Corona in der Not

Als Gelegenheitsdieb Falk Dümmlich mal wieder erwischt wurde, wusste er schon im Vorfeld um die drohenden Konsequenzen. Nach Wochen der Hoffnung und des Bangens lag ein Brief im Kasten. Vorladung vom Amtsgericht, die Anklageschrift und der Termin für den Prozess. Persönliches Erscheinen wird angeordnet.

Etwas mulmig begab sich Falk am besagten Termin zum Gericht. An der Eingangstür stand ein großes Schild: Achtung: Wenn Sie mit dem Corona-Virus infiziert sind oder den Verdacht haben infiziert zu sein, dürfen Sie das Gebäude nicht betreten! Gezeichnet, Dr. Neunmalklug, Direktor des Amtsgerichts.

Oh, Falk war zuerst etwas irritiert. Plötzlich fiel ihm auf, dass erst seit kurzer Zeit immer so ein Kratzen im Hals verspürt hatte, seine Stirn fühlte sich auch etwas warm an und dann dieses Fröstelgefühl und der sich ankündende Durchfall erst. Nein, Falks Ehrgefühl meldete sich, das kann er dem netten Richter und dem lieben Staatsanwalt nicht zumuten. Was sollen denn die Zuschauer, die Falk nach all den Jahren schon als Fangruppe ansah, also was sollen die denn von ihm denken? Er straffte sich: Niemals, er infiziert weder Richter noch Staatsanwalt oder andere Menschen, er geht wieder heim! Man darf eben nicht an sich selbst denken, das Allgemeinwohl verpflichtet!

Tragisch nur, dass der Vorsitzende von Falks edler Haltung nichts mitbekam. In Abwesenheit erging ein Versäumnisurteil. Zusätzlich rügte man Falks ignorante Abwesenheit was zur Strafverschärfung führte. Neun Monate ohne Bewährung!

Daheim machte Falk es sich gemütlich, sah TV, trank ein Fläschchen Bier und freute sich seines Lebens. Er rief prophylaktisch den Amtsarzt an, schilderte in glühenden Farben seine Erkrankung und prompt erging Hausquarantäne.

Ungeachtet dieser dramatischen Entwicklung lag wenige Wochen später ein Brief im Kasten, Falk erschrak, der Absender war die JVA Geldern. Mit zitternden Fingern öffnete er den Brief, las und staunte, bevor er in schallendes Gelächter ausbrach. Stand dort tatsächlich: Sehr geehrte zukünftige Insassen unserer schönen JVA vom Niederrhein, mit großem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir aufgrund einiger ernster Infektionen derzeit keine Neuaufnahmen akzeptieren können. Auch das geplante Sommerfest Mitte Mai, mit Brathähnchen für alle Insassen, wird aufgrund dieser Situation verschoben. Bis auf Weiteres verfügen wir hiermit ab Zeitpunkt des Strafantritts häuslichen Arrest. Selbstverständlich erfolgt eine Anrechnung auf den aktuellen Strafvollzug.

Viva Corona, entfuhr es Falk!!!

Nun sitzt er gefangen in seiner Wohnung, darf nicht vor die Tür, seine attraktive Nachbarin kocht für ihn und betreut ihn auch sonst, wenn deren Männe auf der Arbeit ist. Es ist bewundernswert wie Falk diesen harten Lebensabschnitt meistert. Corona als Retter in der Not, wer hätte das gedacht?

Also keine Panik, et hätt schon immer juut jejange!

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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