Hallo 2020

Kennen Sie das auch? Man erwacht und denkt sich: Was habe ich da wieder für kurioses Zeugs geträumt? Völlig fernab von Logik, Vernunft und der Realität, aber doch mit Nachwirkung, man ärgert sich noch den halben Tag über diesen verrückten Traum.

Weil es real einfach unvorstellbar ist, geradezu absurd, versuche ich jetzt diesen Traum in peinlicher Genauigkeit niederzuschreiben. Zu konfus war er, um verschwiegen zu werden.

Mir träumte, ich schaltete den TV ein, machte es mir auf der Couch gemütlich und erlebte die Neujahrsansprache der von allen Bürgern sehr geliebten Kaiserin Angelique aus der Republik Absurdistan.

Optisch ein Hingucker. Trotz des fortgeschrittenen Alters hatte die Maskenbildnerin mit ihrem Spachtel alle Altersfalten geglättet, etwas Rouge aufgelegt. Mit wohlmeinendem Blick in die Kamera, quasi Auge in Auge mit dem Zuschauer, begannen ihre weisen und von Zuneigung zum Bürger geprägten andachtsvollen Worte zum Jahresübergang:

Meine lieben und sehr verehrten Bürgerinnen und Bürger, liebe Gender, stets geschätzte anderer Lebensauffassungen und auch liebe Kritiker meiner fehlerfreien Politik! Ein Jahr liegt hinter uns, wir haben gelebt, gestritten, versuchten uns gegenseitig das Leben zu erleichtern und doch, dunkle Wolken am Horizont lassen sich nicht schönreden. Ich weiß es doch, Sie hadern mit der Klimapolitik. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden, weshalb ich Sie um ihre geschätzte Geduld bitten möchte. Schon bald werden Sie bemerken, im Januar ist es am frühen Morgen nicht mehr Minus ein Grad, sondern gesunde minus 15 Grad. Sehen Sie nun wie unsere Anti-Klimaerwärmungsstrategie wirkt? Gleichzeitig möchte ich anmerken, durch derzeitige Einsparung an Heizkosten entsteht ein geldwerter Vorteil, den müssen Sie natürlich durch Steuerabgaben bezahlen. Und dann erst das Tempo-Limit. Hier gehen wir mit besonders gutem Beispiel voran, indem wir unser Arbeitstempo drosseln. Ich habe alle Behörden angewiesen kein ungesundes Tempo anzustreben, gut Ding braucht Weile. Nehmen Sie sich den Flughafen BER als Beispiel, ohne Tempobremse wären bestimmt viele Flüchtigkeitsfehler eingebaut worden …

Es gibt dann einige Sachen, die mir persönlich sehr am Herzen liegen, ja, die mich sogar etwas erbost haben. Muss ich in den Leserzuschriften der Medien harsche Kritik am Finanzminister bemerken. Vollkommen daneben, um es mal deutlich zu sagen. Dieser nette Mann bemüht sich Tag und Nacht um das Wohlergehen der Bürger und wird dafür beschimpft … Wissen Sie eigentlich wie der zu seiner Glatze kam? Es war entgegen vieler Meinungen nicht seine fortschreitende Vergreisung, vielmehr raufte er sich ständig die Haare, weil die Umstände zur Steuererhöhung zwangen, darüber gingen ihm alle Haare aus. Regelrecht aufgeopfert hat er sich zum Wohlergehen des Bürgers.

Zusätzlich hat er für Sie gekämpft! Jawohl, statt marktgerechte Spritpreise einzuführen, so zirka drei Euro pro Liter, hat er sich mit nur 35 Cent Preiserhöhung behauptet. Wo bleibt da der Dank???

Auch las ich von Bürgern die verunsichert über negative Äußerungen durch Leserkommentare sind. Ich habe daher auf der letzten Medienkonferenz die Annullierung der Kommentarfunktionen angeregt. Sie haben ein Recht auf kritiklose Berichte, ihre GEZ-Gebühren sollen Sie gerne zahlen statt zu murren. Die müssen wir übrigens moderat verdoppeln, die Künstlergagen sind spürbar angehoben worden.

Ein sehr, sehr wichtiges Thema ist der Weltfrieden. Übrigens mein ganz persönliches Lieblingsthema. Politisch schwer zu managen, doch gelang uns ein Geniestreich.

War es früher üblich ein starkes, schlagkräftiges Heer zu besitzen, haben wir intelligente kleine Friedensschachzüge eingeführt. Bewusst vernachlässigten wir die Qualitätskontrollen gekaufter Panzer oder Flugzeuge, verminderten den Wartungsaufwand und siehe da, nur wenige der kampfstarken Maschinen sind überhaupt einsatzbereit. Jeder potenzielle Gegner erkennt nun: Die sind viel zu schwach, um uns gefährlich zu werden, die lassen wir links liegen. So geht real existierende Friedenspolitik! Sie können also miteinander entspannen und sich auf ein weiteres friedliches Jahr freuen.

Momentan werden Diskussionen um ein Feuerwerksverbot recht kontrovers geführt. Als strikte Gegnerin einer ständigen Verbotspolitik wollen wir sanft auf den Bürger einwirken, indem eine Feinstaubsteuer eingeführt wird. Wir denken an etwa 20% des Nettoeinkommens monatlich. Die daraus konsultierende Konsequenz ist die: Der Bürger hat kein Geld mehr für Knallerei über, ohne ein Verbot zu erlassen beenden wird damit das leidige Thema. Bei uns kommt der Bürger immer an erster Stelle.

Noch eine persönliche Anmerkung zum Schluss: Ich habe mich wirklich sehr über die SfM-Bewegung (Sonntags für Mutti) gefreut, zeugt es doch von einer verantwortungsvollen Jugend. Und als Mutti der Nation ist es mir auch eine Ehre, für die ich aus vollem Herzen erwidern kann, ich habe Euch alle lieb!

Spontan wachte ich auf, kalter Schweiß auf der Stirn, Herzrasen und meine Gedanken fuhren Achterbahn. Aber ich bin auch glücklich, sehr glücklich sogar, denn es war ja nur ein dummer Traum und von der wunderschönen Realität extrem weit entfernt.

Ein frohes neues Jahr mit weiterhin viel Glück. Blicken Sie zuversichtlich in die Zukunft, auch wenn Sie gelegentlich im Winter noch heizen müssen, die Klimaerwärmung wird schon noch kommen! Man darf da nicht zu ungeduldig sein. Ein gewisser Herr Habeck & Co. haben es immerhin versprochen …

… und wenn ein Politiker etwas verspricht, hält er sein Versprechen gelegentlich sogar … gelegentlich!

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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