Westfalen-Blatt: zur Zukunft der Landwirtschaft

Bielefeld (ots) – Das Klima in der Landwirtschaft ist angespannt. Zwei ungewöhnlich harte Jahre – viel zu nass das eine, viel zu trocken das andere – drücken auf die Erntemengen. Das wiederum zerrt an den Nerven vor allem der Bauern, die große Flächen bewirtschaften, die viel investiert haben und die nun ihre Zinsen bezahlen müssen. Nun weiß der Landwirt zwar nach Jahrzehnten des Kampfes mit EU-Politikern und zuletzt auch mit großen Handelsketten, wie man eigene Sorgen öffentlich machen und damit Druck erzeugen kann. Andererseits neigt er in der Regel nicht zur Panik. Schließlich meint es die Natur grundsätzlich gut mit den Menschen. Ließ sie in der Vergangenheit die Ernte mal ein Jahr schlechter ausfallen, dann gab sie im darauf folgenden Jahr oft doppelt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Johannes Röring, derzeit öffentlich betont gelassen auftritt. Klimawandel? Das lässt sich nach einem Jahrhundertsommer nicht beweisen. Da hat Röring sogar recht. Andererseits sind die Aufeinanderfolge von mehreren ungewöhnlich heißen Jahren sowie und die Zunahme von Stürmen und Starkregen nun auch alles andere als ein Gegenbeweis. Mit Blick auf die weltweit erhobenen Daten, die die Klimaerwärmung und die damit verbundenen Veränderungen in der natürlichen Vegetation und Fauna belegen, sind alle Landwirte gut beraten, sich darauf einzustellen. In diesem Zusammenhang tut eine unabhängige Agrarforschung not. Was die immer weniger und größer werdenden Konzerne der Agrarchemie erforschen, muss nicht falsch sein. Aber es ist von Unternehmensinteressen geleitet. Im Gegensatz zum Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes hält Röring sich mit Forderungen nach sofortigen »Nothilfen« für alle Landwirte zurück. Das ehrt ihn. Auch dass er mehr Wert darauf legt, dass die Klientel steuerlich besser gestellt wird, zeugt von eher langfristigem Denken. Selbst dass er dafür wirbt, Investitionen in Produktionsumstellungen, die im Interesse des Tierschutzes liegen, hier und da um ein oder zwei Jahre zu verschieben, muss nicht sofort in die Schublade »Interessenpolitik« wandern. Schließlich treffen die Ausgaben vor allem Bauern, die wenig Geld haben, also Kleinbetriebe. Grundsätzlich entscheiden nicht Umfragen über die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft, sondern die Verkaufszahlen an der Ladentheke. Dort sind Ökoprodukte zwar gefragter denn je – aber immer noch auf niedrigem Niveau. Die meisten Verbraucher wollen kein Gift, viel Tierschutz und eine möglichst kleinteilige Landwirtschaft. Doch dazu beitragen wollen sie nur insoweit, als der Preisunterschied zu Produkten der so genannten konventionellen Landwirtschaft nicht zu groß wird.

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