Covid-19:Englische Regierung verteilt kostenlos Vitamin-D an Risikogruppen. Wann kommt Empfehlung hier?

Wie schon vor 2 Wochen angekündigt hat am Samstag den 28.11.2020, die englische Regierung ihre Empfehlung zur Vitamin-D Supplementation aufgrund der Covid-19 Pandemie erneut verändert.
Ab Januar wird 2,5 Millionen Personen aus Risikogruppen kostenlos Vitamin-D für 4 Monate zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird eine Einnahme für Jedermann empfohlen.
Hier ein mit Google Translate übersetzter Auszug aus dem Text der Pressemitteilung:
„Wir empfehlen, dass jeder, insbesondere ältere Menschen, diejenigen, die nicht nach draußen gehen, und Menschen mit dunkler Haut, täglich ein Vitamin-D-Präparat mit 10 Mikrogramm (400 IE) einnehmen.
In diesem Jahr ist der Rat wichtiger denn je, da mehr Menschen mehr Zeit im Haus verbringen. Deshalb wird die Regierung den klinisch extrem gefährdeten Menschen helfen, Vitamin D zu erhalten. …
Jedem, der in der Lage ist, ein Vitamin-D-Präparat zu kaufen und es jetzt einzunehmen, wird empfohlen, dies zu tun, auch wenn Sie später im Jahr für eine Lieferung berechtigt sind.
Das Ministerium für Gesundheit und Soziales wird in den kommenden Wochen weitere Informationen und Anleitungen für alle Anbieter von Pflege- und Pflegeheimen bereitstellen.“

Eine Vitamin-D Supplementation ist unter Ärzten in Deutschland immer noch ein heiß umstrittenes Thema. Viele haben früher nur gelernt, dass es nur ein Nahrungsergänzungsmittel ist und der lediglich der Knochengesundheit dient, aber ignorieren die zahlreichen Studien, die in den letzten 20 Jahren verschiedenste positive Wirkungen festgestellt haben.
Diese Ärzte scheinen leider auch an den Positionen zu sitzen, bei denen sich die Politiker Informationen holen, um Entscheidungen zu fällen. Wie kann es sonst dazu kommen, dass trotz zahlreicher Studien, die eine positive Wirkung von Vitamin-D auf den Verlauf einer Covid-19 Erkrankung festgestellt haben, bisher nicht einmal eine vorsichtige Empfehlung zur Supplementation von offizieller Seite herausgegeben wurde.
Frankreich, England, Schottland , Wales haben schon im Mai der Bevölkerung mitgeteilt, dass es einen Zusammenhang geben kann.
Aber leider waren alle nicht mutig genug, um eine vorbeugende Supplementation in genügender Dosis zu empfehlen, denn sonst hätte es dort vielleicht keine 2te Welle gegeben, da inzwischen auch mehrere Studien eine um etwa Faktor 2 niedrigere Ansteckungsgefahr mit höherem Vitamin-D Pegel festgestellt haben. Hätten alle genug Vitamin-D im Blut, wäre der R Wert um diesen Faktor niedriger. Er hätte dann unter 1 bleiben können, was eine 2te Welle verhindert hätte.

Frankreich war am dichtesten dran, hier wurden hohe Dosierungen für Senioren empfohlen, um ein Defizit vorbeugend auszugleichen, aber für alle Jüngeren wurde erst die Vitamin-D Einnahme im Falle einer Covid Erkrankung empfohlen.
Dies ist nach aktuellen Erkenntnissen zu spät, der Körper Zeit braucht, um Vitamin-D in eine Form umzuwandeln(Cholecalciferol ), die vom Immunsystem verwendet werden kann.
Im Krankheitsfall muss dann direkt Cholecalciferol supplementiert werden, um noch eine Wirkung zu erzielen.
In einer spanischen Studie aus Cordoba, in der dies zuerst getestet wurde, musste nur 1 Patient von 50, denen Cholecalciferol gegeben wurde, beatmet werden. Aus der Vergleichsgruppe mussten hingegen 16 von 32 beatmet werden.
Auch in den Universitätskliniken Kiel und Heidelberg wird mit Cholecalciferol behandelt, aber in vielen anderen Krankenhäusern nicht, da dies bisher nicht in den aktuellen S2K Behandlungsrichtlinien für Covid-19 Patienten vom 23.11.2020 steht.

Hier fragt man sich warum, denn es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass eine Behandlung mit Cholecalciferol unerwünschte Nebenwirkungen hat. Es gibt also nur Chancen, aber keine Risiken dieser Behandlung. Auch hier müssen noch einige Ärzte an maßgeblicher Stelle umdenken.
Wie man damit behandelt, könne sich die Experten von einer Nordindischen Studie abschreiben, die als Nebenprodukt auch eine Kausalität der Behandlung festgestellt hat. Nach 17 Tagen waren 3 mal mehr Patienten der Vitamin-D Gruppe virenfrei im Vergleich zur Placebo Gruppe.
„Short term, high-dose vitamin D supplementation for COVID-19 disease: a randomised, placebo-controlled, study (SHADE study)“. Link zur Studie ist angehängt.

