Ethik als Schrittmacher digitaler Weiterbildung

Im Auftrag des Landes NRW untersuchte die Landesarbeitsgemeinschaft für katholische Erwachsenen- und Familienbildung in Nordrhein-Westfalen e.V., kurz LAG KEFB NRW, ethische Herausforderungen innerhalb digitalisierter Weiterbildung und legt ihre empirisch validierten Ergebnisse vor.

Ethik in Digitalisierungsprozessen assoziieren viele mit persönlichem Datenschutz. Seine Verletzlichkeit wird von dem Gros der Befragten der LAG KEFB NRW-Online-Umfrage als größter Risikofaktor angeführt. Doch das ethische Themenfeld in der digitalisierten Weiterbildung ist weitaus größer abzustecken: Es betrifft auf der Seite von Mitarbeitern und Dozenten ihr Ersetzen durch intelligente Computersysteme für Aufgaben wie Einstufungstests, Vermittlungstechniken bis hin zu Zertifizierungsmaßnahmen. Andererseits gilt es im Interesse der Bildungssuchenden abzuwägen, inwieweit das Plus digitalisierter Lernangebote an zeitlicher Selbsteinteilung und räumlicher Ungebundenheit das Fehlen sozialer Verbindlichkeit und Motivation auffängt. Daher ist nicht jede Lernform digitalisiert besser. „Einige Lerninhalte gewinnen durch den Einsatz digitaler Trainingsbausteine dazu“, erläutert Dr. Martin Schoser, Geschäftsführer der LAG KEFB NRW, „Maßstab hierfür sollte das Gemeinwohl und Wohl der am jeweiligen Prozess beteiligten Akteure bilden. Die Herausforderung ist, möglichst alle in diesen Prozess auf- und mitzunehmen. Insbesondere im Zuge der Digitalisierung sind jene Menschen zu erreichen, die bislang keine Bildungsangebote genutzt haben. Dies umso mehr, da digitale Teilhabe durch Bildungsparität gekennzeichnet ist.“ 

Ethik als Antrieb oder abgehängt als letzter Waggon?

Ethik als philosophische Grunddisziplin befasst sich mit Fragestellungen des guten Handelns und leitet daraus generalisierbare Prinzipien und Normen ab für ein gelingendes Leben oder das Gelingen spezieller Gesellschaftsbereiche. Dementsprechend sind Werte und Richtlinien für gutes Handeln in digitalen Prozessen Gegenstand digitaler Ethik.

Teilhabe als ethischer Maßstab fordert von Bildungseinrichtungen heute, kontinuierlich den allgemeinen Wissensstand – Welche Wissensstände können für welche Fächer vorausgesetzt werden? – zu ermitteln und ihr Weiterbildungsangebot darauf abzustimmen und aufzubauen. 

Digitalisierung verändert die Lebensweise der Menschen lokal und global und lässt neue Sitten entstehen: gute und weniger gute. „Aufmerksamkeit dafür und eine lebendige informationsethische Debatte sind wichtig“, sagt Schoser: „Weiterbildungseinrichtungen als Multiplikatoren können dazu richtungsweisenden Beiträge leisten, bedürfen in der aktuellen Situation jedoch auch Hilfestellungen in Form von Handlungsempfehlungen und Handlungsmaximen. So müssen ethische Aspekte und Orientierungshilfen im Umgang mit neuen Technologien, feste Bestandteile der Mitarbeiter-Schulungen sein. Dies gibt den Mitarbeitern Handlungssicherheit. Auch ist das Vergütungssystem für Lehrende zu überarbeiten. Gegenwärtig wird die Kommunikation mit Teilnehmenden außerhalb der Seminarzeiten sowie die Vorbereitung digitaler Angebote nicht honoriert. Die Stärken der regionalen Verwurzelung vieler gemeinnütziger Weiterbildungseinrichtungen werden durch räumlich und zeitlich entgrenzte Lernangebote unterlaufen. Dieser Gefahr kann mit Lernformen, die Vorteile von Präsenzveranstaltungen und E-Learning kombinieren, Blended Learning, begegnet werden.“ 

Existenzbezogene Bildung

„Der übergeordnete Anspruch an Weiterbildungsangebote, lebensgestaltend und existenzbezogen zu sein, macht beim Thema Digitalisierung nicht Halt“, betont Schoser: „Ethische Grundsätze müssen diese Entwicklungen leiten und nicht als nachträgliches Ad-On kommentieren. Dazu zählt auch die reflektierte und kritische Vermittlung gesellschaftlicher Trends.“ Die von der LAG KEFB NRW durchgeführten Maßnahmen und ihre aktuelle Publikation verstehen sich als Bausteine dessen.

 

LAG KEFB NRW

Dr. Martin Schoser

Geschäftsführer

Tel.: 02 21 / 3 56 54 56 10

Fax: 02 21 / 25 67 63

E-Mail: schoser@lag-kefb-nrw.de

 

Die Landesarbeitsgemeinschaft für Katholische Erwachsenen- und Familienbildung (LAG KEFB) vertritt in NRW 18 Erwachsenen- und Familienbildungswerke, 27 Familienbildungsstätten, 22 Heimvolkshochschulen/Akademien und 10 Verbandsbildungswerke. Sie bündelt und vertritt die Interessen der allgemeinen katholischen Weiterbildung in NRW. Im Themenkomplex Familie, Gesellschaft, Religion, Werte, Kultur, Demokratie, Beruf und Medien nehmen die Mitgliedseinrichtungen eine führende Rolle in der Weiterbildung ein.

 

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