Nur noch 30% Verbrenner ab 2035: Autoindustrie vor gigantischen Herausforderungen

 

·      Internationaler Consultant Christian Malorny (KEARNEY) beklagt fehlendes Zielbild der Automobilindustrie bis 2035

·      Mittelständische Zulieferbetriebe bereits schwer betroffen

·      100.000 Arbeitsplätze stehen in Deutschland vor dem Umbau

·      Weiterer Einbruch der Schlüsselindustrie bedroht Wohlstand

 

Berlin, 16. September 2020: Dr. Christian Malorny, Partner der internationalen Unternehmensberatung KEARNEY, fordert einen industriepolitischen Schulterschluss, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hersteller zu erhalten. „BMW, Mercedes, Volkswagen und Co. müssen in Sachen E-Mobilität und Digitalität stärker zusammen arbeiten. Geschieht das nicht, ist der Wohlstand am Standort Deutschland in Gefahr“, sagte Malorny bei einer Vortragsveranstaltung im Auto Classics Club Berlin.

 

„Ab 2035 werden kaum noch Verbrenner mehr auf die Straßen kommen.“ Mit dieser Prognose fasste Malorny den umfangreichen Wandel zusammen, der die deutsche Automobilindustrie und ihre schon jetzt in Not geratenen Zulieferer vor gigantische Herausforderungen stelle. Die Mobilität von Morgen werde bestimmt von Elektromotoren, autonomem Fahren und der Digitalisierung des Verkehrs. Dieser Transformationsprozess erfordere nicht nur ein grundlegendes Umdenken innerhalb der historisch gewachsenen Strukturen geprägten Auto- und Zulieferindustrie, sondern zudem einen mobilitätsfördernden Konsens in Politik und Wirtschaft.

 

„Die Abkehr vom Verbrennungsmotor bedeutet, dass wir die zahlreichen mittelständischen Unternehmen, die die Einzelteile des klassischen Verbrenners herstellen, zuschließen können. Um das zu verhindern, müssen wir uns einer vollkommen neuen Industrie widmen, die momentan entlang des Lebenszyklus der Fahrzeuge entsteht“, sagte Malorny. Daten, Datenanalytik, die dazugehörigen Algorithmen sowie Cloud-Technologien und IT-Übertragungsnetz seien dabei das „Gold von Morgen“.

 

Der Traum der Tech-Industrie vom Auto als gesichtslose, autonom fahrende Plattform bedrohe indessen tausende Arbeitsplätze und damit den aktuellen Wohlstand in Deutschland. „Die Abkehr vom Verbrennungsmotor bedeutet, dass sich die zahlreichen mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die bis zu 4.000 Einzelteile für den Verbrenner und das Getriebe herstellen, neue Geschäftsfelder suchen müssen. Eine Chance entsteht entlang des Lebenszyklus der Fahrzeuge, wo völlig neue Geschäftsmodelle mit datenbasierten Dienstleistungen für das Auto bzw. seine Insassen entstehen.“ Es gelte, sich gegen Konkurrenten wie Tesla zu behaupten und ein digitales Premium-Produktverständnis Made in Germany zu entwickeln. „Marken werden nicht verschwinden, weil wir die Eitelkeiten der Menschen nicht abstellen werden. Die Automobilindustrie muss es daher schaffen, auch in einer vernetzten Welt ein begehrenswertes Produkt zu entwickeln, das den Spagat schafft zwischen physischem und digitalem Premiumerleben“, erklärte Malorny. Denn es sei allein das deutsche Know-how im Premium-Segment, das hohe Gewinnmargen erziele und einen entscheidenden Vorteil im weltweiten Showdown der Autoindustrie sichere.

 

Das habe auch Tesla erkannt. Der Vorsprung der deutschen Autoindustrie im klassischen Fahrzeugbau und Qualitätsdenken habe Tesla motiviert, sich in Brandenburg niederzulassen. Nun sei es an den deutschen Herstellern, von Teslas Digitalkompetenz zu lernen, ihre Stärke im Premiumsegment mit vernetzten Plattformen zu kombinieren und so ihre führende Rolle zu sichern. Dabei könnte es sinnvoll sein, alle Interessen in einem nationalen Mobilitätsrat zu bündeln.

 

Beim Vortragsabend „Autoland Deutschland 2030. Die wunderbare Zukunft der deutschen Autoindustrie – oder?“ sprach Dr.-Ing. Christian Malorny Ende vergangener Woche sowohl über Herausforderungen als auch Chancen, die sich aus den gegenwärtigen Transformationsprozessen innerhalb des bedeutendsten deutschen Industriezweiges ergeben. Gastgeber an diesem Abend waren Ralf O. Limbach, Geschäftsführer der Auto Classics Club GmbH, sowie Robert Ummen, Geschäftsführer der Ummen Communications GmbH.

 

 

Dr.-Ing. Christian Malorny

Dr.-Ing. Christian Malorny ist Partner der internationalen Unternehmensberatung KEARNEY und leitet den weltweiten Beratungsbereich Automotive. Als Top Consultant der Automobilindustrie hat er mehrere Bücher zum Thema Qualitätsmanagement verfasst, veröffentlicht regelmäßig Artikel zu Automobilthemen und hält Vorträge auf internationalen Konferenzen. Für seine wissenschaftlichen Beiträge erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den European Quality Award der Europäischen Stiftung für Qualitätsmanagement (EFQM).

 

Pressekontakt:

Ummen Communications GmbH

Dr. Tilman Pradt

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