Kaiserlicher Adventsgruss

Hallo, Ihr lieben Untertanen, ich bin´s, Eure Kaiserin Angelique! Meddel Loide, etzala!
Bald brennen die Lichter am Adventskranz, wir nehmen uns die Zeit mit limitierten Familienangehörigen auf Abstand besinnlich zu feiern, natürlich mit großer Freude über dadurch ausbleibenden Familienkrach, der sonst schon mal ausbrach.
Wissen Sie, ich genieße die Adventszeit aus tiefstem Herzen. Gerade jetzt können wir unsere lieb gewordenen Bräuche einer großen Schar von neuen Bürgen vermitteln, die das so noch niemals zuvor gesehen haben. Nur die jährlich wiederkehrende Sorge, was schenke ich wem und was, also die lässt sich leider nicht abstellen. Lassen Sie mich mal näher darauf eingehen, auch ich habe mir Gedanken darum gemacht.
Mein Lieblingsvirologe, der immer so nett alles in meinem Sinn interpretiert, dem lege ich einen Kamm und einen Friseurgutschein auf den Gabentisch. In seinen Bemühungen um perfekte Prophylaxe vergisst er nämlich schon mal seine persönliche Pflege. Manchmal sieht er aus wie ein wild gewordener Handfeger, da wird er sich über mein Geschenk sicherlich ganz besonders freuen.
Obendrein stärke ich damit die Friseure, jeder Kunde zählt!
Und wenn wir schon über haarige Angelegenheiten sprechen, will ich natürlich an den bayerischen Prinz Eisenherz denken. Der kriegt von mir einen sehr, sehr schönen elektrischen Lockenwicklerstab. Ökologisch unbedenklich, da legt er Wert drauf, denn der Stab heizt sich nur bei Solarbetrieb auf. Gell Anton, do samma narrisch vor Freid?!
Meinem treu ergebenen Gesundheitsapostel möchte ich auch zu Weihnachten eine Freude machen. Er ist ja kürzlich erst umgezogen, das geht natürlich ins Geld. Vier Millionen musste der arme Mann ausgeben, damit er ein schönes Zuhause hat. Da bleibt natürlich mancher Wunsch auf der Strecke. Um ihm nun weiterhin einen klaren Durchblick zu ermöglichen, werde ich ihm eine Großpackung Fensterreiniger schenken. Da wird er vor Freude darüber bestimmt ausflippen.
Nicht nur zur Weihnachtszeit sollten wir unsere Herzen den bedrohten Tierarten zuwenden. Oft genug wird diese überaus wichtige Thema vernachlässigt. Mal sagt man, geht ja nicht um Tiere aus unseren Breiten, oder man bemängelt die wiederaufstrebende Wolfspopulation. Hier bitte ich meine Untertanen ganz herzlich sich sachkundiger zu machen. Vor allen Dingen dürfen keine Modetrends alteingesessene Tierarten gefährden. Aus diesem Grund rufe ich zur Rettung der Pthirus pubis auf, deren Existenz immer in Gefahr war und die keinerlei Schutz genießt. Neuerdings sogar vor einer möglichen Ausrottung steht, weil die Frauenrasur überhand nimmt. Zugegeben, es sind Kleinstlebewesen, nicht jeder „Besitzer“ ist glücklich über den Erwerb, doch finde ich, Tierschutz muss konsequent betrieben werden, auch für die gemeine Filzlaus! Live matters, wie man neuerdings sagt.
Darüber wollen wir die Wendehälse nicht vergessen. Eine sehr besondere Spezies. Früher unsere politischen Gegner, heute durch reichliche Geldzuwendungen überzeugt. Schon immer waren sie unsere heimlichen Befürworter, aber eben nur heimlich, man konnte ja damals nicht anders. Einige von ihnen werde ich mit einem Korsett beschenken, damit sie auch ohne ihr Rückgrat weiterhin aufrecht gehen können. Zuerst soll mein Freund aus alten Tagen, der Flutschi, wie wir ihn nannten, obwohl er eigentlich völlig anders heißt, eins bekommen, denn dessen aalglatte Biegefähigkeit ist enorm, da hat man natürlich Angst um ihn, sein Rücken könnte ohne Stütze vielleicht irreparabel geschädigt werden.
Die aktuelle Gesundheitssituation ist bekanntlich nicht sehr erfreulich. Wir müssen und sollen wirklich sehr behutsam mit Kontakten umgehen, damit eine weitere Verbreitung von Corona möglichst unterbleibt. Die Weihnachtszeit bietet uns dazu hervorragende Möglichkeiten. Legen Sie Ihrem oder Ihrer Liebsten eine aufblasbare Gummipuppe auf den Gabentisch. Quasi kontrolliertes Fremdgehen mit Null-Risikofaktor, die Puppen kann man außen wie innen desinfizieren. Ich habe mit dem Finanzminister darüber gesprochen, er lässt bereits untersuchen ob ggf. der Erwerb als gesundheitserhaltendes Hilfsmittel steuerlich absetzbar gemacht werden kann. Sie erkennen wieder einmal, ich bin eine Kaiserin aus dem Volk für das Volk!
Ergänzend habe ich nun angeregt einen mit Tannenzweigen bedeckten Abstandsmesser von 1,50 Meter im Handel anzubieten. So verbleibt alles etwas feierlicher.
