Die Kehrseite der Maskenpflicht

Es begann mit einem Beschwerdebrief der Vereinigung Deutscher Bankräuber e.V. an die Bundesregierung. Sogar mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht drohten die Mitglieder, denn die Maskenpflicht entehrt eine ganze Zunft, gibt sie gar der Lächerlichkeit preis.

Vorausgegangen war folgendes Ereignis:

Manuel Kloakis, eigentlich ein vom Schicksal zum Versagertyp gestempelter Straftäter, drückten wieder einmal Geldsorgen. Nicht nur, dass ihn seine Frau mit den fünf Kindern verließ, nein, sie plünderte auch noch die spärliche Haushaltskasse, das Sparbuch und sogar diese eheliche Heftchensammlung. Unterhalt wollte sie auch noch!

Woher nehmen und nicht stehlen? Manuel war verzweifelt. Im Moment war er gerade auf Bewährung frei gekommen, doch nun half alles nichts, er musste sich Geld beschaffen, egal wie!

Da kam ihm die Maskenpflicht wie gerufen. So konnte er völlig maskiert, aber unauffällig, eine Bank betreten und auch wieder verlassen. Gesagt, getan. Leicht nervös betrat Manuel eine Bankfiliale. „Geld her, aber dalli, sonst …“ der Kassierer schaute kurz leicht verdutzt auf Manuel, dann entspannte er und lachte laut los, während die Menschen hinter Manuel zu klatschen begannen. „Also das jemand in der Corona-Krise noch so viel Humor hat, köstlich, wieviel hätten Sie denn gerne?“ Manuel schluckte, wieso nimmt der mich nicht ernst? „Äh, reichlich natürlich, her mit dem Zaster!“ „Sehr gerne“, der Kassierer lächelte freundlich, „wenn ich kurz Ihre Bankkarte haben dürfte, abbuchen muss ich ja nun mal …“ Das war zu viel, Manuel flüchtete unter großem Gelächter aus der Bank.

Zweiter Versuch in einem anderen Geldinstitut. „Das ist ein Überfall, ich will Geld sehen!“ Jetzt lachte kein Bankangestellter mehr, vielmehr forderte man Manuel auf die Drehgenehmigung vorzuzeigen. Er sei doch sicher von einer der bekannten Comedy-Sendungen die immer im TV laufen. „Außerdem,“ so der Zweigstellenleiter zu Manuel, „reale Bankräuber treten ganz anders auf, nicht mit so einer lächerlichen Allerweltmaske. Dazu Ihr Gesicht, allgemein gesprochen, schon ein richtiger Brüller! Zum Schmunzeln sei das irgendwie schon …“. Er würde Manuel ausgesprochen gerne noch auf einen Kaffee einladen.

Tief frustriert kratzte der verhinderte Bankräuber sein letztes Geld zusammen und betrat die Praxis von Psychiater Dr. Heini Treudoof, einem stadtbekannten Spezialisten für Depressionen. Dort schilderte er sein Versagen, seine Nöte, und obwohl er sich immer sehr genau das Verhalten von Bankräubern im TV angesehen hatte, es aus seiner Sicht perfekt imitiert hatte, wurde er ausgelacht.

„Sie sind nicht positiv eingestellt. Immer sehen Sie nur was alles an schlimmen Dingen auf Sie zu kommt. Hatten Sie negative Kindheitserlebnisse?“ Manuel nickte, seinen Vater hat er niemals kennen gelernt, seine Mutter war damals der Star im örtlichen Freudenhaus, aber zuhause eine Schlampe.

„Aha“, der Psychiater nickte, „ da haben wir das Problem. Sie müssen lernen sich selbst zu lieben, dann werden Sie auch von anderen Menschen geliebt. Das Leben wendet sich zum Guten für Sie. Zahlen Sie jetzt bar oder per Kreditkarte?“

Manuel kramte verlegen sein letztes Geld aus der Tasche, zahlte den Seelenklemptner. Im Treppenhaus begegnete ihm eine Frau. Tolle Figur, eine schicke Frisur und modisch gekleidet. Etwas verlegen lächelte Manuel sie an. Sie lächelte zurück: „Na, junger Mann im Frühling, wohin so schnell des Weges?“ Heh, klappt ja, Manuel war begeistert, jetzt wird gebaggert!

Flugs landeten beide in ihrer Wohnung. Dort entpuppte sich Traute, so hieß sie, als richtiges Plappermäulchen.  Auch sie hatte Schicksalsschläge hinter sich. Als sie neulich aus der Apotheke kam, wo sie sich eine Schutzmaske kaufte, selbstverständlich sofort aufsetzte, lernte sie Thomas kennen, eine vielversprechende Bekanntschaft. Nun war Traute schon lange allein, da lässt man nichts mehr anbrennen, Thomas begleitete sie in ihre Wohnung und als Traute die Maske abnahm, fasste sich Thomas ans Herz, dann fiel er tot um.

„Er war wohl recht krank“, folgerte Traute daraus. „komm, wir machen es uns gemütlich, mein süßes Bengelchen.“ Traute zog Manuel aufs Sofa, öffnete de ersten zwei Knöpfe ihrer Bluse und forderte Manuel auf, ihr die Maske abzunehmen …

So kam es, dass Manuel plötzlich aller Sorgen enthoben war. Selbst dessen Beerdigung musste seine Ex bezahlen. Wer also jetzt noch gegen die Tragepflicht von Schutzmasken meckert, sollte sich der Tatsache bewusst sei, diese Maske schützt Leben, man muss sie nur aufbehalten …

Frei nach einem bekannten Heimatdichter:

Behält sie eine Maske vor dem Gesicht,

stirbt man später durch Erschrecken nicht.

 

NACHTRAG: Das Schweizer Nachrichtenmagazin Nau.ch berichtete inzwischen von einem Bankräuber der tatsächlich mit einem Mundschutz maskiert war. 

https://www.nau.ch/news/polizeimeldungen/bankrauber-erbeutet-hunderttausende-franken-in-langnau-am-albis-65700192

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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