NASA-Training in der Schweiz

Als ich im letzten Jahr meinen Flug zum Mars buchte, hatte ich mir um die Umstände und Erfordernisse wenig Gedanken gemacht. Nun liegen nur noch wenige Monate irdischen Seins vor mir, das Training beginnt und am 20. Juli, plus minus weniger Tage falls das Wetter dagegen ist, geht es dann endlich los.

Wie allgemein bekannt, sind die dünnen atmosphärischen Gegebenheiten auf Mars recht schwierig. Aus diesem Grund schickte mich die NASA zu einem Höhentraining in die Schweiz. Genau gesagt: Nach Grindelwald. Das ist noch nicht sehr hoch, aber von dort muss ich dann unter Realbedingungen den Jungfrau-Express besteigen und bis auf 3200 Meter fahren. Die Höhenluft macht, dass einem das Atmen schwer wird. Dazu mein Rucksack mit wichtigen Expeditionsutensilien: Kamera, Dauerwurst, flüssige Mittel wie Bargeld und Nasentropfen, eine Ersatzunterhose und das Ganze ohne Frühstück. Ich soll, sagt die NASA, abgehärtet werden.



Also das war ja was! Schon die Anfahrt zum Gipfel in der ersten Klasse war beschwerlich.  Ich war gezwungen mir den Wagen mit anderen Passagieren zu teilen, trotz meines Mars-VIP-Status. Schnatternde Inder, vom Brexit deprimierte Engländer, ein Australier und alle, wirklich alle redeten auf mich ein, was ich doch für ein Held bin; als ob ich das nicht selber wüsste … tzzz.

Endlich kamen wir an. Mein voll beladener Rucksack drückte, es war kalt und windig, ich schnappte nach Luft und kriegte kaum welche. Nicht einfach, Rambo hätte längst kläglich versagt. Nur ich nicht! Tapfer schob ich mich in das Bergrestaurant. Dort wartete bereits mein Expertenteam mit den Prüfungen. Ehrlich gesagt, mir wurde schon etwas blümerant, habe mir jedoch nichts anmerken lassen.

Der NASA-Doc hörte kurz mein Herz ab, dann diese Sache mit … husten sie mal …, mag da nicht weiter drüber sprechen, jetzt gings los! Man stellte mir drei Maßkrüge mit Bier vor die Nase, dazu drei Pflümli. Ich sollte feststellen, wie sich Alkohol in dünner Atmosphäre verhält und wie der Einfluss auf die Geschmacksnerven so ist.

Ganz ehrlich, einen kurzen Moment kam ich mir wie im Dschungelcamp bei der Ekelprüfung vor. Bier … bähhhh und dann Schnaps … noch mehr bähhhh. Es half aber nichts, runter mit dem Zeugs. Dachte ich jetzt, schlimmer geht nicht, war das ein klassischer Trugschluss! Man ließ mir eine kleine Verschnaufpause, nun kam es ganz, ganz dicke. Ich sollte mir drei bis vier der attraktiven Kellnerinnen schnappen und mich mit den Girls in den Ruheraum begeben. Was dort passiert … Datenschutz! Offen gesagt, ich war in Sorge. Man weiß ja nicht ob die Girls DAS auch durchhalten … mein Verantwortungsbewusstsein meldete sich.

Erfreut kann ich berichten, es wurde keine der Damen ohnmächtig. Hat mich aufrichtig erleichtert!

Erstmalig hatte ich nach Abschluss dieser knallharten Eignungstests leichte Bedenken. Also nicht wegen der Girls, die waren durchaus geeignet, doch nun wurde mir klar auf was ich mich da eingelassen hatte. Andererseits füllt es mein Frequent-Flyer-Konto mit vielen, vielen Punkten. 

Tscha, nun sitze ich hier einsam in den Bergen herum, weder Heidi noch ein Yeti kommen mich besuchen. Es werden wohl demnächst einsame Tage auf dem Mars werden. Wenn also mal jemand des Nachts in den Sternenhimmel schaut, ein blinkendes Licht sieht, das bin ich mit der Taschenlampe, ein kleiner Gruß an Euch Erdlinge! Ab 20. Juli bitte die Daumen drücken, damit alles gut geht, und wenn mich jemand besuchen möchte, herzlich willkommen, wenn es kein Borg ist, Assimilation lehne ich ab!

Es grüßt    Der erste echte Marsianer

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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