Wie und wann schreibt man ein Motivationsschreiben?

 

 

Das Motivationsschreiben ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Wann ist es angebracht, was drückt es aus und wie schreibt man es? Erfahren Sie hier mehr.

Schreiben Sie Motivationsschreiben in einem richtigen Stil

 

In vielen Bereichen des täglichen Lebens gelten die USA als Vorreiter. Dies gilt auch – und vor allem – in der beruflichen Welt. So kommt es, dass das in Deutschland eher unübliche Motivationsschreiben bei Hochschulen, Unternehmen und Stiftungen immer beliebter wird. Vielen Arbeitnehmern ist es auch als „Seite Drei“ bekannt. Nach dem Lebenslauf und dem Anschreiben ist es vielfach der dritte Bestandteil einer Bewerbung. 

 

Während es sich im regulären Arbeitsmarkt eher langsam verbreitet, gehört es bei privaten Hochschulen und bei Stiftungen, die Stipendien vergeben, zum Pflichtprogramm. Sollten Sie vor einer Bewerbung stehen, zu der ein Motivationsschreiben gehören soll, finden Sie im folgenden Tipps zur Gestaltung dieses Schreibens. Darüber hinaus erfahren Sie, ob – und wenn ja wann – es Sinn macht, der Bewerbung freiwillig ein Motivationsschreiben beizufügen. 

 

Das Motivationsschreiben – warum wollen Sie die Stelle haben?

 

Im Anschreiben wird erklärt, warum Sie sich für den Job, das Studium oder das Stipendium eignen. Das Motivationsschreiben soll hingegen ausdrücken, warum Sie diesen Job, dieses Studium, dieses Stipendium haben wollen. Was ist Ihre Motivation hinter der Bewerbung? Führen Sie im Motivationsschreiben auf etwa einer DIN A4-Seite aus, was Sie begeistert und Ihr Interesse an der ausgeschriebenen Stelle weckt. Zusätzlich kann das Motivationsschreiben Argumente enthalten, die im Lebenslauf und im Anschreiben keinen Platz gefunden haben. Für den Arbeitgeber ist das Motivationsschreiben vorteilhaft, da es weitere Informationen über den Bewerber Preis gibt. Für diesen wiederum ergibt ein solches Schreiben Vorteile, da es weiteren Platz bietet, den potentiellen Arbeitgeber von sich zu überzeugen.

 

Es sollte jedoch differenziert werden, wann es generell sinnvoll ist, eine „Seite Drei“ zu verfassen. Prinzipiell lässt sich sagen, dass ein Motivationsschreiben immer verfasst werden sollte, wenn es explizit gefordert wird. Ansonsten kann darauf verzichtet werden, solange der Bewerber sich keine großen Vorteile durch das Aufsetzen eines solchen Schreibens verfasst. Verfügen Sie jedoch über zahlreiche Argumente, die beweisen, dass Sie für den ausgeschriebenen Job brennen und können diese nicht im Anschreiben unterbringen, sollten Sie freiwillig ein Motivationsschreiben verfassen. In solchen Fällen ist es jedoch wichtig, nicht auf standardisierte Floskeln zurückzugreifen.

 

Wenige Formalitäten – viel Platz für Persönlichkeit

 

Beim Verfassen des Motivationsschreibens existieren kaum Formalitäten, an die Sie sich halten müssten. Lediglich die Länge des Schreibens ist häufig vorgegeben – ist dies nicht der Fall, sollte sie eine DIN A4-Seite nicht wesentlich überschreiten. Das Motivationsschreiben bietet viel Platz für persönliche Ausführungen und Argumente. Sie dürfen detailliert auflisten, warum Sie sich für den Job interessieren und was Ihr Interesse geweckt hat. Im Gegensatz zum Anschreiben bietet die „Seite Drei“ Platz für Details. 

 

Achten Sie jedoch unbedingt darauf, Floskeln auszulassen

Das Motivationsschreiben sollte dem Personaler tatsächlichen Mehrwert liefern. Liest der Mitarbeiter der Personalabteilung aneinandergereihte Floskeln und Thesen, wird er das Schreiben schnell ad acta legen und Sie als mittelmäßig bzw. durchschnittlich einstufen. Zu den zu vermeidenden Floskeln zählen beispielhaft:

 

  • „Hiermit bewerbe ich mich….“

  • „Ich bin gut organisiert.“, „Ich bin pünktlich.“, „Ich kann x, ich besitze y.“

  • „Ihr Unternehmen interessiert mich.“

Sie sollen in diesem Teil der Bewerbung nicht wiederholen, dass Sie sich für die ausgeschriebene Stelle interessieren – diese Tatsache ist bereits durch das Absenden der Bewerbung belegt. Sie sollen ausführen, warum Sie sich interessieren.

