Eine richtig schöne Demo

 

Wer kennt sie nicht, die Bastelbögen aus der Kinderzeit? Man konnte vorgedruckte Dinge aus Papier ausschneide, falzen und kleben, so kamen wunderschöne Dinge zustande. Ich selbst hatte es mit Schlachtschiffen und Ritterburgen. Stunden über Stunden war ich damit beschäftigt, um am Ende vor meinem Werk zu staunen. Toll was ich da geschaffen hatte. So echt, quasi zum Greifen nah. 

Genau daran musste ich nun denken, als ich die Nachrichten im TV angesehen hatte, in der Zeitung blätterte oder Radio hörte. Für jeden noch so dummen Anspruch musste eine Demo her. Oft genug von Gewalt begleitet, Menschen kamen zu Schaden, Gegenstände wurden beschädigt oder gar zerstört. Wohin man auch blickte, ein Graus!

Damit sind wir an einem Punkt, wo die Modellbauindustrie und die Hersteller der Bastelbögen  psychologisch wirkungsvoll einschreiten könnten. Demos würden harmlos werden, keinerlei Sachschäden mehr und dennoch hat man heftig demonstriert. 

Nehmen wir mal ein paar Beispiele. Man könnte Polizisten ausschneiden, die Ausrüstung nach Belieben zusammenbasteln, dann die einzelnen Figuren auf eine imaginäre Straße kleben. Dazu passend nun die Demonstranten. Geschrei und Tatüütattaaa kommt vom CD-Player. Wer eine feuerfeste Unterlage hat und vorsichtig ist, könnte ganz real ein paar Papierautos dazu in Brand setzen. Das wäre doch mal eine Demo mit Zukunft, oder? 

Die Modellbauindustrie sollte sich der Idee anschließen und Wasserwerfer anbieten, die tatsächlich Wasser verspritzen können. Perfektion ist Trumpf!

Der bekannte Psychologe Dr. Hansi Knallkopp kommentierte das so: Durch die Nutzung selbst geschaffener Szenerie im Miniaturformat befriedigt der zukünftige Demonstrant seinen Aggressionstrieb auf unschädliche Weise. Er muss keine behördlichen Konsequenzen fürchten, tobt sich aus und ist anschließend wieder ein geachteter friedvoller Bürger.

Die Medien stürzten sich darauf. Spontan inszenierte ein bekannter Sender die Demo-Show. Wer bastelt die besten Demos? Natürlich folgte darauf ein Software-Spiel, auch hier ging es um Bewältigung ungesunder Aggressionen. Selbstverständlich zu einem moderaten Preis, deutlich unter 1000 Euro.

Die sehr beliebte TV-Show: Deutschland sucht den Super-Demonstranten, moderiert von bekannten Protestlern, erreichte niemals zuvor dagewesene Zuschauerquoten. Da wollte der öffentlich-rechtliche Teil der Medienanstalten nicht nachstehen. Die Blumen-Sendungen flogen raus, jetzt gab es die Terror-Bastelstunde. Tipps und Trick mit Papier! Extrem beliebt: Wir rollen uns einen Schlagstock. Mithilfe einer Kugelschreiber-Mine rollt man ein Stückchen Papier zusammen, damit es schön rund ist. Nun noch schwarz anmalen, voila …

Ganz Deutschland, nein, die ganze Welt im Bastelfieber. Demo ohne Reue, sogar Regierungen waren begeistert. Politische Gegner, die sich vorher öffentlich beschimpften, rufen sich nun zu: Warte nur bis ich Dich aus dem Bastelbogen geschnitten habe, dann klebe ich dich in die äußerste Ecke! Genau dort, wo Du auch hingehörst.

Gelegentlich ist man allerdings versucht die Papierwelt mit der Realität zu verwechseln. Wenn, so als Beispiel, eine Figur plötzlich in Schieflage zu sehen ist. Sie ist weder besoffen noch hat sie einen Schwächeanfall durch Corona, der Kleber war einfach schlecht. Andere Figuren kleben dagegen geradezu auf ihrem Posten fest.

Bloß eine Umweltpartei hatte selbst hier was zu meckern: Der Wald liefert die Grundlage für das Papier, müssen nun mehr Bäume gefällt werden, um Demos auch im trauten Eigenheim zu organisieren? Da wären richtige Demos aber erheblich umweltfreundlicher …

Bei dieser Sichtweise bleibe ich lieber Umweltmuffel. Ich liebe meine Bastelbögen! 

Hervorzuheben ist hier die Firma Individual-Paperwork, die eine nahezu unendliche Vielzahl an Möglichkeiten mit ihren Demo-Bastelbögen bietet. Es gibt nämlich rein farblose Figuren, die man mittels beiliegender Buntstifte, passend in Aussehen und Bekleidung, anmalen kann. Meine Lieblingsfigur habe ich da schon gefunden, den kleinen Philipp. Ich male ihm ein Strampelhöschen, dann kann er loslegen. Oder Luischen, ein verwöhntes, renitentes Girl. Ich male ihr ein paar teure Kopfhörer an das Trotzköpfchen, dazu ein Luxus-Smartphone und in der Hand hält sie ein Plakat: Umwelt jetzt! Farblich dazu passend den muffigen Robert, der kriegt ein grünes Gesicht, mit einem Stich blau dazu. Warum? Der hat sich gerade grün und blau über Luisas Auftritt geärgert. Ganz anders male ich mir die nächste Teilnehmerin meiner Fantasie-Demo. Die pummelige Annalena. Ein einfältiges Grinsen ins Gesicht gemalt, steht sie da so herum und weiß nicht, wie es weiter geht. Schade nur, sie kann nicht sprechen, sonst hätten wir sicherlich den bekannten Ausruf … Robääääärt … vernommen.

Damit es nicht langweilig wird, kommt eine Gegendemo. Die trinkfreudigen Alkoholiker demonstrieren für Freibier. Dahinter stehen regenbogenbunt tanzende Demonstranten. Der CD-Player spielt etwas das wie „Bumsvallera“ klingt, sexistische Vermutungen weise ich an dieser Stelle ausdrücklich zurück.

Langsam verselbstständigt sich die Bastelei. In schrillen Farben klebe ich nun einige Frauen hinzu, riesiges Plakat schwingend: Mein Papier gehört mir! Ich wage es nicht das in Zweifel zu ziehen.

Abschließend lässt sich festhalten: Demos können so kreativ sein, erwerben Sie ihre individuellen  Bastelbögen! Fröhliches demonstrieren!!!

Eben fällt es mir erst auf: Diese Art einer Demo ist auch suboptimal, man muss natürlich an die vielen, vielen SEK-Beamten denken, deren Arbeitsplatz durch friedliche Demos gefährdet ist.

Watt´n nu?

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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