Wenn der Einstellungstest erleichtert wird …

Als ich die Pressemeldung über geänderte und verminderte Anforderungen bei der Einstellungsprüfung zum Bundespolizisten las, war ich recht verwundert. Waren doch gerade die Bundespolizisten immer die Vorzeigebeamten. Besonnen reagierend, stets alle notwendigen Paragraphen wissend und obendrein noch sehr, sehr höflich, sogar Beschuldigten gegenüber.

Und nun senkt man die Anforderungen?

Es scheint jedoch nicht allzu schlimm zu sein, gemäß der Verlautbarung geht es „nur“ um Fehler im Diktat. Mea culpa, einerseits zumindest, andererseits muss man auch in die Zukunft denken. Wie mag es wohl in zwanzig, dreißig Jahren danach aussehen? 

Schauen wir einmal in die Zukunft:

Auf dem Hauptbahnhof München gelingt per Videoüberwachung die Sichtung eines gesuchten Straftäters. Sofort machen sich zwei Bundespolizisten auf den Weg, der Mann muss festgenommen werden. Dies gelingt, der guten Ausbildung von früher sei Dank, ohne Probleme, der überraschte Täter leistete keinerlei Gegenwehr.

Auf der Wache beginnt ein kurzes Verhör, wird natürlich korrekt schriftlich bestätigt. Es könnte sich etwa so lesen:

Der behschuldickte … äh, hör mal Kollege, mit ck oder einfaches k? Keine Ahnung, frag mal den Chef, der hat vier Jahre Grundschule sogar doppelt gemacht, der weiß so etwas.

Der Chef macht darauf aufmerksam, dass er auch nicht alles wissen kann, immerhin fiel er verschiedentlich krankheitsbedingt in der Schulzeit aus. Mal Mumps, mal Masern, und genau dieses Wort hatte man seinerzeit überhaupt nicht drangenommen.

Es blieb dabei: Der behschultickte gap aan, zur Zeid der tatbegehhuhnk nicht for Ord gehwehsen zu sein, es wääre eine valsche Aanschuhldikunk.

Da griff der Chef ein, indem er darauf aufmerksam machte, Zeit schreibt man mit T, nicht mit D. Ordnung muss sein und man sei ja nicht bei den Analphabeten.

Beschämt korrigierte der Protokollführer seine Niederschrift, ersetzte das D durch ein T …

Zufällig bekam ein Politiker dieses Protokoll in die Hände. Er las, staunte und dann wuchs er über sich selbst hinaus! In der nächsten Sitzung des Parlaments forderte er laut die dringend überfällige Rechtschreibreform und endlich die Einführung einer längst notwendigen künstlichen Intelligenz. Man muss seine Beamten entlasten und unterstützen, es kann doch nicht sein, dass wegen einer veralteten Ansicht deutscher Schreibweise die Behörden nicht mehr ernst genommen würden. Die Bevölkerung hat ein Recht auf vorbildliche aktuelle Schriftform in den Ämtern.

So kam es, dass der Einstellungstest zeitgemäß angepasst wurde. Hinzu kamen so wichtige Fächer wie Mathematik, der Beamte soll jederzeit in der Lage sein, einen Strafzettel richtig zu berechnen.

Prüfungsfrage: Vier Täter gehören einer Bande an. Einen Täter konnten Sie festnehmen, der zweite Täter entzog sich der Festnahme durch Flucht, der vorletzte Täter konnte nicht beweiskräftig ermittelt werden, wogegen sich der vierte Täter freiwillig wegen Kleptomanie in medizinische Behandlung begab und deshalb vor dem Zugriff vorübergehend geschützt ist.

Berechnen Sie anhand des Dreisatzes die prozentuale Beteiligung der Festnahme. Alternativ markieren Sie Lego-Bausteine mit den Zahlen 1 bis 4 und verdeutlichen Sie die einzelnen Schritte der Täter.

Uff, da merkte ich endlich meine unausgereifte Bildung, solche Fragen zu beantworten wäre mir nicht möglich und damit ist auch der Traum einer großen Karriere geplatzt. Ich möchte das zum Anlass nehmen mich für meine sichtlich mangelhafte Bildung allerseits zu entschuldigen, auch ich hatte in der Schulzeit diverse Krankheiten zu überwinden.

Zukünftig vertraue ich nur noch auf Gott und den Duden mit der nächsten Rechtschreibreform.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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