Und sie dreht sich immer noch …

… die Schallplatte. Seit über 45 Jahren für tot erklärt, erfreut sie sich weiterhin großer Beliebtheit. Nicht nur, wie man meinen könnte, bei älteren Musikliebhabern, nein, auch in der weitaus jüngeren Bevölkerung ist die Faszination angekommen.

Digital ist gut und schön, doch damit ist es nicht getan. Musikschätze aus früheren Epochen wurden häufiger sehr lieblos auf CD transferiert, da klangen selbst wirklich alte Platten schon mal besser. Hinzu kommt der optische Anreiz, denn ob man will oder nicht, oft genug huscht der Blick während des Abspielens über den Tonarm, der gerade seine Rillenwanderung mit Ton begeht.



Neue Plattenspieler, richtig gute und überwiegend im höheren Preissegment angesiedelt, boomen seit Jahren ungebrochen. Selbst aktuelle Musiker bieten ihre Stücke des Öfteren zusätzlich auf Vinyl an, und das sind keinesfalls Ladenhüter.

Doch wie sieht das Angebot in den Medien aus? Es scheint, als ob man den Trend ignoriert, einfaltsloser Singsangsong auf vielen Sendern!

Eine gute Entscheidung gab es vor Jahren bei Radio Salzburg, die legendäre Plattenkiste des Sammlers und Liebhabers klingender Schätzchen, Reinhard Pirnbacher, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Edith Schiller. Fans, nicht nur aus Österreich, sondern aus der ganzen Welt schrieben begeisterte Briefe an die Redaktion, es war ohne Übertreibung ein absolutes Highlight des Senders.

Neuer Chef, neue Ideen, sang- und klanglos würgte man die Sendung im Frühjahr 2020 ab. Nicht einmal eine angemessene Würdigung und dementsprechenden Abschied gönnte man jener Sendung. Sie war einfach weg, als hätte es sie niemals gegeben. Der Moderator selbst wurde regelrecht vor die Tür gesetzt. Eine von Fans eingereichte Petition ignorierte Radio Salzburg ebenso, wie die Direktion des ORF mit seinem Schweigen aus dem Wienerwald. Es war ein Stich ins Herz der Plattenfreunde und erst recht in das Herz von Reinhard Pirnbacher nebst Edith Schiller, deren Programm weitaus mehr als nur Ansage und Präsentation war, hier hörte man die Begeisterung an der Arbeit heraus. Dolchstoßlegende der dritten Art! Keine Meisterleistung auf die der Sender stolz sein kann.

Daher muss besonders hervorgehoben werden, dass eben jene Leidenschaft für die Platte ein Aus der Plattenkiste nicht akzeptabel machte. Zahlreiche Ideen, zum Glück durch das Web gut realisierbar, fanden ihren Weg. Mehrere Möglichkeiten bieten sich dem Plattenfan. Da wäre zuerst die Webadresse www.musikwelle.com, gefolgt von www.plattenkiste.radio. Wem das nicht reicht, kann sich auch Musikwünsche über wunsch@plattenkiste.radio erfüllen lassen. In Abänderung eines alten Spruchs lässt sich festhalten: Nicht verzagen, Plattenkiste fragen … bei einer fast zahlenmäßig nicht mehr erfassbaren Sammlung des Hauses Pirnbacher ist es schwer vorstellbar, seinen Musikwunsch nicht erfüllt zu bekommen. Ergänzt durch unterhaltsame Ansage mit Informationen über den/die Interpreten und gelegentliches Zeitgeschehen.  

Regulär verbleibt auch die schon länger existierende Webadresse plattenkiste@aon.at, Musikliebhaber müssen demnach keine Sorge haben, es geht weiter!

In dem Zusammenhang stellt sich allerdings auch die Frage: Welcher andere Sender in Österreich, der Schweiz oder in Deutschland möchte noch ein Erfolgskonzept hinzugewinnen? Ein nicht eben kleiner Teil der Zuhörer ist nämlich außerhalb Österreichs anzutreffen, einer Verbreitung steht nichts im Weg, auch wenn manche „Experten“ glauben mit Rap, easy listening, oder Rock und dergleichen sei ein Programm zukunftsorientiert aufgestellt. Ein Einheitsbrei ohne jegliches Alleinstellungsmerkmal, da fehlt doch was.

Radio sollte für Alle da sein, nicht nach Zielgruppen, bzw. Format geordnet, nur weil man dann die Werbung besser verkaufen kann.

Radio für die Hörer, wo ist das geblieben? Haben die Sender vergessen das sie nur deshalb existieren, weil es Hörer gibt? Nicht der Sender bestimmt seinen Erfolg, sondern der Hörer, wenn man ihm die richtigen Macher auf der Senderseite zur Verfügung stellt. 

Statt einer Petition wäre es ggf. wirksamer gewesen, dem Sender Wecker zuzuschicken, alle auf fünf vor zwölf gestellt. Die Beachtung und Erwähnung in den Medien hätte nicht ausbleiben können und vielleicht wären neue Töne aus Wien gekommen: „Jö schauns … echauffierns mi net, is scho recht, der Pirnbacher un sei Bladdenkistrl. Er bleibt!!!“

Reizvolle Szenerie. Der Moderator übergibt bei der erfolgreichen Rückkehr dem Intendanten in Salzburg einen Strauß Vergissmeinnicht, kann aber ebenso gut Petersilie oder Distel sein! Auf geht’s … I wart scho!

Wäre ich ein Schweizer, könnte ich nun sagen: „So isch gsi.“ Versteht aber kein Mensch im fernen Salzburg, womit wieder Gleichstand herrscht. Ich verstehe Rado Salzburg nämlich auch nicht …

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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