Locker in der Lockerung bleiben

Guten Tag liebe Hörerinnen und Hörer, hier ist Ihr Reporter Dieter Abstrus mit einer Reportage aus der berühmten Düsseldorfer Altstadt, ich möchte doch mal sehen wie das Leben sich nach den ersten Lockerungen und Kneipenöffnungen gestaltet.

Es ist ein sonniger Tag, die schönen Frühsommertemperaturen verleiten zu einem Bummel an der längsten Theke der Welt, wie sich die Altstadt auch nennt. Zu Recht, wie ich finde! Schaun wir einmal wie die Lockerung in der Praxis aussieht.

Ich stehe in einer kleinen Gasse, unmittelbar vor einem Lokal mit Live-Musik. Eine lange Schlange von Menschen steht davor und wartet auf Einlass. Die kleine, aber sehr anheimelnde Räumlichkeit ist gemäß behördlicher Auflagen ausgelastet. Drei Musiker und zwei Gäste. Mehr passt durch die Abstandregelung nicht hinein. Leider, wie ich betonen möchte. An der Eingangstür steht ein Schild: Aufgrund großer Nachfrage und starkem Besucherandrang bitten wir höflich um Terminbuchung.

Klingt das auch zuerst etwas ungewöhnlich, muss ich an dieser Stelle die Wirtin loben. Ungeachtet eigener Gesundheit stellt sie sich vor die Tür und raucht und raucht und raucht. Denn ist sie nicht hinter der Theke, wo noch eine zweite gastronomische Fachkraft werkelt, kann ein Gast mehr hinein. Jawohl, der Gast ist König. Nur die Krone muss man selbst mitbringen, bei knapp zwei Meter Kontaktabstand gestaltet sich die Krönung nämlich etwas schwierig.

Bummeln wir mal weiter. Jetzt sind wir in einem der großen Brauhäuser. Hier ist alles wieder ganz, ganz anders. In wirklich großen Abständen zueinander sitzen vereinzelte Gäste im gigantisch wirkendem Gastraum. Ich frage den Köbes wie es nun um die Kommunikation steht. Er lacht: „Unsere Geschäftsleitung verteilt für die Verweildauer der Gäste Megaphone. So kann man sich trotz der Entfernungen zueinander ganz prima unterhalten.“ Aha, das ist gelebte Gästepflege, Kompliment! Der Köbes zieht mich zur Seite: „ Mal ganz privat gesprochen, mir hat die Lockerung sogar bei gesundheitlichen Problemen geholfen. Vor der Krise musste ich stündlich ein bis zwei 50 Liter Fässer rollen und aufstellen. Jetzt ist es ein 10 Liter Fass für den ganzen Tag. Meine Rückenschmerzen sind total verschwunden.“ Schön, wenn man so positiv denken kann. 

Um die nächste Ecke herum wieder ein kleineres Lokal, aber trotzdem ganz groß. Die Gäste kennen es als das Lokal vom fröhlichen Sauerländer. Natürlich heißt das Lokal anders, doch mein Sender wünscht nicht den Anflug von Schleichwerbung, also verbleibe ich diskret. Das hat leider noch nicht geöffnet. Nicht nur schade für die Gäste, sondern auch schädlich für eine gewisse irische Brauerei. Die schicken nämlich angehende Braumeister zum Zapflehrgang in dieses Lokal. Besondere Lokale in Irland dürfen danach das Prädikat „Sauerlaender proofed“ tragen. Darin ist unser Sauerländer nämlich ein regelrechter Künstler. AUFMACHEN!!!