Am meisten freut mich aber folgende Idee bezüglich unserer Mitarbeiter in all den Behörden. Tag für Tag rackern die sich bis zur Erschöpfung ab, nur um dem Bürger alles recht zu machen. Zur Erholung gab es nur ein viel zu kurzes Wochenende, weil die Beschäftigten sogar am Freitag noch bis 13 Uhr arbeiten mussten. Ergonomie am Arbeitsplatz nur unvollkommen umgesetzt. Wir planen daher für alle öffentlichen Ämter die 4-Tage-Woche, Arbeitsbeginn ab 10 Uhr und Feierabend um 14 Uhr. Ich hoffe wir kriegen das noch bis Weihnachten hin, ein wirklich schönes, verdientes Geschenk, oder?!
Oft denke ich an Josef und Maria, aus einem fremden Ort nach Jerusalem gereist. Wie mag es denen wohl auf der beschwerlichen Reise ergangen sein? Die hatten nicht einmal ein Meer um bequemer per Schlauchboot und entgegen eilender Schiffe zu ihrem Bestimmungsort zu kommen. Auch waren sie gezwungen in einem Stall zu wohnen. Heutzutage undenkbar. Wir hätten Ihnen eine Wohnung angeboten, Sat-TV und Luxusküche inklusive. Wir hätten das geschafft! Falls Jesus also nochmals auf die Erde kommen möchte, so schwierig wie damals wird es nicht mehr, er muss eben nur zu uns ins Kaiserreich kommen! Sollte er per Bahn anreisen, stehen seine Jünger schon klatschend auf dem Bahnsteig. Halleluja!
Wenn wir schon bei heiligen Themen sind, gestatten Sie mir ein Wort zu den schönen Momenten einer weihnachtlich geschmückten Kirche. Immer öfter kann man feststellen, sogar Kiffer gehen besonders an den Festtagen ausgesprochen gerne in die Kirche. Früher haben sie heimlich gekifft, was natürlich gesundheitsschädlich ist, strafbar obendrein. Heutzutage lassen die sich von Weihrauchschwaden umnebeln. Angeblich ist das zwar auch bedenklich, doch es ist nun eine religiöse Handlung, deren Ausübung gesetzlich erlaubt ist. Sie werden mir zustimmen, heilige Substanzen können unmöglich Schaden anrichten. Schon dem Jesuskind wurde damals Weihrauch angeboten, kann man in der Bibel nachlesen. Doch es gibt keinerlei Beweis dafür, dass Jesus deshalb später gekifft hätte.
Jetzt kommen wir zu einem Geschenk für Euch, liebe Untertanen. Wir, die kaiserliche Regierung, wir schenken Euch das ausführliche Gendern! Uns war es immer ernst mit dem Frauenpowergedöns, wir revolutionieren unsere Sprache! Mal ehrlich, Frau Feldwebel klingt irgendwie abwertend. Frau Feldwebel(l)in hingegen betont das Feminine ausdrücklich. Wir diskutieren lediglich darum, schreiben wir es nun mit einem L oder besser mit zwei? Dazu haben wir ein Gutachten in Auftrag gegeben. Eine Kollegin von mir übt aktuell noch ein wenig bezüglich hochachtungsvoller Anrede, denn AKK´lerin klingt ihr derzeit zu ungewöhnlich. Auch sollten wir wieder die Anrede Fräulein einführen, schon aus Respekt gegenüber dem anderen Geschlecht und dem heutzutage eher seltenen Status.
Mut zur Veränderung sollte unser neues Ziel sein! Denken Sie mal an früher, als wir noch Care-Pakete aus den USA bekamen. Was haben wir uns damals darüber gefreut. Heute sollten wir etwas davon zurückgeben. Da ist zum Beispiel eine Familie Trump, die bald ohne ihre Milliarden dasteht, vielleicht sogar zur Miete wohnen muss. Senden Sie ein Care-Paket. Packen Sie alles ein was Freude macht: Blondes Haarfärbemittel, rote Krawatten, Gutscheine für verschiedene Fast-Food-Restaurants oder Anwaltbüros. Ganz edel wäre ein neues Smartphone, mit Standleitung zu Twitter.
Einige wenige Untertanen übten Kritik an der Anschaffung neuer kaiserlicher Flugzeuge. Dabei ist der Erwerb zur Weihnachtszeit ausgesprochen angemessen. Vom Himmel hoch, da komm ich her … Euch zu verkünden neue Mär …
So kann ich Euch die frohe Weihnachtsbotschaft viel besser erklären, meinen kaiserlichen Segen über Euch sprechen. Und weil Weihnachten bald vor der Tür steht, ist es auch eine Zeit der Gaben. Bitte spendet großzügig zugunsten der kaiserlichen Regierung. Wir brauchen das! Gemessen an unseren Leistungen sind wir extrem unterbezahlt. Vom Morgen bis zur Nacht bemühen wir uns um Euch, unsere aufrichtig geliebten Untertanen, deren Wohlergehen uns so am Herzen liegt. Vergesst die antikaiserlichen Demos, freut Euch über die schöne Weihnachtszeit, singt die alten feierlichen Lieder, zündet Kerzen an, gedenkt all der armen Menschen auf der Welt, die nicht einmal einen Weihnachtsmann haben. Was sind wir doch für ein glückliches Volk, Weihnachtsmänner besitzen wir im Überfluss!
Zum Schluss noch eine kleine Bauernregel aus dem Regierungspalazzo, die soll Ihnen Mut machen auf das, was kommt: Wenn es im Dezember schneit, ist das Neujahr nicht mehr weit.
Ich wünsche Euch eine besinnliche Zeit!
Herzlichst und in tiefer Liebe
Eure Kaiserin Angelique

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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