Schwiegermutter gesucht

Momentan eifert wieder eine jener beliebten Kuppelshows durch die deutsche TV-Landschaft. Mamas suchen eine Frau für den Sohnemann, weil er das selber nicht gebacken bekommt. So weit, so gut. Sicherlich eine gut gemeinte Aktion, doch genau hier liegt auch der Haken, bzw. das Haar in der Suppe. Man bekommt ja nicht nur eine Frau, nein, eine ganze kommt Familie hinzu, beiderseitig. Das offeriert gelegentlich schon mal Konfliktpotenzial, besonders wenn man sich nun all die zahlreichen Schwiegermutter-Witze in das Gedächtnis ruft. 

Natürlich gibt es richtig angenehme Schwiegermütter, jedoch sollte man bei der Partnerschaftssuche unbedingt ein Auge auf die „Kompatibilität“ werfen. Genau hier fehlt etwas in der TV-Landschaft. Wo bleibt die Serie, die mal die andere Seite beleuchtet?



Als Praktiker inserierte ich in diversen Tageszeitungen quer durch unser Land. Nette Schwiegermutter gesucht, so schrieb ich, attraktive Tochter nicht ausgeschlossen.

Ja hallo, mit solch einer Rektion hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Der Briefträger überreichte mir eine Abholkarte, die Zustellung konnte er aufgrund der vielen Zuschriften nicht selbst vornehmen. Ich musste mir einen Pick-Up mieten, dann fuhr ich zur Post und holte meine Zuschriften ab.

Drei Wochen las ich, las ich, las ich, sortierte täglich neu und am Ende kam dann die Wahl, gepaart mit einer Einladung zum persönlichen Kennenlernen. Selbstverständlich war ich nervös, wie wird es sein? Ob die Tochter nun hübsch ist, zweitrangig, der Weg zur Tochter geht immer über deren Mama, schaun wir mal.

Es klingelte an der Wohnungstür. Elke mit Tochter Babsi begrüßte mich, überreichte Blumen und … ich staunte, total hübsche Tochter und Mama schien ein herzliches Wesen zu haben, denn sie umarmte mich sogleich, drückte mich, lächelte mich an, andere Frauen waren mir plötzlich spontan egal.

Im ersten Sondierungsgespräch, Tochter blieb stumm, erklärte mir die eventuelle zukünftige Schwiegermutter die Prinzipien einer guten Partnerschaft. Tochter nickte zustimmend, sagte nichts. Mama steht immer mit Rat und Tat zur Seite, als Schwiegersohn muss ich mich um nichts kümmern, außer um Babsi, Mama macht den Rest. Also ein ganz entspanntes Verhältnis. Ich sollte schon mal Kontovollmacht geben.

Mh, ein Hauch von Missfallen keimte in mir. Und Babsi, noch immer stumm, aber bejahend nickend, sei eine Frau von hoher Moral. Diese ehelichen Schmuddelsachen, Du weißt schon, nur wenn Du auch Kinder möchtest.

Gegessen wird absolut gesund. Will sagen: ausschließlich Vegan, keinen Alkohol, und diesen neumodischen Quatsch wie Stereo, TV, Computer usw. braucht kein Mensch, man sollte sich auf die eigentlichen Werte des Seins besinnen. 

Danach kam Schwiegermama auf die inneren Werte zu sprechen. Babsi, erstmals sprach sie mit piepsiger Stimme, also Mama hat reichlich innere Werte.

Da kam es zu ersten Eklat. Als begeisterter Angler hörte ich wohlwollend die Sache mit den inneren Werten, weshalb ich sie fragte: „Hast Du viele Würmer?“ „Bitte? Mensch ich knall Dir gleich eine …“ Schwiegermama hatte also auch Temperament. Ich beruhigte sie mit ein paar Sahneschnittchen und einer höflichen Entschuldigung, sie mag mich vielleicht falsch verstanden haben, innere Werte sind ein hoch geschätztes Gut.

Der Rest des Abends verlief harmonisch. Die Damen ermüdeten und ich zeigte ihnen die zwei Gästezimmer, wohin sie sich alsbald zur Nachtruhe begaben. Ich selbst, noch etwas aufgewühlt von der wunderbaren neuen Bekanntschaft, las noch kurz in der Bibel, bevor auch ich einschlief.

Mitten in der Nacht erwachte ich, meine Bettdecke wurde etwas angehoben, SIE huschte hinein zu mir. Ihre Arme umschlangen mich, Worte der Begierde wurden in mein Ohr geflüstert, wogegen ich leicht irritiert fragt: „Möchtest Du so schnell ein Kind?“ „Quatsch Kind, mach schon, Du süßer Bengel, bevor es wieder hell wird …“

Ehrlich gesagt, dass Babsi so ein feuriges Temperament hatte, das war eine tolle Überraschung! Ich werde jetzt nicht in Details gehen, kann nur sagen, total entkräftet schlief ich im Morgengrauen ein.

Die Sonne schien durch das Schlafzimmerfenster, schlaftrunken drehte ich mich auf die Seite, nochmals näher an Babsi sein, einfach schöööön.

„Ihhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh …“ Spontan war ich hellwach. Erschrecken, Entsetzen, wie soll ich diesen Moment nur beschreiben … neben lag keine Babsi, nein, es war die Schwiegermama …

So kam es, dass ich überzeugter Single blieb.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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