Wachsausschmelzverfahren

Die Wachsausschmelzverfahren, einer der ältesten, aber keineswegs einfachsten Gießverfahren, wurde über Jahrtausende hinweg immer wieder perfektioniert. Grundlage für alle Verfahren ist das aus der flexiblen Reproduktionsform erstellte hohle Wachsmodell. Retuschiert und mit Angüssen und Steigleitungen versehen, wird es in eine keramische Masse getaucht und getrocknet. Das flüssige Metall wird in die entstandene Gussform bei unterschiedlichsten Formtemperaturen eingefüllt oder gezogen. So entstehen hochfeine Formen und eindrucksvolle Kunstwerke.

Je nach Skulptur sind bis zu 20 verschiedene Arbeitsgänge notwendig, bis aus dem Originalmodell ein fertiges Kunstwerk aus Metall entsteht. Drei Methoden werden am häufigsten angewendet:     

BLOCKFORM MIT GIPSSCHAMOTTE

Um das Wachspositiv zu erstellen, werden beide Silikonhälften sorgfältig mit Wachs bemalt, dann werden beide Hälften der Negativform zusammengefügt und mit heißem Wachs gefüllt. Nach einigen Minuten des Abkühlens entsteht eine feste Wachsschicht. Das überschüssige Wachs wird wieder ausgegossen, so dass ein hohles Wachsmodell entsteht. Dieser "Wachsrohling" wird aus der Negativform ausgepackt, mit einem Schamottkern aus Gips gefüllt, vom Künstler erneut retuschiert und mit Angüssen und Steigern versehen. Das gesamte Objekt wird mit Gipsschamotte überzogen, wodurch die für den Guss notwendige Schamotteform entsteht. Diese wird 3-4 Tage lang bei bis zu 750°C in einem Ofen ausgebrannt, bis das Wachs herausschmilzt und die Schamotteform einschließlich ihrer Hohlräume vollständig ausgebrannt ist. Im nächsten Schritt wird die flüssige Bronze im Ofen bei max. 1250°C erhitzt, von der Schlacke befreit und dann in einem Arbeitsgang in die Hohlräume der ausgebrannten Form gegossen. Nach dem Erstarren des Modells wird der Schamottblock zertrümmert, um das gegossene Kunstwerk freizulegen. Viele Künstler möchten den Moment erleben, in dem ihre Skulptur gegossen wird.

KERAMIK-SCHALENFORMVERFAHREN

Das Keramikverfahren wird bei besonderen Anforderungen an das zu gießende Teil eingesetzt. In diesem Fall wird die Form aus keramischem Material anstelle von Gipsschamotte hergestellt. Das aus der flexiblen Negativform hergestellte hohle Wachsmodell wird mit Angüssen und Steigern versehen und je nach Größe vier- bis sechsmal in die Keramikmasse getaucht und anschließend getrocknet. Die so entstandene Schale, die eine Dicke von 6 mm bis 10 mm erreicht, wird in einem Dampfautoklaven ausgeschmolzen und in einem Ofen bei 800°C gebrannt. Dadurch erreicht die Schale die notwendige Härte, um mit dem flüssigen Metall gefüllt zu werden. Nach der (schnellen) Erstarrung wird die Keramikschale zertrümmert, um das gegossene Kunstwerk freizulegen.

KERAMIKMETHODE MIT VAKUUMUNTERSTÜTZUNG

Die Vakuumküvetten-Gießtechnik wird bevorzugt für komplexe Modelle, wie z.B. anspruchsvolle technische Teile und Schmuck. Die Wachsrohlinge werden mit relativ wenigen Angüssen versehen, da das Metall vakuumunterstützt in die Form fließt. Nach dem Einsetzen der Angüsse wird das Wachsmodell in einen Edelstahlzylinder gelegt und in gipsgebundene Formmasse gegossen, bis die zylindrische Form gefüllt ist. Diese Formmasse wird dann gemischt und unter Vakuum gegossen. Nach dem Aushärten des Materials wird das Modell in einem mehrstündigen Prozess in einem Ofen ausgeschmolzen und anschließend gebrannt. Die noch warme Form wird in einen Gießbehälter gelegt und dann wird ein Vakuum erzeugt. Das flüssige Metall schießt quasi in den Hohlraum und füllt diesen mit großer Präzision aus. Nach dem Abkühlen wird das Gussteil sorgfältig aus dem Edelstahlzylinder herausgewaschen. Mit diesem komplexen Verfahren können komplizierte Gussteile mit 1-2 mm Dicke hergestellt werden. Aufgrund der Art des Verfahrens ist die maximale Größe auf ca. 50 cm begrenzt.

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