Migration oder die Folgen jahrelanger kolonialer Gehirnwäsche?

Migration ist ein weltweites Phänomen und ein Grundrecht Was Afrika anbelangt, erleben wir eine dynamische Mobilität sowohl innerhalb als auch außerhalb dieses Kontinents. Politiker, NGOs und verschiedene Studien sind sich einig, dass die Hauptursache für Jugendmigration Armut sei, welche durch mehrere Faktoren wie Instabilität der politischen Regime, Naturkatastrophen usw. verursacht wird. 
Ist Armut tatsächlich die Hauptursache für die Migration von Afrika nach Europa?

Durch jahrelange ethnologische und soziologische Feldforschungen in verschiedenen afrikanischen Ländern und in der afrikanischen Diaspora in Europa wurde für mich eine andere Realität greifbar, und zwar aus der Perspektive der Betroffenen. Es ist eine Tatsache, dass die legale oder illegale Migration von Afrika nach Europa mehrere Tausend Euro pro Person erfordert. Es müssen also eher gut situierte, wohlhabende Menschen sein, die die Migration erwägen und nicht alle kommen aus politisch instabilen Ländern.

Auch wenn die Gründe für die Migration auf individueller Ebene vielfältig sind, die Fragen danach immer die gleichen: Was kann einen jungen Afrikaner dazu bringen, seinen Job aufzugeben, sein Bankkonto aufzulösen, Familie und Kinder zu verlassen, um in Europa unter prekären Bedingungen zu leben?  Warum mobilisiert eine junge Afrikanerin Tausende von Euro für die Migration nach Europa, um der angeblichen Armut zu entkommen? Warum wählen viele Migranten und Migrantinnen Europa als Ziel bei ihrer Flucht und nehmen in Kauf, eventuell Tausende km weit weg von der Heimat zu sein und Tausende von Euro zu investieren, die ihnen in den Nachbarländern ein besseres Leben gewährleisten würden?

Eines ist klar, Armut ist nicht die Hauptursache für die Migration junger Afrikaner und Afrikanerinnen nach Europa. Daher müssen Politiker und NGOs ihre Strategien zur Bekämpfung der „illegalen“ Migration revidieren und die richtigen Antworten auf diese Fragen finden. Andernfalls werden sämtliche Strategien wie z.B. die des Europäischen Parlaments, zur Bewältigung wirtschaftlicher Probleme in Afrika, wie Armut und Jugendarbeitslosigkeit, den Migrationsfluss nicht stoppen können. Im Gegenteil, aus Mangel an angemessenen Strategien beobachten wir einen wachsenden Wunsch nach Migration unter jungen Menschen. 

Die einzig relevanten Antworten zur Bekämpfung der Migration sind aber nicht in den Symptomen zu suchen, sondern in Veränderungen der sozialen und religiösen Strukturen und Bildungssysteme, die im Zusammenhang mit der Kolonialisierung eingeleitet wurden. Die Kolonisierung hatte als Ziel, soziale Strukturen nach europäischem Vorbild in afrikanischen Gesellschaften zu etablieren. Dies zog verheerende Folgen nach sich, vom Identitätsverlust, Streben nach europäischen Lebensgewohnheiten bis hin zum unbeugsamen Vorhaben der Migration. Kann man vielleicht sogar anhand des Lebenslaufs eines Afrikaners feststellen, wie wahrscheinlich seine Entscheidung zur Migration sein wird?

Fortsetzung folgt.

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Moris Samen ist Dr. Phil. in Ethnologie (JGU-Mainz) und Diplom Soziologe (Tu-Darmstadt). Durch seine Forschungen verstärkte er seine Leidenschaft für bis heute unbekannte Aspekte afrikanischer Kulturen. Seit 2018 ist er Freiberufler ethnologischer Berater für Entwicklungszusammenarbeit sowie Unternehmertum mit Bezug auf Afrika. Als Kultur Coach und Mentor stützt er auf Afrikanischem Exklusivem Wissen, um ein neues Bewusstsein für ein bereichertes Leben zu vermitteln.

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