Der Zuckerkonsum und das Verhalten von Kindern

Von Horst Krebs

Bekanntermaßen haben Speisen und Getränke mit reichlich Zucker für Kinder schädliche Auswirkungen auf deren Gesundheit. Neu ist, dass man jetzt Zusammenhänge gefunden hat, die einen Einfluss von Risikovariablen auslösen. Dazu zählen körperliche Gewalt, Alkohol, Mobbing und der Konsum von Nikotin. Je höher der Zuckerkonsum, desto größer war der Prozentsatz an Kindern mit solchen Verhaltensmerkmalen, wie eine internationale Studie bestätigt, deren Ergebnisse das Fachblatt „Social Science & Medicine“ veröffentlicht hat. Es fehlen bislang noch die wissenschaftlichen Erklärungen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine ungesunde Ernährung in Form von starkem Zuckerkonsum ein Signal für verschiedene Arten riskanten Verhaltens sein könnte“, schreiben Sophie Walsh von der israelischen Bar Ilan University und Zlata Bruckauf vom UNICEF Office of Research Innocenti in Florenz. Für ihre Studie nutzten sie im Zeitraum 2013 bis 2014 erhobene Daten von 137.284 Kindern im Alter von 11 bis 15 Jahren aus 25 europäischen Ländern und Kanada. Die Kinder gaben Auskunft darüber, wie oft sie Süßigkeiten und zuckerhaltige Softdrinks konsumierten. Als Messwert für den Zuckerkonsum diente eine Skala von 0 bis 14. Dabei bedeutet der Wert 14, dass niemals, und der Wert 0, dass täglich mindestens einmal Süßigkeiten und ein süßes Getränk konsumiert wurden. Außerdem sagten die Kinder, wie oft sie in den vergangenen Monaten an Prügeleien und Mobbing beteiligt waren, ob sie rauchten und wie oft sie Alkohol getrunken hatten und schon mal betrunken waren. Die Forscherinnen berücksichtigten auch das Einkommen und die soziale Stellung der Familie sowie Selbstauskünfte zum psychischen Wohlbefinden.

Die Ergebnisse zwischen den befragten Nationen waren recht unterschiedlich, Teilergebnisse unterschieden sich zum Teil deutlich. In der Summe gab sich dann einen sehr enger Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Risikoverhalten: Die Gruppe der Kinder mit dem größten Zuckerverzehr hatte eine um 78 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für mindestens zwei der fünf untersuchten Verhaltensmerkmale. Am stärksten war diese statistische Beziehung für die baltischen Staaten, Polen und Portugal. Die Ergebnisse für Jungen und Mädchen unterschieden sich in Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien kaum. Dagegen war in Litauen und Rumänien das Risikoverhalten bei Jungen doppelt so stark ausgeprägt wie bei den Mädchen. Der Anteil der Kinder mit dem höchsten Zuckerkonsum lag je nach Land zwischen 12 und 32 Prozent, für Deutschland waren es 31,6 Prozent. Die ermittelten Häufigkeiten von Risikoverhalten ergaben für die knapp 6000 deutschen Kinder Werte, die im Vergleich zu den anderen im Mittelfeld lagen.

Bei Kindern aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten gab es keinen unterschiedlichen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Risikoverhalten  oder nur geringfügig.. Für süße Getränke war die Beziehung enger als für Schokolade und andere Süßigkeiten. Das könne mit zusätzlichen Inhaltsstoffen der Getränke zusammenhängen, vermuten die Forscher. Ein ursächlicher Zusammenhang – dass also der Zuckerkonsum das Verhalten beeinflusst – ist möglich, aber derzeit nicht nachgewiesen. Die Autorinnen plädieren jedenfalls dafür, den Zuckergehalt in Softdrinks zu verringern und den Verkauf von Süßigkeiten an Kinder zu reglementieren. Übrigens, Babykekse schneiden schlechter ab als manch andere Süßigkeit.

Zucker kann schon bei Kindern die Gesundheit ruinieren. Umgekehrt verbessert sich die Gesundheit von Kindern massiv, wenn weniger Zucker gegessen wird. In einer Studie reduzierte man die Zuckerzufuhr von übergewichtigen Kindern, ohne jedoch ihre Kalorienaufnahme zu senken. Die Kinder nahmen nun zwar nicht ab, doch schon nach neun Tagen verbesserten sich ganz dramatisch zahlreiche Stoffwechselerkrankungen, an denen die Kinder gelitten hatten – ein Zeichen dafür, wie schädlich der immer wieder so verharmloste Zucker ist. Dinge wie Bluthochdruck, hohe Blutzuckerspiegel, übermässige Fettansammlung besonders im Bauchbereich und zu hohe Cholesterinwerte sind schon lange bekannt.

Quelle: „Adolescents’ multiple and individual risk behaviors: Examining the link with excessive sugar consumption across 26 industrialized countries“, Zlata Bruckauf, Sophie D. Walsh, Social Science & Medicine, DOI: 10.1016/j.socscimed.2018.08.029

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