AFME: Eigen- und Hybridkapitalmärkte bieten Lösungen für die Rekapitalisierung der europäischen Unternehmen nach der Covid-19-Pandemie

Pressemitteilung

AFME: Eigen- und Hybridkapitalmärkte bieten Lösungen für die Rekapitalisierung der europäischen Unternehmen nach der Covid-19-Pandemie
London, Frankfurt am Main; 26. Januar 2021
Eine Eigenkapitallücke von bis zu 600 Milliarden Euro gefährdet die Erholung der europäischen Wirtschaft nach der Covid-19-Pandemie – und das trotz der erheblichen staatlichen Hilfsmaßnahmen und des privaten Kapitals, die in ganz Europa zur Unterstützung der Volkswirtschaften während der Pandemie zur Verfügung gestellt wurden. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Association for Financial Markets in Europe (AFME) in Zusammenarbeit mit PwC. AFME fordert die Europäische Kommission und die europäischen Mitgliedstaaten daher auf, Maßnahmen zur Stärkung der europäischen Eigen- und Hybridkapitalmärkte einzuführen und die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen zu erweitern, um die wirtschaftliche Erholung Europas zu stärken.

In der am 19. Januar gemeinsam mit PwC veröffentlichten Studie warnt AFME davor, dass die europäischen Volkswirtschaften eine Lücke von 450–600 Mrd. Euro (Fußnote1) an Eigenkapital überbrücken müssen. Das Kapital wird benötigt, um zahlreiche Unternehmensinsolvenzen und Arbeitsplatzverluste zu verhindern, wenn die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für Covid-19 schrittweise reduziert werden. Der Bericht „Recapitalising EU businesses post COVID-19“ (Rekapitalisierung von EU-Unternehmen nach Covid-19) zeigt, dass 10 Prozent der europäischen Unternehmen trotz staatlicher und privatwirtschaftlicher Unterstützung nur noch über Barreserven für sechs Monate verfügen. AFME fordert daher die Behörden auf, weitere Maßnahmen zur Unterstützung der europäischen Märkte für Eigen- und Hybridkapital zu prüfen und zu entwickeln sowie die Umsetzung der europäischen Kapitalmarktunion zu beschleunigen, um die wirtschaftliche Erholung zu finanzieren. Werden diese Maßnahmen nicht schnell ergriffen, könnten bereits in diesem Monat die Zahl der Insolvenzen rasant steigen und die Erholungsaussichten der EU-Wirtschaft gefährdet werden, warnt AFME.

Zur Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für die entstehende Finanzierungslücke in Europa wurden für die Studie europäische Unternehmen und Privatinvestoren befragt. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass viele mittelständische und kleine Unternehmen die Kontrolle über ihr Unternehmen nicht aufgeben wollen, aber bereit sind, eine Prämie zu zahlen, um ihre Stimmrechte nicht zu verwässern, sowie einen Teil der Gewinne an Investoren auszuschütten. Hybridkapital-Instrumente können diesen Bedarf decken. Um die Kapitalmärkte zu stärken und Unternehmen in der wirtschaftlichen Erholungsphase zu unterstützen, spricht AFME daher folgende Empfehlungen aus:

• Einführung eines neuen, EU-weiten, hybriden Instruments, das speziell für den Unternehmenssektor konzipiert ist. Dies könnte die Form eines neuen, gemeinsamen Vorzugs-Instruments annehmen, das zuschussfähig ist, um Skaleneffekte und Liquidität aufzubauen, und das idealerweise so entwickelt werden sollte, dass es mit Investmentzielen, die auch soziale Kriterien erfüllen, übereinstimmt, um größtmögliches Investoreninteresse zu wecken.

• Ausweitung bestehender EU-weiter Unterstützungsprogramme wie z. B. die des vom European Investment Fund (EIF) bereitgestellten Pan-European Guarantee Fund, die auf die Bedürfnisse von KMU, insbesondere von Kleinstunternehmen, zugeschnitten sind.

• Übernahme bestehender Best Practices der Mitgliedstaaten bei hybriden Instrumenten sowie Sensibilisierung für die Bandbreite an Kapitalmarktinstrumenten, die für mittlere und kleine Unternehmen zur Verfügung stehen – deren Existenz oftmals nicht bekannt ist.

