„Die einzige Konstante ist das Alter“

Valérie Bensiek, Managing Director bei Global Student Accommodation (GSA) Germany, im Gespräch über die Zukunft des studentischen Wohnens

Frau Bensiek, der Sektor „Studentisches Wohnen“ hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Welches sind die Treiber dieser Entwicklung?

Valérie Bensiek: Einer der wichtigsten Treiber ist die seit 10 Jahren ungebrochen wachsende Zahl Studierender weltweit. Im akademischen Jahr 17/18 gab es in Deutschland mehr als 2,8 Millionen Studierende – ein neuer Rekord. Das ergibt sich auch aus der steigenden Zahl internationaler Studierender. Deutschland ist heute ein sehr attraktiver Studienstandort. Zahlreiche Universitäten bieten englischsprachige Bachelor- und Masterstudiengänge an. Hinzu kommen die vergleichsweise geringen Kosten für ein Studium in Deutschland.

Parallel dazu wird der Wohnraum immer knapper, es fehlen kleine Wohneinheiten und Studierende finden auf dem regulären Mietmarkt keine passenden Lösungen. Unsere Unterkünfte sind genau auf die Bedürfnisse der Studierenden zugeschnitten. Wir wissen, was sie in dieser Lebensphase benötigen und wir wie sie optimal unterstützen können. Neben einem möblierten Zimmer haben unsere Bewohner deshalb auch Zugang zu Gemeinschaftsflächen wie Lernräumen, einer Dachterrasse und Fitness- oder Kinoräumen. Unsere Mitarbeiter vor Ort stehen zudem rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung. Außerdem entfällt bei uns der lästige Bewerbungsmarathon um ein WG-Zimmer oder eine kleine Wohnung.

Wir erwarten, dass die Zahl Studierender auch in Zukunft weiter wächst. In Großstädten wie beispielsweise Frankfurt am Main wird sich die Problematik, passende Wohnungen für Studierende zu finden, weiter zuspitzen, sodass wir davon ausgehen, dass das Angebot an privaten Studentenunterkünften in den nächsten Jahren weiter ausgebaut wird.

Studierende sind eine sich stark verändernde Zielgruppe. Schon heute sind sie digitaler und mobiler denn je. Welche Herausforderungen birgt das für das studentische Wohnen?

Valérie Bensiek: Unser Gründer Nick Porter war vor knapp 30 Jahren einer der Vorreiter des privaten, studentischen Wohnens in England. Heute sagt er: Die einzige Konstante ist das Alter der Studierenden ¬– sie sind immer noch größtenteils zwischen 18 und 24 Jahren alt –, ansonsten hat sich ihr Leben komplett verändert. Heutige Studierende suchen nach „echten“ Erfahrungen in einer digitalen und globalen Welt. Sie wollen Teil einer greifbaren Student Community sein, gleichzeitig mobil bleiben … und natürlich immer und überall vernetzt: Eine zuverlässige und stabile Internet-Verbindung gehört daher heute für sie zum A und O einer Unterkunft. Drei bis fünf mobile Geräte pro Mieter im WiFi verbinden zu können, ist für sie selbstverständlich. Kein Internet ist schlimmer als kein warmes Wasser. Auf unserer digitalen Roadmap stehen ebenfalls Themen wie eine mobile App, um mit anderen Studierenden in der Residence Pläne zu schmieden oder schnell eine Nachricht an den Hausmeister zu senden, wenn die Lampe kaputt ist.

Ebenso wichtig für die heutige mobile Studierendenschaft sind flexible Jahresmietverträge. Bei uns bindet sich deshalb kein Studierender langfristig, sondern kann jedes Jahr neu entscheiden, ob er weiter bei uns wohnen möchte. Eine andere Seite der Mobilität ist die zunehmende Anzahl ausländischer Bewohner in unseren Unterkünften. Mittlerweile stammt mehr als die Hälfte der Studierenden nicht aus Deutschland. 13 Prozent kommen beispielsweise aus China. Dadurch entsteht eine tolle, multikulturelle Atmosphäre.

Was sehen Sie als die großen Trends im studentischen Wohnen für die nächsten Jahre und wie wird GSA darauf reagieren? 

Valérie Bensiek: Wir sind davon überzeugt, dass es nicht mehr reicht, ein möbliertes Apartment zu vermieten. Wir haben früh erkannt, dass Studierende sich in einer entscheidenen Lebensphase befinden. Sie machen erste eigene Erfahrungen weit weg von zu Hause, sie müssen lernen, ein selbstständiges Leben zu führen. Das kann durchaus Verunsicherungen hervorrufen. Unsere Aufgabe ist es, den Studierenden dabei zu helfen, in ihrem neuen Leben anzukommen und sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Dieser „Wellbeing“-Aspekt ist nachweislich wichtig für den Studienerfolg. Der persönliche Austausch zwischen Studierenden wird nie aus der Mode kommen! Diesen Austausch wollen wir physisch, durch lokale Events, aber auch digital, durch die Einrichtung von Online-Plattformen, unterstützen und ermöglichen.

