Träume in Nussbaum

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Neiderfüllt schaut die Welt auf uns. Nun hat Deutschland seinen BER, ausgestattet in wertvollem Nussbaum, dazu den Bahnhof Schönefeld, ein wahrhaft imponierendes Projekt von überwältigender architektonischer Schönheit.
Will man einmal durch den Prachtbau BER lustwandeln, muss man entweder ein Flugticket kaufen oder rechtswidrig einfach mal das Gebäude betreten. Das darf man nämlich nur mit einer Bordkarte, wie es eine Berliner Zeitung berichtete. Schon schade, denn so entgeht manchem Zeitgenossen die wunderbare Nussbaumdekoration im Innenbereich. Herrlich klare Linienführung, jedes Vorstandsmitglied eines Konzerns wird beim Anblick der prachtvollen Nussbaumausstattung an die Zeiten im Chefbüro der 1970er Jahre erinnert.
Doch die Herrlichkeit beginnt schon bei der Ankunft am Bahnhof Schönefeld. Von frischer Farbe zusammengehalten präsentiert sich jenes Bahnhofsgebäude als ein Ankunftsort von Welt. Besonders in der Unterführung duftet es, wenn auch nicht nach großer Welt, es ist eher etwas Notdürftiges, denn in erst fünf Minuten strammen Fußmarsches kommt man in das Flughafengebäude und dort gibt es auch Toiletten.
Bedenkt man nun die Sicherheitsvorschriften, erst Bordkarte erlangen, dann Zutritt, hat BER die exklusivsten und teuersten Toiletten der Welt! In schönem Nussbaum, versteht sich.
Natürlich bietet sich ein Vergleich mit anderen Flughäfen an, die Einzigartigkeit von BER übertrifft alles.
Beginnen wir einmal mit MUC. Abgesehen von endlos langen Gängen ein schöner Airport. Der Geschäftigkeit vorbei huschender Reisender zum Trotz hat es bayerische Gastlichkeit durch schöne Restaurants, selbst eine Eisbahn erfreut die Passagiere über den Winter, gerne verweilt man dort. BER aber hat Nussbaum!
Singapur: Zum Ende der 1960er Jahre noch relativ klein, explodierte das Wirtschaftswachstum enorm, der aktuelle Changi-Airport übertrifft alle Erwartungen. Tropische Gärten in und zwischen den Terminals, Wasserfälle, oder jener Augenschmaus in Terminal 1, Cybernetic Dreams genannt, nach all den Jahren immer noch ein Hingucker. Doch was ist das schon gegen BER mit seinem Nussbaumdekor?
Honolulu: Zweckmäßig gestalteter Flughafen, eigentlich zu klein für den Ansturm an Touristen, dafür gibt es Hula-Girls die ankommende Passagiere mit Blumen bekränzen. Braucht man in BER nicht, es gibt ja Nussbaum.
Führende Psychiater aus der Hauptstadt empfehlen gestressten Patienten bereits eine Kur am Flughafen von Schönefeld. Eine himmlische Ruhe, nur selten vom Lärm eines einzelnen Flugzeugs unterbrochen, bestaunt man grasende Rehe auf dem Vorfeld, vorbei hüpfende Häschen oder man meditiert vor einer Nussbaumwand. Einfach himmlisch, dieser BER.
Der bekannt Heimatdichter Falk von Blödmannshausen widmete BER seinerseits ein paar Zeilen, welche zu Beginn seines Epos Und ewig blüht der Nussbaum zu hören sind.
Ein Nussbaum einst im Garten stand,
nun ziert er BER
an einer Wand.
Aus vollen Herzen muss ich Andy Scheuer zustimmen, als er bei seiner Eröffnungsrede sagte: Keine Witze mehr über BER! Das ist vorbei …
Stimmt, Witze über traurige Tatsachen oder Peinlichkeiten sind unangebracht. Das erkannte man sogar in den fernen USA, von dort kam ein Glückwunschtelegramm: Make Nussbaum great again … während eine Ikone aus Schweden kritische Worte verlauten liess … how dare you …
Kann man sich nur mit dem Neidfaktor auf Nussbaum erklären. Janz Balin is keene Wolke mehr, abba allet Nussbaum, wa?

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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