Schnelle Ergebnisse, geheilte Patienten, entlastete Kliniken

(Stuttgart/Reutlingen) – Die Noscendo GmbH eröffnete kürzlich eine Niederlassung im Technologiepark Tübingen-Reutlingen (TTR) am Standort Reutlingen. In dem modernen Entwicklungs- und Applikationslabor können mittels Next-Generation-Sequencing (NGS) die Auslöser für zahlreiche Infektionskrankheiten außergewöhnlich schnell identifiziert werden. Grundlage ist eine selbst entwickelte Diagnostikplattform, die Bakterien, DNA-Viren, Pilze und Parasiten in Blutproben von Patienten zuverlässig identifiziert.

In der Intensivmedizin sind schnelle und zuverlässige Informationen bei lebensbedrohlichen Zuständen – wie beispielsweise einer Sepsis – essenziell. Hier geht es vor allem darum, das richtige Antibiotikum frühzeitig und zielgerichtet verabreichen zu können. Von den etwa 300.000 Sepsis-Fällen, die es jährlich in Deutschland gibt, verlaufen 70.000 tödlich, weil das drohende Organversagen nicht durch eine schnelle Diagnose und die entsprechende Therapie gestoppt wurde. Die Sepsis gilt daher seit Jahren als eine der Haupttodesursachen auf Intensivstationen. Aktuelle Studien zeigen, dass auch schwere Verläufe einer COVID-19-Erkrankung zu einer Sepsis führen können.

Bisher werden Kulturen von Blutproben angelegt, die in der Regel bis zu fünf Tage "bebrütet" werden müssen, und selbst dann ist eine genaue Aussage über den bakteriellen Erreger nur in etwa 30 Prozent der Fälle möglich. Für andere Infektionen, die beispielsweise durch den Schleimhäute befallenden Pilz Candida ausgelöst werden, kann dies sogar bis zu drei Wochen dauern. Mit dem von der Noscendo GmbH entwickelten Diagnostikverfahren liegt das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden vor – inklusive der exakten Aussage, welcher Keim, also welches Bakterium, welcher DNA-Virus oder Pilz, der Auslöser ist. Dann kann, beispielsweise statt eines Breitband-Antibiotikums, gezielt ein auf den Erreger abgestimmtes Antibiotikum oder ein Antimykotikum gegeben werden. In der Folge lassen sich nicht nur die Nebenwirkungen minimieren, sondern der Patient kann auch wesentlich schneller entlassen werden. So trägt dieses Verfahren zur Entlastung des, nicht nur aktuell durch den Corona-Virus stark belasteten, Gesundheitssystems bei.

Die Pilotstudien sind abgeschlossen und das Verfahren wird bereits in maximalversorgenden Kliniken in ganz Deutschland eingesetzt. Diese schicken die Proben an das Labor in Reutlingen, in dem sie unter der Leitung von Noscendo-Mitgründerin Dr. Silke Grumaz untersucht und die entsprechenden Daten aufbereitet werden. Anschließend werden die Daten dann durch spezielle bioinformatische Auswertungsalgorithmen analysiert. Seit 2019 ist diese Software als Medizinprodukt CE-gekennzeichnet.

Geplant ist, das Team im Labor weiter aufzustocken. "Wir haben uns auch für diesen Standort entschieden, weil hier durch die Nähe zu wissenschaftlichen Einrichtungen in der BioRegion STERN und zur Universität Tübingen hochqualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung stehen und weitere Forschungs-Kooperationen entstehen können", erklärt Dr. Marcus Benz, COO der Noscendo GmbH.

Für Dr. Markus Nawroth, Geschäftsführer der Standortagentur Neckar-Alb, ist die Ansiedlung des Hightech-Unternehmens, das 2018 in Duisburg gegründet wurde, von großer Bedeutung: "Nicht nur die aktuelle Pandemie-Situation zeigt, wie wichtig schnelle und zuverlässige Diagnostik in der Medizin ist. Wir freuen uns, dass mit Noscendo ein weiterer Akteur der Life-Sciences-Branche in der Region Neckar-Alb seine Adresse hat."

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