Wo bleibt mein Nobel-Preis?

Es begann mit einem Artikel über den Nobel-Preis. Ich las es in den Tagesnachrichten und spontan wurde mir klar: Den habe ich schon längst verdient. Auch ich leistete bemerkenswerte Taten.  Bereits in der Jugend fing das an:

Damals begann ich mich mit dem Projekt „Jugend forscht“ zu beschäftigen. Meine Assistentin Frieda und ich forschten unermüdlich, sehr intensiv sogar, um es auf den Punkt zu bringen. Doch als es darum ging das Forschungsergebnis zu veröffentlichen, weigerten sich die Dissertationsverlage mit der Ausrede, keine Schmuddelsachen zu publizieren. Dafür meldeten sich verschiedene Ämter, um die Alimentenzahlungen für die frisch geborenen Fünflinge zu verwalten.

So begann ich mich mit anderen Dingen zu befassen. Zuerst einmal setzte ich mich vor meine Schule, hängte mir ein Pappschild um: Schulstreik für besser qualifizierte Lehrerschaft.

Was war passiert? Als nachdenklicher Mensch fiel mir nämlich auf, die deutsche Orthographie ist verbesserungsbedürftig. Dementsprechend schrieb ich viele Wörte anders als es im Lehrplan stand. Meine Lehrer behaupteten nun, ich würde nicht fehlerfrei schreiben. Hinzu kam, die Schulbehörde versuchte meine Eltern unter Druck zu setzen, der Streik muss beendet werden, Schule schwänzen wird nicht geduldet.

Zuhause gab es einen richtigen Krieg. Mein Vater tobte, schrie herum, sperrte mich im Zimmer ein. Meine Mutter warf meinem Vater vor, ich käme genau nach ihm, immer mit dem Kopf durch die Wand. Sie wunderte sich selbst es so lange mit uns ausgehalten zu haben. Diese Situation musste befriedet werden, schoss es mir durch den Kopf. Mein diplomatisches Talent meldete sich, der häusliche Frieden muss wiederhergestellt werden. Mit einem Dietrich öffnete ich die abgeschlossene Tür meines Zimmers, stellte mich vor meine Eltern hin und sprach: „Mama und Papa, Hauptsache wir sind alle gesund, oder?“ So schuf ich Frieden.

Viele Jahre später bestätigte mir der Duden-Verlag meine einzigartige Weitsicht, indem er eine Reform einführte, die meine damaligen sogenannten Fehler als gültige Norm festsetzte.

Lediglich eine kleine Korrektur ist noch nötig, denn: Rechtschreibung oder Rechtssschreibung ist politisch heikel. Einerseits will man gegen Rechts sein, andererseits nutzt man solche bedenkliche Schreibweise. Nicht sehr konsequent, meine Damen und Herren zu Berlin und anderswo!

Zurück zum Thema, bevor ich weiter abschweife. Die Jahre nach der Schulzeit heimste ich Preise über Preise ein. Zuerst beim Iron-Man auf Hawaii. Ich erhielt den Trostpreis. Es folgte Mister Universum, noch ein Trostpreis, Oscar-Verleihung und der dann verliehene Trostpreis waren mir auch schon sicher, Sängerwettbewerb für die Salzburger Festspiele, Trostpreis. Literatur- und Autorenwettbewerb, Trostpreis … Da kam diese Sache mit dem Nobel-Preis, und die wussten anscheinend nicht einmal von mir …

Prompt schrieb ich nach Stockholm, forderte die Bewerbungsunterlagen an.

U.a. kam die Frage: Was qualifiziert Sie zu der Bewerbung? Ich schrieb über meine Forschungsaktivitäten mit Frieda, meine Bemühungen um die Verbesserung deutscher Schreibweise, den von Erfolg gekrönten Friedenseinsätzen daheim und meinem weitsichtigen Schulstreik.

Zugegeben, die aktuellen Kandidaten, Greta oder dieser Donald Trump .. gar Ronald McDonald oder wie immer der auch hieß , also das war schon eine gewisse Konkurrenz. Ernsthafte Sorgen sollte ich mir dennoch nicht machen, bei all meinen zahlreichen Heldentaten. Streng sachlich betrachtet reicht das eigentlich, um mir kontinuierlich die nächsten Jahre den Preis automatisch zu verleihen.

Tag für Tag lief ich zum Briefkasten … die Leere des Seins und die Leere des Briefkastens … eine endlose Geschichte.

Plötzlich, tirili und tirila, ein dicker Umschlag im Kasten. Geschafft!!! Mit Herzklopfen öffnete ich den Briefkasten, dann den Umschlag … Forderungen vom Gerichtsvollzieher, ausstehende Zahlungen für die Fünflinge … mein Fazit: Wissenschaftliche Arbeit wird in Deutschland offensichtlich gering geschätzt, wie kann man denn Forschungen betreiben und gleichzeitig Zahlungen leisten? Ich musste doch Prioritäten setzen, Punkt!

Weitaus ignoranter zeigte sich da Nobel-Preisverleihungs-Komitee, es antwortete nicht einmal auf mein Schreiben. Eine wundersame Welt fürwahr! 

Lassen Sie sich trösten: Auch wenn mein Genie nicht erwünscht ist, diese Welt zu retten, es gibt ja noch Tim Bendzko. Er checked noch schnell seine emails, dann geht’s los … 

 

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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