Westdeutsche Zeitung: Leitartikel: Dieses Steak liegt schwer im Magen (Von Olaf Kupfer)

Düsseldorf (ots) – Wer noch einen letzten Beweis dafür brauchte, dass große Teile der Branche des Hochglanzfußballs ein Problem und die Bindung an die Realität längst verloren haben, wird ihn auf diesem Teller in einem Restaurant in Doha vor dem französischen Bayern-Fußballer Franck Ribéry finden.

Dabei ist das in Blattgold gehüllte Steak natürlich nur ein Indiz und noch nicht das Problem an sich. Möge der quirlige Hochglanz-Kicker doch essen, was Geschmacksnerv, eigene Dummheit, Hybris und Markt zulassen, viel schlimmer ist seine aus der Bahn geschossene Pöbel-Reaktion auf jene in dieser unseligen Socialmedia-Welt, die ihm a) das Steak neiden oder b) es eher grundsätzlich bedenklich finden, wenn man auf solch provokativ protzige Weise dem Reichtum frönt. Ribérys unflätigste Schimpfkanonade erinnert an seine Ursprünge auf der französischen Straße und ist einmal mehr Beweis genug, dass er als völlig enthemmter Star zum Vorbild taugte: Erst vor wenigen Wochen hatte er einen Journalisten geohrfeigt.

Nun muss man nicht alles ernst nehmen, was führerscheinlose oder Gold futternde Fußballstars der Branche so an Gefallen servieren. Meist wird anderntags eine andere Sau durchs Dorf getrieben. Bedenklich wird es aber, wenn solche Ausfälle von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge toleriert werden, von eben jenen, die erst kürzlich unbescheiden inszeniert neue moralische Richtlinien im Fußballgeschäft einforderten: Ribèry erhält nun eine Geldstrafe, Geschichte erledigt. So ungefähr stellt man sich das vor in der entrücktesten Station des deutschen Fußballs an der Säbener Straße in München. Geht’s noch?

Die Wahrheit ist: Franck Ribéry dürfte für den FC Bayern kein Spiel mehr machen, wenn nicht andernfalls das Signal nach außen gehen soll, dass der Fußball nicht mehr ernst zu nehmen ist. Unser Tipp: Versuchen Sie es mit Handball, am Donnerstag startet die WM. Dann eher mit Wurst, gehüllt in Currysauce.

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