Einen weiteren wichtigen Trend sehen wir in der Entwicklung der Wohnraumformen. In Deutschland werden größtenteils möblierte Studios angeboten, während wir in anderen Ländern bereits mit sogenannten „Cluster-Apartments“ experimentieren, in denen sich Studenten eine Gemeinschaftsküche und einen Wohnraum teilen, aber einen abgetrennten Schlafbereich haben. Die Wohnraumknappheit wird dazu führen, dass wir immer kreativer mit Flächenkonzepten umgehen, also die beste Mischung aus attraktivem Preis und Privatsphäre finden, müssen. In Zukunft wird es darauf ankommen, für jeden Studierenden die individuell passende Wohnform zu finden. Es wird keine einheitliche Antwort auf die Wohnraumfrage für Studierende geben. Vielmehr werden sie aus einer Vielzahl von Angeboten, vom Studio bis zur „shared flat“, wählen können – je nach Lebenslage und Budget.

GSA befasst sich intensiv mit dem „Wellbeing“-Aspekt. Laut Ihrer neuesten Studie „Student Wellbeing Matters“ kann das richtige Wohnkonzept entscheidend zum Wohlbefinden von Studierenden beitragen. Welche Rolle spielt „Wellbeing“ in der Zukunft?

Valérie Bensiek: Eine große Rolle! Der dem Studium früher gern zugeschriebene Bohème-Charme weicht zunehmend der Belastung, die diese entscheidende Lebensphase mit sich bringt. Die Liste stressauslösender Faktoren im Studium ist lang. Das bestätigt auch unsere Studie, die unter anderem finanziellen Druck, lange Fahrzeiten, Besorgnis hinsichtlich der Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Balance zwischen Arbeit und Studium sowie Wohnungsprobleme zu den wichtigsten Stressbringern zählt. In Expertenkreisen misst man dem Wohlergehen und der damit einhergehenden Leistung unserer Studierenden heute daher größte Bedeutung zu.

Als einziger privater Anbieter in Deutschland, der ausschließlich an Studierende vermietet, haben wir basierend auf den Forschungsergebnissen und Erkenntnissen, die wir in den letzten 18 Monaten gesammelt haben, eine einzigartige Strategie für das studentische Wohlbefinden in unseren Unterkünften weltweit entwickelt und umgesetzt. Die erwähnte Schaffung von Community-Umgebungen ist ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie. Um das zu erreichen, müssen Anbieter von Studentenunterkünften auf und außerhalb des Campus die zusätzlichen Herausforderungen im Blick haben, die diese Wohnform für die Studierenden mit sich bringt und härter daran arbeiten, ein soziales Umfeld zu schaffen, in dem die Studierenden von einem Team vor Ort unterstützt werden, das ihnen den Übergang weg von ihrem Elternhaus erleichtert. 

Hinzu kommen weitere „Wellbeing“-Bereiche wie Gesundheit, Ernährung oder auch Stressbewältigung. Wir wollen all diese Bereiche positiv beeinflussen – oder zumindest die richtigen Anreize setzen. So richten wir beispielsweise auch die Schwerpunkte unserer Events und Dienstleistungen nach dem Wohlbefinden aus und zeigen unseren Bewohnern damit: Das ist uns wichtig, denn das ist für euch wichtig. 

Zum Abschluss lassen Sie uns eine kleine Zukunftsvision skizzieren. Wie könnte die wohnliche Situation eines Studierenden in einer GSA-Unterkunft im Jahr 2030 aussehen?

Valérie Bensiek: Wie bereits erwähnt, wird unser studentischer Bewohner der Zukunft vermutlich immer noch zwischen 18 und 24 Jahren alt sein. Damit werden sich auch die mit dem neuen Lebensabschnitt „Studium“ verbundenen Herausforderungen ähneln. Und umso mehr werden wir ihm dabei physisch und digital zur Seite stehen. Seine individuelle Wunschwohnform wird sich der GSA-Mieter von Morgen recht frei wählen können. Die Auswahl wird sich hier wie gesagt extrem erweitern und es wird auch völlig neuartige Konzepte geben.

Welchen Einfluss die Digitalisierung im Detail haben wird, lässt sich bei dem rasanten Entwicklungstempo heute schwer abschätzen. Zweifelsohne wird unser Studierender in einer Atmosphäre aus State-of-the-Art-Technologien leben und mit allen Studierenden der GSA-Welt bestens vernetzt sein. Er tauscht also beispielsweise von einer Unterkunft in Deutschland die besten Reisetipps mit einem GSA-Bewohner in Australien aus und besorgt sich seine Praktikumsplätze über die GSA-Plattform. Vielleicht wird es auch virtuelle Filmabende mit Bewohnern in aller Welt geben oder gemeinsame Kochabende mit Gerichten aus dem 3D-Drucker ;-).

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