Wenn die Jugend spricht

Die Sprache der Jugend ist nicht immer einfach zu verstehen. Ist man in dem gewissen Alter jenseits von 27, so gilt man für manche Jugendliche schon als Gruftie und redet dementsprechend anders. Dabei war es doch zu allen Zeiten so, daß man als Jugendlicher so seine ganz eigene Ausdruckweise nutzte. Auffällig war das bereits Mitte der 50er Jahre, als es besonders schick war amerikanische Phrasen im Alltag zu übernehmen. Man hatte keine Freundin, sondern sein Baby-Doll. Dazu kleidete man sich gerne in blaue Air Force Parkas mit weißem Innenfutter, tanzte Rock Roll nach mitgebrachten Schallplatten und die Söhne betuchter Eltern rauchten natürlich ausschließlich die sündhaft teuren US-Zigaretten. Damals kostete eine Packung fünf Mark, ein heftiger Preis.

 

Das Wort tought hingegen mutierte entgegen seiner ursprünglichen Bedeutung, welche Zähigkeit und Beharrlichkeit ausdrücken sollte, zum deutschen Wort toff, ein Ausdruck für Begeisterung über irgend etwas.

 

Selbstredend passte sich die Musikindustrie an, die Jugendsprache wurde in allen Texten deutscher Schlager nur zu gerne benutzt, häufiger in anderer Bedeutung als es eine korrekte Übersetzung vielleicht notwendig gemacht hätte. Man denke nur an Chris Howland, der das Wort Pumpernickel so gerne hörte, animierend fand und sich letztendlich als Mr. Pumpernickel zu eigen machte. Auch Conny Frohbös anglizierte fortan mit den Boys und Girls indem sie sagte: Hey boys, how do you do?

 

Aktuell ist ein völlig anderer Trend zu beobachten. Einerseits fließen viele englische Begriffe in den deutschen Sprachgebrauch ein, andererseits werden auch Begriffe eingedeutscht oder gar in verändertem Sinn neu definiert. Als kleines Beispiel mag ein erlebtes Gespräch in der U-Bahn gelten.

 

Zwei mutmaßliche Azubis saßen sich gegenüber, statt mit dem Smartphone zu spielen, unterhielten sie sich sogar. Dennoch war es eine leicht befremdliche Art der Kommunikation. SIE: … Alter, ich will ja auch Knete verdienen, aber deshalb abstressen? Weißt du was ich meine? ER: Komm erstmal runter, Geld ist total unwichtig. SIE: Finde ich nicht, habe extra noch nen geilen Nebenjob gefunden, megachillig, Alter. Ich bin an der Tanke, kannste Leute abzocken, Knete rausgeben, fertig und weiter chillen. ER: Mir zu stressig, Geld ist nur buntes Papier, brauche ich nicht. Wenn ich mal welches habe und ein Kumpel braucht es eventuell, gebe ich es ihm, will auch nichts zurück. Seit ich fünf war, ist meine Ma überschuldet, läuft auch, kenne ich nicht anders. SIE: Eh, ist ja cool, aber manchmal braucht man doch was, verstehste was ich meine? ER: Na ja, muss auch nachher noch zu XXX, Altlasten und so …

 

Unwillkürlich fragt man sich dann, ist das noch hipp oder schon mega-porno-fett? Wird er jetzt fernschimmeln (woanders chillen) oder mit seinem Darthvader (Erziehungsberechtigter) drüber sprechen? Vielleicht erstmal ein Hopfensmoothie (Bier) reinpfeiffen und dann etwas hartzen (rumhängen)? Schon abgespaced, diese Sprachwendungen, oder? Nicht einfach alles zu checken, cool zu bleiben, die Sache cremig zu nehmen um nicht als Vollhorst zu gelten. Auf gar keinen Fall darf man heutzutage die medialen Netzwerke auslassen, sonst wird man als sozialtot erklärt. Vorbei sind die Zeiten, wo man den Riemen auf die Orgel warf um eine Aktion anzuleiern, der Gruftie von heute geht zur Abendschule, Deutsch neu erlernen, wer will denn schon in der Sprache der Vergangenheit kommunizieren, im Museum leben? Danach kann man beruhigt cruisen (herumfahren), ist geflashed weil man nicht mehr gedissed wird, jedermann versteht die neue Spache, kein Niveaulimbo mehr. Gib´s ihm, gimmi five!!!

 

 

 

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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