Da ansonsten kein Medikament mit großer Wirkung gegen den Virus zur Verfügung steht, muss das Immunsystem der Patienten stark genug sein, den Virus alleine zu bekämpfen. Verschlechtert sich der Zustand von Patienten und sie müssen beatmet werden, dann wird mit Dexamethason behandelt, einem Kortison, das Entzündungen dämpft und das Spike Protein des Covid-19 Virus etwas blockiert. Dadurch wir Zeit bei der Bekämpfung gewonnen. Wenn aber zum Bekämpfen nichts vorhanden ist…

Besser ist es also von daher, vorbeugend Vitamin-D zu supplementieren, um gar nicht erst schwer zu erkranken. Da ein höherer Vitamin-D Pegel mit einem milderen Verlauf verbunden ist, hat man auch eine deutlich bessere Chance, ohne Langzeitschäden davonzukommen.

Bezüglich der Schwere der Erkrankung und der Sterblichkeit werden meist nur ausländische Studien oder eine Metastudie der Universität Hohenheim zitiert. Dabei gibt eine auch eine Studie der Universitätsklinik Heidelberg, die schon seit 2 ½ Monaten auf dem mdpi.com Server liegt „Vitamin D Deficiency and Outcome of COVID-19 Patients ".

In der Studie ist der Satz „Bei unseren Patienten war ein Vitamin-D Mangel bereinigt um Alter, Geschlecht und Komorbiditäten mit einem 6-fach höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und einem ~ 15-fach höheren Sterberisiko verbunden“ enthalten (Mit Google Translate auf deutsch übersetzt). Der Link zur Studie ist angehängt.
Aus den Sterblichkeitsraten sind also Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen heraus gerechnet worden, so dass statistisch gesehen, jeder mit einem Vitamin-D Mangel wird sein Risiko an einer Covid-19 Erkrankung zu Sterben um Faktor 15 reduzieren kann.

Diese Studie ist leider fast unbekannt, da leider von den Erstellern bisher keine Presserklärung dazu herausgegeben wurde. Dadurch gibt es kein namhaftes Magazin oder Zeitung, dass einen Bericht über diese für Deutschland wichtige Studie veröffentlicht hat.

Dass sehr viele ältere Personen Vitamin-D Mangel haben kann man gut in einer Grafik einer Studie des Deutschen Krebsforschungzentrums Heidelberg sehen.
"Vitamin D insufficiency and deficiency and mortality from respiratory diseases in a cohort of older adults: potential for limiting the death toll during and beyond the COVID-19 pandemic".
Je nach verwendetem Grenzwert von 30ng/ml oder 50ng/ml, haben 80% oder 95% der älteren Personen einen Vitamin-D Mangel.
Der höhere Grenzwert von 50ng/ml wird vielfach von Experten genannt, um die allgemeine Gesundheit zu erhalten.
Wenn man sich dazu auf der Internetseite des RKIs unter Vitamin-D den Punkt „Wie wird der Vitamin-D-Status bestimmt und beurteilt? „ ansieht, kann man zu dem Schluss kommen, Vitamin-D hilft nur für die Knochengesundheit, aber für nichts anderes.
Beim Wert 30 bis 50 ng/ml wird „Ausreichende Versorgung in Bezug auf die Knochengesundheit ohne weiteren Zusatznutzen für die Gesundheit“ angegeben.
Ab 50 ng/ml wird „Mögliche Überversorgung, die für den Körper negative gesundheitliche Folgen haben kann, zum Beispiel Hyperkalzämien, die zu Herzrhythmusstörungen oder Nierensteinen führen können.“ angegeben.
Da fragt man sich, wo denn der Bereich für die Allgemeine Gesundheit geblieben ist.
Richtig müsste es heißen 50 bis 125 ng/ml ist gut für die allgemeine Gesundheit, über 125 ng/ml kann es zur Überversorgung kommen.
Daher ist auch die empfohlene Dosis vom RKI (800 I.E) zu niedrig, und man sollte der Empfehlung aus der Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums von 1500 -2000 I.E. folgen.
Eine Supplementation bis 4000 I.E. täglich gilt nach Angaben der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) als sicher, dafür muss man keinen Arzt konsultieren.

Sie sehen, bei Angaben zu Vitamin-D gibt es an vielen Stellen etwas nachzubessern.

Auch die Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums ist noch fast unbekannt, weil es zu dieser ebenfalls keine Presserklärung gab. Dabei war man dort sehr mutig, und hat Ergebnisse aus der Forschung zu Atemwegserkrankungen auf die Covid-19 Erkrankung übertragen, ohne direkt Covid-19 Patienten untersucht zu haben. Aber vielleicht fanden übergeordnete Stellen dort dieses zu mutig, und haben bisher eine Presserklärung verhindert.

