Tiergestützte Therapie

Tiergestützte Therapie erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit. Immer häufiger werden verschiedene Haus- und Nutztiere in das Leben in Einrichtungen integriert, dort gehalten, Mitarbeiter bringen ihre privaten Tiere mit zur Arbeit oder Menschen in medizinischen/therapeutischen/pädagogischen und/oder sozialen Berufen integrieren eigenen Tiere oder Tiere aus Einrichtungen in ihren Arbeitsprozess.

Welchen Nutzen versprechen sich Menschen von Tiergestützter Therapie?  

Die hilfreichen Tiereffekte, die schon seit einigen Jahren ausführlich in der Literatur beschrieben werden und durch immer mehr Studien verschiedener Fachrichtungen wissenschaftlich bestätigt wurden, sind sehr vielfältig. So können Tieren positiv auf die emotionale Welt der Menschen wirken, sie können helfen, diese körperlich und geistig zu aktivieren, Freude zu schenken und dienen sehr häufig als Eisbrecher. Sie können zum Beispiel einen neuen Weg auf eine wertfreie und unbelastetere Art ebnen, Mut und Freude machen oder zum Beispiel auch helfen, mehr Selbstwertgefühl zu entwickeln, können antidepressiv oder sogar antisuizidal wirken.

Was genau ist denn tiergestützte Therapie?

Der Begriff „Tiergestützte Therapie“ beschreibt einen Vorgang, in dem Tiere (ganz verschiedener Gattung) in einen Arbeitsprozess integriert werden, bei dem das Tier als Co-Therapeut den menschlichen Therapeuten in seiner Arbeit UNTERSTÜTZT. Das Tier wird also nicht selber Therapeut. Deshalb spricht man häufig auch präziser vom Therapie-BEGLEIT-Tier. Der längere Begriff wird jedoch meist als Gründen der Vereinfachung verkürzt, ohne dass sich die Bedeutung (das Tier begleitet) dadurch ändern würde.

Der Begriff „Tiergestützte Therapie“ wurde in der jüngeren Vergangenheit zunehmend durch den Begriff „Tiergestützte Intervention“ als neutralere Formulierung abgelöst.

Bei der Tiergestützten Intervention verzweigen sich die Begriffe zur weiteren Differenzierung und Präzisierung. Menschen aus therapeutischen Berufen, wie zum Beispiel Psychotherapeuten, die ihr Tier in ihr psychotherapeutisches Arbeitsumfeld integrieren, machen zum Beispiel das, was klassisch als „Tiergestützte Therapie“ verstanden wird. Menschen, die ihr Tier jedoch zum Beispiel in ein pädagogisches/sozialpädagogisches Arbeitsfeld einbringen, machen aber ja keine Therapie. Auch Menschen aus anderen Berufen, in den Klienten/Schüler usw. soziale, medizinische, betreuerische oder auch seelsorgerische Unterstützung erhalten, werden durch den Einsatz eines Tieres nicht zu Therapeuten. Vielmehr intervenieren sie im Rahmen ihres Berufsfeldes mit anerkannten und erprobten Methoden und Techniken. So festigte sich nach und nach der Begriff „Tiergestützte Intervention“ und verdrängt mehr und mehr den älteren und ungenaueren Begriff der „Tiergestützten Therapie“. Wir sprechen also in der Tiergestützten Intervention zum Beispiel von der Tiergestützten Pädagogik, wenn die Intervention pädagogische Ziele verfolgt und/oder von einem Pädagogen durchgeführt wird.

Und wodurch wird die Tiergestützte Intervention „gut“?

Hier stellt sich sicherlich als erstes die Frage: was heißt denn in diesem Zusammenhang „gut“? „Gut“ ist schließlich als Erstes eine Bewertung, die sich aus den persönlichen Prioritäten und Vorlieben eines Einzelnen ergeben können. Deshalb können verschiedene Menschen auch ganz verschiedene Dinge „gut“ finden.

