Coronavirus in Deutschland: “9 von 10 Bundesbürgern fürchten sich vor Corona”

"Die Bevölkerung hat mehr Angst, als sie zugibt!". Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts mo’web research GmbH geht der Thematik auf den Grund.

02.03.2020 – Pressemeldung / mo’web research GmbH

Aktuelle Studie zur Wahrnehmung des Coronavirus in der Bevölkerung:
"Die Deutschen haben mehr Angst, als sie zugeben!"

In den sozialen Medien zeichnet sich ein polarisierendes Bild zum Coronavirus ab. Manche äußern ihre Sorge um die eigene Gesundheit und fragen nach Schutzmaßnahmen, andere wiederum machen sich mit spitzfindiger Häme über leere Supermarktregale lustig.

Doch inzwischen scheint sich das Virus nicht nur digital auszubreiten, sondern auch regional immer näher zu rücken. Seitdem die ersten Fälle in Deutschland bekannt sind, wird das Gelächter zuweilen leiser.

Was ist dran am Coronavirus? Wie ernst ist die Gefahr wirklich? Ausverkaufte Desinfektionsmittel, leergekaufte Nudel-, Reis und Konservenregale – ein Blick in den Supermarkt beweist: Die Bevölkerung bereitet sich auf den Ernstfall vor. Aber wie viel Angst haben die Deutschen wirklich?

Eine aktuelle Umfrage des Düsseldorfer Marktforschungsinstituts mo’web research GmbH (www.mowebresearch.com) geht der Thematik etwas detaillierter auf den Grund und zeigt, dass die tatsächliche Angst in der Bevölkerung deutlich größer ist, als es die öffentliche Diskussion vermuten lässt. Die bevölkerungsrepräsentativ-geschichtete Onlinestudie mit n= 1.007 Teilnehmern wurde im Zeitraum von Freitag, den 28.02.2020 bis Sonntag, den 01.03.2020 erstmals durchgeführt.

Das Fazit: 9 von 10 Bürgern in Deutschland haben Angst

Das Kernergebnis der ersten Befragungswelle der Trackingstudie zur Einstellung der Deutschen gegenüber dem Coronavirus legt nahe, dass 92% der Bevölkerung besorgt bis hin zu sehr besorgt über die aktuelle Entwicklung sowie die Folgen einer Corona-Pandemie sind.

Dabei zeichnen sich drei wesentliche Themen ab, die diese Sorge befeuern: An erster Stelle steht überraschenderweise die Angst um die wirtschaftlichen Konsequenzen einer großflächigen Pandemie beziehungsweise einer notwendigen Quarantäne. An zweiter Stelle steht die Sorgen um die eigene Gesundheit oder die Gesundheit nächster Angehöriger. An dritter Stelle steht die Angst vor einem Zusammenbruch der öffentlichen Versorgungssysteme.

Wirtschaftliche Befürchtungen liegen an erster Stelle

72% der Bevölkerung befürchten, dass das Virus negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage haben könnte. Sie haben Angst um ihre Jobs, um den Wert ihres Geldes oder allgemein um die wirtschaftliche Lage der Nation, beziehungsweise der Eurozone. Dabei werden hauptsächlich Bedenken in Hinsicht auf die Produktivität der Deutschen Wirtschaft als Exportnation, sowie um die Verfügbarkeit von notwendigen Zulieferartikeln angeführt. Die Grundlage dieser Ängste liegt nicht vorrangig in gesundheitlichen Aspekten, sondern viel eher in einer diffusen Angst vor großflächigen und zeitlich unbestimmten Quarantänemaßnahmen.

Sorge um die eigene Gesundheit oder nächste Angehörige

Obwohl das Coronavirus schon in einigen Fällen zum Tod geführt hat und im Vergleich zur klassischen Influenza eine deutlich höhere Mortalität aufweist, stehen gesundheitliche Bedenken nicht an erster Stelle.

Die Mehrheit der Befragten fühlt sich in Hinsicht auf mögliche Ansteckungswege, eindeutige Symptome oder den detaillierten Krankheitsverlauf nicht zuverlässig aufgeklärt. Vereinzelt monieren Befragte widersprüchliche Aussagen von "Experten" in den klassischen und vermehrt in den sozialen Medien.

Daher fürchten sich 64% aller Befragten davor, selbst angesteckt zu werden oder machen sich große Sorgen um ihre Verwandten. Vor allem aber um die Senioren im eigenen Verwandten- und Freundeskreis wird gebangt (74% der Befragten).

Auch große Sorge um öffentliche Versorgung

Warenströme aus China drohen einzubrechen, Supermarktregale werden leer gekauft – was soll man tun, wenn es plötzlich zu Lebensmittelknappheit kommt, der Zugang zu Strom und fließend Wasser ausfällt oder unser Gesundheitssystem zusammenbricht?

51% der Befragten haben Angst vor Versorgungsengpässen. In aller erster Linie sorgen die Befragten sich um ein zuverlässig funktionierendes Gesundheitssystem im Falle einer schnellen, großflächigen Verbreitung der Coronaviren. An zweiter Stelle wird ein eventueller Mangel an Corona-Schnelltests in der Sorgenliste der Befragten angeführt.

Darüber hinaus sorgen sich die Befragten darüber, dass es zu Engpässen in der Lebensmittelversorgung sowie zu Einschnitten in der kommunalen Infrastruktur kommen könnte.

Mäßiges Vertrauen in die staatlichen Strukturen

61% aller Befragten stimmen der Aussage zu, dass die deutschen Gesundheitsorganisationen genügend Vorkehrungen treffen, um eine Verbreitung der Coronaviren ausreichend einzugrenzen. Vor allem der Arbeit der Gesundheitsämter wird großes Vertrauen entgegengebracht. Als positives Beispiel wird die Eindämmung in Heinsberg, NRW beziehungsweise die Einrichtung einer Corona-Teststelle in Düsseldorf, NRW angeführt.

Knapp die Hälfte der Befragten (49%) traut es den staatlichen Instanzen zu, im Falle einer großflächigen Pandemie entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um Schaden von der Bevölkerung bestmöglich abzuwenden.
Nachvollziehbar und angebracht finden zwei Drittel der Befragten die Tatsache, dass Großveranstaltungen kurzfristig abgesagt werden (68%).

Erste Verhaltensänderungen machen sich im Alltag bemerkbar

Ein allseits beliebtes Sprichwort lautet "Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!" und so neigen viele Befragte dazu bereits jetzt schon erste eigene Maßnahmen zur Risikominimierung umzusetzen.

78% der Befragten geben an, ihr Verhalten als Reaktion auf das Virus bereits geändert zu haben. In erster Linie waschen sich die Befragten häufiger die Hände (69%), meiden direkten Körperkontakt (51%) oder größere Menschenmengen (37%). Auf öffentliche Verkehrsmittel insgesamt verzichten lediglich 12% der Befragten, wobei Stoßzeiten vermeiden immerhin 21% der Befragten.

Fernreisen, Dienstreisen, Messetermine oder Besuche bei Großveranstaltungen haben allerdings beachtliche 57% der Befragten bereits abgesagt oder überlegen dies kurzfristig zu tun.

Rund ein Drittel der Befragten (31%) ist der Aufforderung in den Medien gefolgt und hat bereits größere Vorräte an Nahrung und Wasser (für bis zu 14 Tage) angelegt.

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