Jetzt kommt der politische Teil dazu. Man wundert sich, warum bisher von offizieller Seite nicht mal ein Hinweis auf die Wirkung von Vitamin-D bezüglich Covid-19 herausgegeben wurde. Nur Jens Spahn hat nach seiner eigenen Covid Erkrankung dazu in einem RTL Interview (Hilft Spahns Immunbooster wirklich gegen Corona? ; 30.10.2020) etwas gesagt.
"Das ist alles vielleicht nicht wissenschaftlich in Studien breit belegt. Scheint mir aber, weil es von so vielen kam, als Hinweis doch ganz hilfreich zu sein. Schaden tut’s jedenfalls nicht"

Hier sieht man, wie schlecht unser Bundesgesundheitsminister von seinen Experten informiert wird, denn beide Studien aus Heidelberg lagen zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 50 Tage auf dem mdpi.com Server für medizinische Studien.

Auch hat seine Partei zuvor am 3.7.2020 einen Antrag, der unter anderem eine Information der Bevölkerung zur Covid-19 Erkrankung im Zusammenhang mit Vitamin-D enthielt, im Bundestag abgelehnt, obwohl zu diesen Zeitpunkt viele andere Europäische Länder ihre Bevölkerung schon informiert hatten (Google Suche „Vitamin-d Bundestag“).
Hier hat die vielbeschworene Zusammenarbeit der Parteien in der Covid-19 Krise leider nicht funktioniert. In der Zwischenzeit sind zahlreiche Studien bekannt geworden, so dass sich hoffentlich bald alle nochmal zusammen setzen, und zum Wohle der Bevölkerung auch hier einen gemeinsamen Nenner finden.
Solange dies aber nicht der Falls ist, informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten darüber, dass es eine große Chance gibt, im Falle einer Covid-19 Erkrankung diese mit genug Vitamin-D im Blut besser zu überstehen. Dann wissen sie zumindest davon und können sich selbst schützen.

Links zu Studien

England Free Vitamin-D 28.11.2020
https://www.gov.uk/government/news/at-risk-groups-to-receive-free-winter-supply-of-vitamin-d
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Spanien Cordoba 29.8.2020
Vitamin-D auf der Intensivstation : Patienten mit Vitamin-D Mangel müssen sehr viel häufiger
an Beamtungsgerät angeschlossen werden
"Effect of Calcifediol Treatment and best Available Therapy versus best Available Therapy on Intensive Care Unit Admission and Mortality Among Patients Hospitalized for COVID-19: A Pilot Randomized Clinical study"
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960076020302764
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Nordindien November 2020
Dosierung von Cholecalciferol
3 mal mehr Patienten der Vitamin-D Gruppe virenfrei nach 17 Tagen
"Short term, high-dose vitamin D supplementation for COVID-19 disease: a randomised, placebo-controlled, study (SHADE study)"
https://pmj.bmj.com/content/early/2020/11/12/postgradmedj-2020-139065
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Universitätsklinikum Heidelberg 10. August 2020
15 fache Sterblichkeit und 6 fach schwerer Verlauf
"Vitamin D Deficiency and Outcome of COVID-19 Patients "
https://www.mdpi.com/2072-6643/12/9/2757
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Deutsches Krebsforschungszentrum 18 August 2020
Höhere Sterblichkeit durch Mangel bei Atemwegserkrankungen
"Vitamin D insufficiency and deficiency and mortality from respiratory diseases in a cohort of older adults: potential for limiting the death toll during and beyond the COVID-19 pandemic"
https://www.mdpi.com/2072-6643/12/8/2488

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USA Chicago 3. September 2020
Ansteckungsgefahr um Faktor 1,7 verringert
"Association of Vitamin D Status and Other Clinical Characteristics With COVID-19 Test Results"
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2770157

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Behandlung mit Cholecalciferol beim UKSH Kiel
Prof. Dominik M. Schulte,
Oberarzt am UKSH Kiel
Zitiert in Kieler Nachrichten vom 4.11.2020
Und wie wird das am UKSH gehandhabt?
„In der Klinik für Innere Medizin I wird bei Patienten mit entsprechenden
Erkrankungen der Vitamin-D-Spiegel kontrolliert unter Einbeziehung
der Nebenschilddrüsenachse wenn nötig aufgefüllt“,erklärt Schulte.
„Manche Patienten berichten von einer raschen Besserung bestimmter
Symptome unter der Gabe von Vitamin D.“ Dennoch warnt der Arzt
vor zu großen Hoffnungen. „Auch wenn ich es für richtig halte, dass wir bei
Covid-19-Patienten einen Vitamin-D-Mangel beheben, können wir daraus
keine generelle Empfehlung ableiten.“

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