De Zoch kütt

Helau und Alaaf, Wuppdika und Bumsvallera, meine lieben Hörer und Hörerinnen, hier ist Ihr Reporter Dieter Abstrus aus der Hochburg des Karnevals, aus Kölle am Ring.

Die Nachrichten vom nächsten Sturmtief lies ja viele Karnevalisten im Regen stehen. In Mainz und einigen anderen Provinzen im Land wurde der Umzug sogar abgesagt. Aus Sicherheitsgründen, wie man uns erklärte. Daher habe ich mir eine Expertin für Sicherheitsfragen eingeladen. Sie steht neben mir, eine Pappnase ziert keck ihr Gesicht und ich frage mal: „Frau Reker, müssen wir uns Sorgen machen, ist die Sicherheit beim Rosenmontagszug gefährdet?“ „Also wissen sie, Herr Abstrus, das kölsche Herz schlägt nun einmal für den Karneval, dem Kölner Bürger so etwas wegen ein paar Regentropfen vorzuenthalten, wäre so, als würde man einem gläubigen Katholiken Marias Wiederkehr oder Jesu Neuankunft auf der Erde verschweigen. Wir Kölner sind da anders drauf. Und wenn es nun regnet, nun ja, ein laues Vorfrühlingslüftchen weht, dann ist das eben so. Wir sagen immer: Biste schon von außen nass, kippste nach innen auch noch was, Alaaf!“

„Tja, ähm, also … aber was empfehlen Sie nun explizit für einen sicheren Karneval?“

„Natürlich rufe ich den Mädchen wieder zu, eine Armlänge Abstand wirkt besser als die Pille und es gibt ja auch noch wirklich schöne Taucheranzüge. Wenn man die etwas bemalt, trotzt man jedem Starkregen mit Bravour.“

Liebe Hörer vor dem Radio, jetzt höre ich zarte Klänge. Der erste Wagen kommt! Vorab eine Kapelle, die sich den regenreichen Umständen angepasst hat, sie spielt auf Wasserpfeifen! Auf dem Wagen rekeln sich die Karnevallisten als Fische verkleidet und ich sehe jetzt das Motto: Hat sich Christian Häckl auch beim Wetter verzockt, Karneval rockt!

Dem ist nichts hinzuzufügen, Stimmung pur, kann ich da nur sagen. Die ersten Kamelle fliegen auf uns zu. Natürlich wasserdicht verpackt. Und schon kommt der zweite Wagen. Es ist einfach nicht zu fassen, wie aktuell dieser Rosenmontagszug ist. Ein U-Boot rollt auf uns zu. Auf dem Turm steht eine Angela Merkel und hält trotzig drein guckend eine Europa-Fahne. Ich lese ihnen das Motto mal vor, da steht: Man kritisiert uns wieder schon, nun gehen wir auf Tauchstation.

Aber auch hier hat man dem Volk noch etwas zu geben, Kamelle kommt geflogen. Quasi versinnbildlichte Verzuckerungspolitik.

Frau Reker bringt soeben das Kunststück fertig, trotz armlangem Abstand zu schunkeln, und singt laut etwas wie … In C-o-l-o-n-i-a … mehr bekomme ich nicht mit, denn die Kapelle auf dem folgendem Wagen spielt laut einen bekannten Schlager der 60er Jahre und alle singen mit: Mach doch nicht immer so viel Wind; dass weiß doch wirklich jedes Kind, dass die Kölner alle Jecken sind …

DAS hätte man besser nicht gesungen, der Wind frischte spontan auf. Was sehe ich da, der Dom wackelt .. wenn das mal gut geht. Aber Frau Reker beruhigt mich, indem sie sagt: „Stürmische Zeiten, nicht nur zu Karneval, sind dem Politiker drissegal.“

So langsam begreife ich den Karneval. Fröhlichkeit über alles und auch ich sage jetzt: Et hätt noch immer juut jejange …

Also beende ich meine Reportage aus dem heiligen Köln und stürze mich in das Gewühl. Selbstverständlich nicht, ohne Frau Reker vorher zu bützen. Dies ist eine alte Tradition hier, sollte man nicht außer Acht lassen. Hallo, wer sind sie jetzt? Ein älterer Mann steht vor mir, lächelt mich geradezu verliebt an und dreht mir seinen Rücken zu … „Haach du süßer Bengel, komm, wir machen mal Stippefüttchen … “Mikro aus!!! Ich plane meine Flucht aus Köln und möchte sofort nach Grönland, karnevalsfreie Zone und dort kann ich den stürmischen Regen sogar noch genießen.

Doch halt, was ist das??? Dort drüben prügelt ein Mann in Frauenkleidern auf die Umstehenden ein. Nur gut, dass unsere Polizei sofort zur Stelle ist. Man legt den Mann in Handschellen und führt ihn ab. Neugierig geworden folge ich den Polizisten auf ihr Revier. Beherzt nehme ich mein Mikro zwecks Befragung in die Hand, nicht ohne vorher diesen Mann kritisch zu mustern. Er trägt Netzstrümpfe mit Strapsen, ein teures rotes Minikleid eines berühmten Modehauses, dazu die passende Jacke und auf dem Kopf hat er eine schwarze Perücke, dazu eine dicke Brille auf der Nase. „Warum machen Sie so etwas? Wieso schlagen Sie auf feiernde Menschen ein?“ Er reckt sich empor: „Ich feiere doch bloß Karneval! Die Prügel sind selbstverständlich Teil meiner karnevalistischen Kostümierung, kapiert das eigentlich niemand hier?“ „Hähh???“ Ich kapierte es auch nicht, fragte nach: „Als was gehen Sie denn im Karneval?“ Trotzig blickt er mich an: „Ich gehe als Andrea Nahles und ALLE kriegen von mir auf die Fresse …“

Kölle Alaaf …

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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