Das Problem der Bodenverschlechterung in Europa angehen

Am 14. Februar 2012 gab die Europäische Umweltagentur (EUA) die Veröffentlichung eines umfassenden wissenschaftlichen Berichts über den Zustand der Böden in Europa bekannt. Der Bericht ist eine Gemeinschaftsarbeit der EUA und der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission. Der Bericht vertritt den Standpunkt, dass der Bodenschutz nicht nur für die Ökosysteme Europas, sondern auch für die Wirtschaft von entscheidender Bedeutung ist, und unterstreicht die Notwendigkeit von Maßnahmen und Investitionen in den Bodenschutz, um die anhaltende Verschlechterung der Böden in Europa umzukehren. Der Bericht ist Bodendegradation Teil der Bemühungen der Kommission, die EU-Mitgliedstaaten zu veranlassen, die Verabschiedung der Boden-Rahmenrichtlinie weiter zu prüfen und ein breiteres Spektrum von Interessenvertretern wie Planer, landgestützte Industrien und NGOs für die Bedeutung der Böden zu sensibilisieren.

 

Dieser gemeinsame Referenzbericht der EUA und der GFS, "The State of Soil in Europe", ist nicht das erste Mal, dass EU-Institutionen versuchen, das Problem der Verschlechterung der europäischen Böden anzugehen. Im Jahr 2006 legte die Kommission mit Unterstützung des Europäischen Parlaments einen Vorschlag für eine Bodenrahmenrichtlinie vor, deren Verabschiedung aufgrund des Widerstands mehrerer Mitgliedstaaten auf Eis gelegt wurde. Dennoch hat die Kommission versucht, die Aufmerksamkeit auf den Zustand der europäischen Böden zu lenken, und im Mai 2011 einen weiteren "bodenorientierten" Bericht veröffentlicht, der sich auf die Schädigung der Umweltleistungen durch die so genannte "Bodenversiegelung" konzentriert – die Bedeckung des Bodens mit einem undurchlässigen Material wie Asphalt oder Beton. Die europäische Umweltkommissarin sagte damals, dass ein nachhaltigerer Ansatz für die Böden aufgrund ihres grundlegenden Beitrags zu den europäischen Ökosystemen notwendig sei.

 

Der neue Bericht befasst sich mit dem Bodenschutz nicht nur aus einer ökologischen, sondern auch aus einer wirtschaftlichen Perspektive, wobei die Haltung vertreten wird, dass ein Versagen bei der Bewältigung des Problems der Bodendegradation zu erheblichen finanziellen Verlusten durch eine beeinträchtigte Nahrungsmittelproduktion führen kann. Der Bericht stellt fest, dass die Gesamtkosten der Bodendegradation, ausgedrückt in Form von Erosion, Versalzung, Rückgang der organischen Substanz, Erdrutschen und Kontamination, für die EU-25 jährlich schwindelerregende 38 Milliarden Euro erreichen könnten.

 

Obwohl sich der Bericht weitgehend an die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten richtet und darauf abzielt, die Boden-Rahmenrichtlinie wieder auf die europäische Agenda zu bringen, sollte sein Inhalt dennoch auch den Privatsektor und insbesondere grüne Investmentgesellschaften betreffen. Eines der in dem Bericht angeführten Beispiele für die Bedeutung des Bodenschutzes für nachhaltige Investitionen bezieht sich auf Biokraftstoffkulturen. Dem Bericht zufolge kann die Zunahme der Biokraftstoffproduktion zu einem Grund für unangemessene Landbewirtschaftungspraktiken werden und somit zu einer verstärkten Bodendegradation führen. Investitionen in grüne und nachhaltige Biokraftstoffunternehmen sollten daher mit einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung kombiniert werden. Darüber hinaus fordert der Bericht der Kommission eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung des Bodens.

 

Die Notwendigkeit, das Problem der Bodendegradation besser anzugehen, ist natürlich nicht auf den europäischen Kontinent beschränkt, sondern lässt sich auch auf globaler Ebene beobachten. Obwohl pflanzenhaltige Böden Kohlenstoff binden, werden sie nicht ausreichend in die Programme zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen einbezogen, insbesondere in Bezug auf die Kohlenstoffmärkte zur Einhaltung der Vorschriften. Es gab jedoch einige ermutigende Initiativen, darunter die Anerkennung der Rolle von Torf als Kohlenstoffspeicher, was den Verified Carbon Standard (VCS) dazu veranlasste, Projekte zur Wiedervernässung und Erhaltung von Torfgebieten als förderfähige Ausgleichskategorie in seinem Sektor Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung (AFOLU) einzuführen.

 

Da der Agrarsektor derzeit nicht in das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) einbezogen ist, sind Kohlenstoffgutschriften, die auf der Grundlage von Bodenerhaltungsprojekten generiert werden, in der EU derzeit nicht wirklich eine Option. Aus diesem Grund versucht die Kommission, Investitionen in den Bodenschutz durch die Mechanismen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu fördern. Im Oktober 2011 schlug die Kommission Reformen der GAP vor, die auf umweltfreundlichere Praktiken wie Landschaftspflege und Diversifizierung der Kulturen abzielen, die die physikalischen Eigenschaften des Bodens verbessern sollen.

152 Besucher, davon 1 Aufrufe heute