Die Konferenz – Vorsicht Satire

Als im Kaiserreich Absurdistan ein Brechreiz-Bakterium die Runde machte, lag vieles am Boden. Alle Bürger litten unter dieser Erkrankung. So blieb das auch der Kaiserin nicht verborgen. Immer wenn sie am Morgen das Büro betrat und bei der ersten Tasse Kaffee ihre Lieblingssendung im TV ansehen wollte, kamen „Breaking News“ herein. „Es ist zum Kotzen“, sagte sie und ordnete eine Expertenkonferenz an.
Nur wenige Monate danach, es eilte schließlich, traf man sich zu ersten Sondierungsgesprächen. Die Kaiserin wollte sich später per Video dazuschalten, weil es just in dem Moment „Absurdistan sucht den Superexperten“ im TV gab, das wollte sie nicht versäumen.
Zuerst ergriff Hansl Schwätz das Wort. Er war DER Gesundheitsfachmann im Kaiserreich und ein erklärter Liebling der Kaiserin. Heimlich nannte man ihn Hansl den Schwan, weil er immer hoch aufgereckt mit flammenden Augen durch die Flure lief. „Liebe Kollegen, die Lage ist ernst! Wohin man auch schaut, es ist einfach zum Kotzen. Unsere benachbarten Fürstentümer haben ähnliche Probleme, wir müssen konzertiert handeln. Ihre Vorschläge bitte.“
Ein untergeordneter Experte griff zum Mikrofon. Er verschob seine Lippen etwas nach vorn damit man seine durch Zahnarztphobie furchtbar vergammelten Zähne nicht sehen konnte. „Wir sollten den Bürgern kostenlos ein paar Tüten anbieten, wie sie auch bei den Fluggesellschaften in Gebrauch sind. Das hilft die öffentlichen Wege und Plätze sauber zu halten. Besonders robuste Tüten könnten man mit einem Prüfsiegel versehen, dann weiß der Bürger um die hohe Qualität. Ich hörte nämlich schon von nachgeahmten Produkten aus Asien, so etwas muss nicht sein.“
Allgemeiner Applaus.
Auch einen Mediziner hatte man eingeladen, quasi als neutralen Sachverständigen. Dr. von Oberschlau hob an: „Verehrte Damen und Herren, wir alle wissen um die zersetzende Wirkung des Bakteriums Kotza Nostra, dem wir uns nur schwer erwehren können. Unsere pharmazeutische Industrie erprobt bereits diverse Mittel zur Eindämmung, jedoch brauchen wir Zeit dafür, die wir eigentlich nicht haben. Aus eben diesem Grund sollte man die Hilfe zur Selbsthilfe nicht unterschätzen. Besinnen wir uns auf die klinisch erwiesene Placebo-Therapie.“
Wildes Durcheinander, jeder wollte das Wort ergreifen, ein richtiger Tumult setzte ein.
„Aber, aber, meine verehrten Damen und Herren, lassen Sie mich das doch zu Ende erklären!“ Dr. von Oberschlau war etwas empört. „Wir kennen die wundersame Wirkung aus der Psychiatrie. Die Erwartungshaltung des Patienten nach Verabreichung des Scheinmedikaments verursacht in vielen Fällen eine Besserung der Symptomatik. Zusätzlich könnten wir leichte Magenmedikamente hinzufügen. Das ist nicht nur preiswert, sondern auch absolut wirksam.“
Ein Finanzfachmann schrie in den Raum: „Genial, kaum Kosten und dennoch heilsam, vor allen Dingen für die kaiserliche Kasse. Ich schlage vor, wir zerschlagen den großen Drops-Konzern und verstaatlichen ihn danach, getarnt als Nothilfe. Dann produzieren wir, verteuert natürlich, Gesundheits-Drops.“
„Gesund lutschen …“, Hansl bekam feuchte Augen bei dem Gedanken. Einfach schön, so dem geplagten Bürger helfen zu können, dachte er in den Gedanken seiner ihm schon angeborenen bescheidenen Selbstlosigkeit.
Just in diesem Moment schaltete sich die Kaiserin hinzu. Hörte sich den Vorschlag an, Hansl vergaß dabei nicht zu erwähnen, nur durch seinen inspirierenden Einfluss wären solche konstruktiven Vorschläge entstanden. Das veranlasste die Kaiserin zu der Feststellung, dass Hansl einen guten Job macht. Alle beklatschten ihn, sogar die ewigen Meckerer der Opposition.
So kam es, dass im Kaiserreich Hoffnung aufblühte. Überall konnte man es auf Plakaten lesen, im TV als Spot sehen: Lutsch die Krankheit einfach weg, lutschen hat ´nen guten Zweck. Ergänzt wurde das dann durch Hansl im Interview, als ein international tätiger Reporter wissen wollte, wie erfolgreich die Lutscherei geworden ist, antwortete Hansl im perfekten Englisch: Ei sink, sis mäks him gräät ägän, se Feit vor helf. Wie aar se Champignons … Den kleinen Versprecher hat man ihm aber verziehen. Errare humanum est. Das kann nur die Aufregung bei der Präsentation seines perfekten Gesundheitsplans verursacht haben. Man darf da nicht zu streng sein.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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