Wie stehen die Gäste eigentlich zur aktuellen Situation? Viele Hörer werden sich das fragen. Dazu gehe ich in ein weiteres Lokal, sozusagen der Homebase vom Kittelman, einer legendären Persönlichkeit der Altstadt. Weißer Kittel, ebensolche Haarpracht, eigentlich müsste er ein Roy Black Fan sein, ganz in weiß … sieht man einmal von einer „Ordensleiste“ ab, mindestens 15 bunte Kugelschreiber zieren die Brusttasche des Kittels. „Na,“ frage ich ihn, „wie siehst Du denn die Lage?“  Scheint er nicht gehört zu haben, denn sein Blick hängt an der geschlossenen gläsernen Eingangstür seines Lieblingslokals und der darin befindlichen Glücksspielautomaten. „Heh, ich rede mit Dir …“

„Oh hallo, haste mal fünf Euro für mich?“ Ich bot ihm zehn Euro an, was er erfreut annehmen wollte, mir spontan sagte was für ein feiner Mensch ich doch bin. Leider war das Schicksal dagegen, er konnte meinen 500-Euro-Schein nicht wechseln. So nahm ich ihn mit in einen Biergarten, ein Trösterchen ausgeben. Was soll ich sagen, wir durften hinein, in hundert Meter Entfernung vom nächsten Tisch Platz nehmen. Leider übersah ich das Schild am Eingang: Verzehrzwang! Jeder Gast muss für mindestens 50 Euro Bier verzehren. 

Um Gottes Willen, da sterbe ich garantiert an Alkoholvergiftung!

Der Köbes beruhigte mich, muss mir keine Gedanken machen, man hätte nur die Preise angepasst, mehr als drei kleine Bierchen gibt es dafür sowieso nicht. Also Völlerei kann man dem Lokal nicht vorwerfen.

Wieder gänzlich anders geht es in einem Lokal zu, dessen Bekanntheitsgrad bei Partygängern für feuchte Augen sorgt. Hinzu kommt, hier wird mit Ehrlichkeit sogar hemmungslos übertrieben. Fotografisch festgehalten sieht das dann so aus: Links steht eine kleine Schönheit in einem T-Shirt: So sehe ich aus wenn Du besoffen bist. Man kommt in Versuchung besoffen zu sein, dann hat man den prachtvollen Anblick gleich doppelt …

Rechts von ihr steht ein weiteres Mädel, etwas anders prächtig, auf deren T-Shirt kann man lesen: Und so sehe ich aus wenn Du nüchtern bist.  Zur Ehrenrettung beider Damen bleibt aber festzuhalten, egal ob besoffen oder nüchtern, sie haben ihren Charme. Leider hat man noch zu, die Fans leiden!

Für mich persönlich, liebe Hörer, beinhaltet diese Lockerung die mich nicht locker macht, eine gewisse Tragik. Alle Bedienungen tragen nämlich eine Maske. Zwar notwendig, doch gilt beim Bier der gleiche Grundsatz wie beim Essen. Das Auge trinkt mit. Nun kann man überhaupt nicht erkennen wie hübsch die weibliche Bedienung ist. 

Zum Glück hatte ich schon vor längerer Zeit einige Gesichter im Gedächtnis abgespeichert.  Trotzdem muss ich sagen: Schade, schade, schade um die lieben Gesichter von Pia, Nicole, Claudia, Marianne, Gudrun, Sabine, Birgit, Susanne, Anne-Dörte, Pe, Monika, Inge, Dagmar, Tinchen, Geraldine alias Giesela, Jana, Simone, Erika, Carmen, und, und und; in dem Fall nenne ich sie immer alle Hasilein …

Bleiben Sie tapfer, gesund und hoffen Sie mit mir auf baldige bessere Zeiten!

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

Am Krausen Baum 6
40489 Düsseldorf
DE

Ansprechpartner(in):
Ulli Zauner
Pressefach öffnen

Firmenprofil:

Ich arbeite ausschließlich als Freelancer

Zuletzt veröffentlicht:

Kaiserlicher Adventsgruss - 26.11.2020

Brief an meine Ex - 24.11.2020

Traumtänzershow - 17.11.2020

Verordnungswirrwarr - 05.11.2020

Träume in Nussbaum - 02.11.2020

Lockdown - 29.10.2020

Mein Anstand ist fort - 15.10.2020

Wo bleibt mein Nobel-Preis? - 12.10.2020

Abstand ist Trumpf - 08.10.2020

Hurra, hurra, BER ist da! - 01.10.2020

246 Besucher, davon 1 Aufrufe heute