Im Rahmen der Tiergestützten Intervention meint „gut“ eher das Folgende:

  • Durch die Tiergestützte Intervention erreicht der Klient sein Ziel im Rahmen der Intervention schneller, einfacher und/oder nachhaltiger. Ziel der Intervention wäre dabei sein Therapieziel, sein Lernziel, sein Ziel eine Fähigkeit zu erlangen bzw. wieder zu erlangen usw.  
  • Für den Intervenierenden wird das Erreichen eines Arbeitsziels im Rahmen seiner Aufgaben erleichtert und/oder überhaupt erst möglich.
  • Für das Tier dürfen die Aktivitäten und Randbedingungen im tiergestützten Einsatz nicht zu einer Überlastung oder nicht-artgerechten oder sogar tierschutz-relevanten Veränderung eines Lebens führen und sollten auch nicht eine Verschlechterung der Lebensqualität des Tieres bedeuten.
  • Das heißt, die Interventionen müssen für alle Beteiligten angemessen sein, die Grenzen aller Beteiligten müssen gewahrt bleiben und dies alles auf Dauer.
  • Durch die (verbesserte) Zielerreichung wird für den Klienten wie auch für den Intervenierenden Qualität geschaffen.
  • Durch die Angemessenheit für alle Beteiligten entsteht Sicherheit.
  • Qualität und Sicherheit ermöglichen Dauerhaftigkeit.

Was ist wichtig, damit Qualität, Sicherheit und Dauerhaftigkeit in der Tiergestützten Arbeit bzw. Intervention zur Regel werden kann?

  • Die Basis ist eine berufliche Qualifikation beim Intervenierenden, die eine Tiergestützte Intervention ermöglicht.
  • Die Auswahl einer geeigneten Gattung (Pferd, Ziege, Kleintiere, Hund usw.) je nach persönlichen Fähigkeiten und Vorlieben des Intervenierenden sowie den Bedingungen des jeweiligen Einsatzfeldes.
  • Die Auswahl eines geeigneten Individuums der ausgewählten Gattung nach Aspekten von rassetypischen und individuellen Kriterien, auch und besonders im Hinblick auf das spätere Arbeitsfeld.
  • Eine angemessene Ausbildung in Theorie und Praxis, die den umfangreichen Anforderungen dieser verantwortungsvollen Aufgabengebiete gerecht wird. Hier ist besonders auch das Wissen über das eingesetzte Tier hervorzuheben, um sicherzustellen, dass das Tier nicht durch nicht-artgerechte oder gar tierschutz-relevante Einsätze überfordert wird und leidet.
  • Eine überprüfbarer Leistungsnachweis zur Absicherung des Intervenierenden.
  • Laufende Fortbildung und professioneller Austausch mit anderen Menschen, die die Tiergestützten Intervention aktiv in ihrem Arbeitsfeld einsetzen.

Warum nennen wir unsere Ausbildung immer noch „Ausbildung zum Therapiehunde-Team“? 

Wir haben Überlegungen angestellt, wie wir die für uns wichtigen Aspekte in einer präzisen und nicht zu langen Benennung erfassen könnten.
Diese Aspekte sind zum einen

  • das „Team“ aus Mensch und Hund, in dem beide vertrauensvoll und sicher zusammenarbeiten
  • sowie die unterstützende Arbeit mit Menschen im Sinne einer Intervention.

So gab es die Idee zur „Ausbildung zum Team für Hund-gestützte Intervention“, in der beide Aspekte gut erfasst sind. Dieser Begriff erschien uns jedoch sehr „unhandlich“ und trotz der präzisen Erfassung wenig geeignet. Auch ist der neuere Begriff der Tiergestützten bzw. Hund-gestützten Intervention für viele noch vollständig unbekannt und so erklärungsbedürftig. Durch unsere Arbeit möchten wir dazu beitragen, die Begriffe für alle Interessierten verständlich und anwendbar zu machen.

www.ausbildung-therapiehunde.de

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