 

Das Auflisten besonderer Fähigkeiten ist akzeptabel, wenn diese Ihr Interesse an der Stelle begründen können. Sie sollten es allerdings nicht dabei belassen, unbelegte Thesen aufzuführen. Stattdessen ist es von Bedeutung, diese Thesen zu untermauern. Zu diesem Zweck dürfen auch detaillierte Erfahrungen, Stationen aus dem Lebenslauf oder anderweitige Gegebenheiten geschildert werden.

 

Der Aufbau des Schreibens

 

Generell sind Sie in der Gestaltung des Motivationsschreibens recht frei. Das Papier sollte jedoch – wie das Anschreiben auch – einen Briefkopf enthalten, der Ihren Namen, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer und (falls vorhanden) Ihre E-Mail-Adresse enthält. Zudem sollte rechtsbündig das aktuelle Datum zu sehen sein. Abgesehen von diesen Angaben sind Sie hinsichtlich des Aufbaus und der Gestaltung frei.

 

So steht es Ihnen auch offen, dass Motivationsschreiben in Form von Stichpunkten zu verfassen – sofern der Arbeitgeber nicht ausdrücklich einen Fließtext verlangt. Achten Sie – egal, welche Variante Sie wählen – darauf, das Schreiben nicht mit unwichtigen Informationen zu überladen. Zudem sollte der Adressat in jedem Falle persönlich angesprochen werden.

 

Das Schreiben beginnt also nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren“, sondern mit „Sehr geehrter Herr Mustermann“. Dies ist ein erster Beleg dafür, dass es sich um ein individuell angefertigtes Schreiben und nicht um ein Massendokument handelt. Es ist zudem empfehlenswert, tatsächlich für jede Bewerbung ein individuelles Schreiben anzufertigen. Für die Stelle als Kulturreferentin ist eine andere Motivation nötig als für die Stelle als Unternehmensberaterin. Wenn Sie sich für unterschiedliche Jobs bewerben, sollten Sie also auch unterschiedliche Motivationsschreiben aufsetzen.

 

Die Einleitung

 

Erfahrungsgemäß fällt es den Menschen schwer, einen Anfang zu machen. Dies bezieht sich nicht ausschließlich auf das Verfassen von Motivationsschreiben, sondern auf jede Handlung im Leben – aller Anfang ist schwer. Dennoch sind Anfänge zumeist ausschlaggebend für den Erfolg aller darauffolgenden Dinge. Demnach sollten Sie ausreichend Energie aufwenden, einen beeindruckenden Einleitungssatz zu schreiben. Verzichten Sie auf abgegriffene Floskeln – setzen Sie stattdessen auf eine individuelle Einleitung, die Bezug zu Ihrer Person und der ausgeschriebenen Stelle nimmt. 

 

Der Hauptteil

 

Im Hauptteil sollten Sie die Kernpunkte Ihrer Motivation anführen:

 

  • Warum wollen Sie die Stelle haben? Warum haben Sie sich beworben?

  • Was begeistert Sie an der Tätigkeit und an den Inhalten?

  • Welchen Mehrwert bringen Sie mit?

  • Welche Erwartungen haben Sie? Welche Entwicklung versprechen Sie sich?

  • Warum sind Sie der Richtige für die Stelle? 

 

Vor allem hinsichtlich des letzten Punktes sollten Sie darauf achten, zu viel Redundanz zu vermeiden – die meisten Informationen wurden bereits im Anschreiben genannt. Kontrollieren Sie das Geschriebene anschließend. Es ist nicht leicht, die eigene Motivation zu Papier zu bringen, ohne den Anschein dezenter Selbstbeweihräucherung zu erwecken.

 

Der Schluss

 

Einige „Experten“ raten davon ab, den Konjunktiv zu verwenden. Dieser schwäche die eigene Qualifikation und alles vorher Genannte ab. Letztendlich bleibt es jedoch eine Frage des persönlichen Stils, ob Sie schreiben, „Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen“ oder „Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freue ich mich.“. Indikativ formulierte Sätze könnten einen zu selbstbewussten Eindruck hinterlassen – dieser wirkt zum Teil fordernd und respektlos. Letztendlich ist es jedoch – wie bereits erwähnt – eine Frage des persönlichen Stils.

 

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass das Motivationsschreiben Ihnen Raum gibt, dem Arbeitgeber zu „erzählen“, warum Sie sich auf die Stelle bewerben. Nutzen Sie diesen Platz, um Ihre Motivation zu erklären und Ihre Stärken auszuspielen. Erklären Sie, was Sie sich von dem Job erwarten, wie Sie das Unternehmen gefunden haben, welche Entwicklung Sie sich versprechen. All das kann geschickt mit Ihren persönlichen Stärken und Erfahrungen verbunden werden. Das Kunststück besteht darin, nicht lediglich das Anschreiben zu wiederholen und keine Lobeshymnen auf die eigene Person anzustimmen.

 

Veröffentlicht von:

Studi Kompass

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