Vom Kuchenroller und mehr …

„Do you know what a biscuit-roller is? Listen and maybe you´ll find out …“ So fragte Erika Lewis, die Sängerin der überaus erfolgreichen amerikanischen Band Tuba Skinny auf einer Veranstaltung des australischen Senders ABC in Sydney. Allgemeines Kopfschütteln, nein, nie gehört. Es folgte Dixiland-Jazz in bester Manier und dann begann Erika zu singen. Selbst für Zuhörer, die nur Englisch konnten, war es zu Anfang nicht leicht einen Bezug zum Titel herzustellen. Doch dann offenbarte es sich dem Publikum. Es ging um einen Mann, dessen Frau ihn verlassen hatte, kein Frühstück stand bereit, nichts war geregelt, er klagte vor sich hin. Diese Frau war sein Biscuit-Roller, wie er sie liebevoll nannte. Ein Grund tiefer in die Texte ewig beliebter Musik einzusteigen. Auch wenn die Entstehung oft aus der Not damaliger Sklaven geboren wurde, sie all ihre täglichen Leiden in Lieder verpackten, tat es dem (späten) verdienten Erfolg keinen Abbruch. Bemerkenswert ist dabei, häufiger sind die Texte mit einer Prise Humor gewürzt, den wirklich grausamen Umständen zum Trotz. Jeder kennt „House of the rising sun“, sehr melodiös vorgetragen, ist es dennoch nichts anderes als ein Klagelied und eine wohlmeinende Warnung. Man soll nicht so werden wie jener Mann, der sich als Trinker und Spieler im Bordell herumtrieb und alles, wirklich alles verlor, denn: „ Dont you do what I have done“ … Es lohnt sich die Texte im Web zu suchen, zu lesen, plötzlich hat das Lied eine größere Bedeutung, der Zugang zu dieser Art von Musik gewinnt an Gehalt. Gänzlich anders offenbaren sich Beerdigungen. Für uns mehr als ungewohnt, sieht man häufiger in der Gegend um New Orleans eine schwarze Trauergemeinde die singend und swingend einen Verstorbenen zu Grabe trägt. Bunte Bekleidung ist nicht unüblich. Musikalische Menschen können in der Musik sofort den Schmerz, die Trauer hören. Langsame, dunkle Rhythmen machen es verständlich. Völlig neu wurde vor einigen Jahren Satire als Liedgut verpackt. Wir kennen es aus den 70er Jahren in Deutschland, wenngleich anfänglich mehr Humor als pure Satire zum Vorschein kam. Man denke nur an Ulrich Roski, ein Meister der Wortkunst (Oma bella Roma), oder Reinhard Mey (Ich bin Klempner von Beruf), gefolgt vom auch heute sehr beliebtem Fredl Fesl (Meine Frau will mich verlassen). Letztlich besonders aktuell kommt es aus der Steiermark. Betty O. besingt die Superpuppi, Text und Melody hervorragend abgestimmt, wird man neugierig auf weitere Lieder von ihr. Humor scheint ihr Hauptanliegen zu sein, hört man sich das Lied „Kullimuh“ an. Zu toppen ist es nur durch die dazu gehörenden Videos.  Auf dem internationalem Parket glänzte Bobbie Gentry aus den USA mit „Ode to Billie Joe“. Tiefschwarz beschreibt sie ein Flussdelta in den Südstaaten, die Menschen, den Selbstmord von Billie Joe. Papa fragt beim Nachmittagskaffee nach einem weiteren Stück Kuchen und ganz beiläufig wird dann erwähnt, „Today, Billy Joe MacAllister jumped off the Tallahatchie Bridge“, bevor man weiter über die Baumwollernte spricht. Gelegentlich kommt dann der Sprung von Billie Jo wieder vor, aber es scheint nicht weiter von Bedeutung im Gespräch zu sein … gibt es doch viele wirklich wichtige Dinge zu diskutieren. Wunderbar hat Bobbie Gentry menschliche Verhaltensweisen vorgeführt. Dennoch ist es Unterhaltungsmusik, schöner Sound, hinhören und verstehen nicht ausgeschlossen! 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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