• Prüfung eines weiteren Einsatzes innovativer Instrumente, wie beispielsweise Aktien mit zwei Gattungen (mit und ohne Stimmrechte), um den Kontrollbedürfnissen von Unternehmen gerecht zu werden, sowie Debt-to-Equity-Swaps, um den Verschuldungsgrad zu reduzieren.

• Nachjustierung der staatlichen Hilfsmaßnahmen bei Systemkrisen.

• Beschleunigung von Maßnahmen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis im Rahmen des Projekts zur Kapitalmarktunion.

(Fußnote1: Ohne das von den EU-Förderbanken bereitgestellte Kapital)

Adam Farkas, Chief Executive Officer der AFME, erklärte:

„Kurzfristig konnten sich Unternehmen in Europa durch weitere Verschuldung und staatliche Hilfen über Wasser halten. Nun aber müssen wir uns über diese Überbrückungsfinanzierung hinaus auf die langfristige wirtschaftliche Erholung konzentrieren.“

„Damit die europäischen Unternehmen sich von der Wirtschaftskrise nachhaltig erholen können, sind alternative Arten und Quellen der Finanzierung nötig vor allem solche, die das Ansteigen der Schuldenlast mindern und gleichzeitig zukunftsträchtige Investitionen ermöglichen. Die Märkte für Eigen- und Hybridkapital können hier eine Schlüsselrolle spielen.“

„Das Ausmaß der hier gegebenen Herausforderung schafft nun einen dringenden Handlungsbedarf. Angesichts einer Eigenkapitallücke von bis zu 600 Milliarden Euro, die die wirtschaftliche Erholung Europas bedroht, fordern wir die politischen Entscheidungsträger auf, gemeinsam mit dem Privatsektor Lösungen zu erarbeiten und auf nationaler sowie europäischer Ebene umzusetzen. Insbesondere muss sichergestellt werden, dass mittelständische und kleine Unternehmen über die finanziellen Ressourcen verfügen, die sie für die wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie benötigen.“

Nick Forrest, Leiter der Wirtschaftsberatungskanzlei von PwC:

„Die Covid-19-Krise droht langfristige Schäden in den europäischen Volkswirtschaften zu hinterlassen. Deshalb ist eine Wiederherstellung der Eigenkapitalbasis für europäische Unternehmen essenziell, denn nur so können Unternehmen wieder Investitionen, Innovation und Wachstum vorantreiben.“

„Mit dem Auslaufen der staatlichen Unterstützung und der bei einem erfolgreichen Impfprogramm zu erwartenden Aufhebung der Covid-Abschottungsmaßnahmen ist jetzt die Zeit gekommen, um die Finanzierungsmöglichkeiten im Bereich von Eigen- und Hybridkapital sowie die Infrastruktur zu schaffen, die für eine Erholung der europäischen Wirtschaft notwendig sind.“

– Ende –
Kontakt AFME
Patricia Gondim
Interim Head of Media Relations
patricia.gondim@afme.eu
+44 (0) 20 3828 2747

Über die AFME:
Die AFME (Association for Financial Markets in Europe) setzt sich für umfassende und integrierte europäische Kapitalmärkte ein, die den Bedarf von Unternehmen und Anlegern decken, Wirtschaftswachstum fördern und der Gesellschaft nutzen. Die AFME ist die Stimme aller europäischen Finanzmärkte für Unternehmenskunden und bietet Fachwissen über eine Vielzahl von aufsichtsrechtlichen und Kapitalmarkt-Themen. Die AFME möchte als Vermittlerin zwischen Marktteilnehmern und politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa agieren und nutzt dabei ihre starken und langjährigen Beziehungen, ihr technisches Know-how und ihre faktenbasierte Arbeit. Zu ihren Mitgliedern zählen in der ganzen EU und weltweit tätige Banken sowie wichtige Regionalbanken, Broker, Rechtsanwaltskanzleien, Investoren und andere Finanzmarktteilnehmer. Die AFME ist durch die GFMA (Global Financial Markets Association) an einer weltweiten Allianz mit der Securities Industry and Financial Markets Association (SIFMA) in den USA und der Asia Securities Industry and Financial Markets Association (ASIFMA) beteiligt. Weitere Informationen stehen Ihnen auf der Website der AFME zur Verfügung: www.afme.eu.
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