Quatsch nach Quoten

Voller Ehrfurcht blickte ich immer auf zu Denjenigen, die da ganz oben auf einem beachtenswerten Posten saßen, kluge Worte sprachen, gelegentlich auch fehlerfrei ganze Sätze, schämte ich mich ein wenig meiner deutlich schlichteren Gedankenwelt. Dies zu ändern, war mein aufrichtigster Wunsch und als ich plötzlich die Forderung nach einer Frauenquote hörte, schlug mein Herz spontan höher. Das rettet endlich die Welt, oder? Also Frauenquote, eine Problemlösung der Kaiserklasse!

Mag sein, ich hatte das falsch verstanden, es ging nur um schnöde, langweilige Politik. Dabei dachte ich anfangs wieder es ging um mehr Frauen in der Bevölkerung, was mir natürlich gefallen hätte. Man ist ja ein klein wenig auch Jäger und Sammler.



Aber nein, präzise ausgedrückt, so erklärte es mir mein hervorragend gebildeter Nachbar, also präzise ausgedrückt geht es um die längst überfällige Verwirklichung einer angestrebten Gleichberechtigung. Durch Einführung einer Quote helfen keine faulen Ausreden mehr, hier wird Gleichstand geschaffen!

Nach einigen Tagen des Nachdenkens musste ich nun feststellen: Sehr kompliziert, solch eine Gleichstellung! Schließlich muss man das allgemein umsetzen, um nicht dem Vorwurf einseitiger Betrachtungsweise anheim zu fallen. Selbst dem unangenehmsten Kritiker muss der Wind aus den Segeln genommen werden.

In der Praxis sähe das dann so aus: Quoten für Kluge Menschen, dumme Menschen, Kleinwüchsige, Dicke, Dünne, Vollschlanke, Lange, Glatzenträger, Bartträger, Brillenträger, Nichttrinker, Alki´s, ernste Menschen, humorvolle Menschen, Kreative, Faule, Berufstätige, Arbeitslose, Schwätzer, Redefaule, Abiturienten, Grundschüler, Sonderschüler, Religionsfanatiker, Ungläubige, Sektenanhänger, Moralisten, Freier, Schuldner, Schuldiger, Biofreak, Allesfresser, Reiche, Arme, Pauschaltouristen, Selbstbucher, Versager, Erfolgreiche, Liebenswerte, Gehässige, Türsteher, Bardamen, Kellner, Huren, Kapitäne, Aufsichtsratvorsitzende, Staatsanwälte, Richter, Minister, Heiratsschwindler, Bäcker, Versicherungsvertreter, Pfarrer, Papst, untreue Ehefrauen, Liebhaber, Künstler und, und, und …

Wohin führt so etwas? Die tägliche Praxis macht es allgemein verständlich:

Als Martina Dämlich, seinerzeit gefeuerte Personalleiterin eines bekannten Konzerns, Autorin des Bestsellers: Vermögensbildung durch Abfindungen-Unvermögen erwirtschaftet auch Kapital, vor Gericht stand, weil sie sich an der innerbetriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter persönlich unrechtmäßig und krankhaft habgierig bereichert hatte, fragte sie der Richter: „War ihnen denn ihre verwerfliche Handlungsweise nicht klar?“ Antwortete die Angeklagte empört: „Woher soll ich denn so unendlich viel grundiertes Fachwissen haben, ich war doch nur die Quotenfrau …“

Gänzlich anders verhielt es sich bei Elfriede, die seit vielen Jahren eifrige Teilnehmerin bekannter Lotterien war. Gewonnen hatte sie noch nie, das machte sie misstrauisch. So konnte Elfriede feststellen, unter notarieller Aufsicht wurden die Lose gezogen, das war rechtlich einwandfrei, aber: Ist der Anteil Männer zu Frauen bei der Ziehung auch im Lot? Sie forderte die Lotteriefirma auf dafür Sorge zu tragen, dass ein Verhältnis von 50:50 in der Lostrommel gewährleistet sein muss! Quotengleichheit first!

Besieht man sich hingegen die eifrigen Umweltschützer, sind das überwiegend Frauen. Hier fehlt eine Männerquote! Das ist sonst männerfeindlich, wie man in Neusprech sagt. Die Schaffung einer Männerquote ist unausweichlich erforderlich!

Unbedingt sollte man aus Gründen absoluter Sachlichkeit nicht außer Acht lassen, schon vor weit über einhundert Jahren erfüllten manche Betriebe eine 100prozentige Frauenquote. Nämlich die städtischen Freudenhäuser. Egal wie man nun dazu stehen mag, die Quote verblieb konstant.

Im Einzelfall, kommt gelegentlich vor, führt eine Quotenregelung zu starker Verärgerung. Karin wollte ins Kino. In der Stadt wurde soeben der neue Blockbuster „Das Vermächtnis der Quoten“ gezeigt. Leider ließ man sie nicht in die Vorstellung, sie würde dann das Quotenverhältnis sprengen. Die Kinosessel sind bereits mit 50% Frauen besetzt.

Genau an dieser Stelle fällt mir der geniale Humorist Otto Reutter ein, würde er noch leben, wie hätte er sich wohl zu diesem Thema geäußert? Mutmaßlich so:

Und nervt Dich auch das Quotengeschrei,

Frauen sind uns niemals einerlei.

Doch immer wollen sie uns regieren,

devot kriechst Du auf allen Vieren.

Zum Teufel mit der Frauenrechtlerei,

in fünfzig Jahren ist alles vorbei.

Nein, Ihr lieben fleißigen, bewundernswerten Frauenrechtlerinnen, das ist nicht frauenfeindlich, auch nicht das, was man an einen Fotoapparat schraubt, das ist Satire! 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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