Casting: Ein Geduldsspiel

Die Agentur Eick rief und alle kamen. Die hoffnungsvollen Komparsen, Kleindarsteller, Neugierige bis hin zu Gelegenheitsschauspielern. Der verdiente Erfolg der Serie Babylon Berlin machte es möglich. Dabei wurde die bisherigen Folgen offiziellen Statistiken nach sogar in allen Erwartungen weit übertroffen.

Dementsprechend stark wurde gleichfalls der Andrang zum Casting. Fünfhundert Komparsen wurden gesucht. Doch kamen mehr als zweitausend Bewerber, manche Berichte sprachen gar von dreitausend Kandidaten. Das veranlasste die Casting-Agentur zu einem weiteren Termin am 26. Januar in der bekannten End-Art Kulturfabrik zu Düren. Zwischen 12-17 Uhr bietet sich eine weitere Chance aktiv am filmischen Geschehen mitzuwirken.

Als am 19. Januar das erste Casting in Bonn stattfand gab es einen ungewöhnlich starken Stau auf den Straßen. Die meisten Teilnehmer reisten mit dem Auto an und hatten dann ein großes Problem einen Parkplatz zu ergattern. Wer gut vorgeplant hatte, fuhr mit dem Zug nach Bonn-Beuel, lief 15 Minuten bis zum Brückenforum. Auch innerhalb der endlos wirkenden Warteschlange versuchten einige wenige Hoffnungsträger diese zu umgehen. Mit der Bemerkung, wirklich mal ganz dringend auf die Toilette zu müssen, was natürlich real vorstellbar bleibt, durfte man direkt in das Gebäude, stand 15 Minuten später vor einem Fotografen der eine Porträtaufnahme mit der dazugehörenden Kennziffer machte.

Bemerkenswert waren einige Dialoge in der Warteschlange. Angefangen von „alten Profis" mit Filmerfahrung bis hin zu „Frischlingen", die einfach mal dabei gewesen sein wollten, war eine bunte Mischung vertreten. Ratschläge, man muss so oder so auftreten, hörte man rings herum.

Die Vorgaben der Agentur, gerne auch vom Leben gezeichnete Menschen unter Vertrag zu nehmen, veranlasste nicht wenige Bewerber dazu sich entsprechend eigener Vorstellung zusätzlich in ein Outfit der 20er Jahre zu zwingen um die eigenen Chancen zu erhöhen. Dabei ist das nicht unbedingt hilfreich. Immerhin sind bei der Auswahl der Fotos sehr erfahrene Mitarbeiter am Werk. Kann man ein Gesicht dem Charakter einer bestimmten Rolle zuordnen, so kommt es in die engere Wahl. Später wird dann durch die Regie nochmals gesiebt und recht kurzfristig werden dann die Einladungen zum Dreh verteilt.

Interessant bleibt dabei die Überlegung, was für ein Gesicht oder Figur muss z.B. ein Henker haben? Vorstellbar sind grobschlächtige Charaktere. Sieht man aber in die reale Vergangenheit, waren es teilweise vollkommen unauffällige Erscheinungen, welche erst in unmittelbarer Ausübung ihrer hässlichen Tätigkeit ein vollkommen anderes Gesicht zeigten. Belegt ist dies beispielweise durch ein TV-Interview mit dem letzten Henker der DDR, Hermann Lorenz. Auf den gezeigten Fotos seines Dienstausweises ein absoluter Nobody. Niemand würde ihm Beachtung schenken. Als er dann aber den Ablauf einer Hinrichtung schilderte, veränderte er sich zusehends. Spontan kam so etwas wie Begeisterung bei ihm auf, plötzlich war er mächtig und furchteinflößend. Schlussendlich war er eine traurige Gestalt, die man nur verachten konnte.

Bei dieser Schilderung offenbart sich dann auch die Problematik für die Filmschaffenden. Nur von der richtigen Auswahl hängt Erfolg oder Misserfolg auch in der kleinsten Rolle ab. Das Gesamtbild muss stimmen.

Mitte Februar beginnen die Dreharbeiten. Wir dürfen uns auf viele spannende Folgen freuen, die sich so wohltuend von vielen Serien abheben. Ob man will oder nicht, den Machern muss man größte Hochachtung zollen.

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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