein deutlich weiter entwickelter Finanzmarkt, eine ausgeprägte Risikokultur und hohe Innovationskraft.

Aufschluss bietet auch der Blick auf die Aktienbranchen. Der größte Verlierer in Europa seit der Lehman-Pleite ist der Bankensektor mit einer Einbuße des entsprechenden Stoxx-Subindex von mehr als 40 Prozent. Dagegen hat dieselbe Branche in den USA, gemessen am KBW Bank Index, um 66 Prozent zugelegt. Nach Lehman wurde die Bankenbranche in den USA viel schneller und konsequenter wieder auf die Beine gestellt als in Europa – etwa in Form staatlicher Kapitalzufuhr. Gerade die europäischen Banken wurden ab 2009 von der Euro-Krise hart getroffen und kämpfen vielfach immer noch mit gravierenden Problemen. Nicht zuletzt profitieren die US-Institute grundsätzlich von einem bei weitem größeren Heimatmarkt. Zudem weist der amerikanische Aktienmarkt einen besseren Branchen-Mix auf. So hat – um nur ein Beispiel zu nennen – die boomende Tech-Branche ein wesentlich höheres Gewicht als in Europa.

Derzeit erweist sich Trump als Trumpfkarte des US-Markts. Die Steuersenkungen treiben die Gewinne der amerikanischen Unternehmen an, der Handelskonflikt belastet die Aktienmärkte Europas, das wesentlich exportabhängiger ist, stärker als die der USA. Zudem wird Europa vom Chaos in Italien und dem drohenden ungeordneten Brexit belastet.

Allerdings könnten die europäischen Aktienmärkte ihren Rückstand durchaus in absehbarer Zeit zumindest teilweise abbauen. Ein Vorteil sind nämlich relativ zu den USA deutlich günstiger gewordene Bewertungen. Bei den italienischen Regierungsparteien waren zuletzt Ansätze fiskalpolitischer Vernunft zu erkennen, für den Brexit findet sich möglicherweise noch eine Lösung, durch die der Worst Case abgewendet wird. Über kurz oder lang könnte sich auch der Handelsdisput zwischen den Vereinigten Staaten und China entschärfen. Hinter den Kulissen soll es ja entsprechende Gespräche geben.

Insbesondere wenn die Verunsicherung durch den Handelskonflikt bzw. die Befürchtung einer Eskalation zu einem Handelskrieg verschwinden sollte, würde die stark zyklischen und exportabhängige Aufstellung der europäischen Aktienmärkte vom relativen Nachteil zum relativen Vorteil mutieren. Dann könnte die Region ihre Vorzüge, den Performance-Nachholbedarf im Vergleich zu den USA sowie die deutlich günstigeren Bewertungen, ausspielen.

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