Ghule und Vampire bitten zu Tisch

Lieben Sie das Außergewöhnliche? Die Autorin nimmt Sie mit in ein Gruselspektakel vom Feinsten.

Leseprobe aus „Willkommen im Luhg Holiday“
Wir Kinder spielten gerade ein seltsames Kartenspiel, bei dem es darum ging, die Damen und Könige vom gleichen Blatt auf einer Hand zu vereinen und Mama bereitete mit Eusebia das Abendessen vor, da klopfte es von draußen energisch an der Tür.
Jeremias öffnete und …
Ich stieß Angela an und flüsterte: „Der Typ vom Gemälde oben.”
„Der mit der Hakennase”, raunte sie zurück. Schlagartig hatte sich die Stimmung verändert.
„Darf ich vorstellen? Der Graf von Drachenfels, Besitzer des Luhg Holiday und seine Gattin Gräfin von Drachenfels” sagte Jeremias leise.
Der große Mann im schwarzen Umhang musterte uns mit intensiven Blicken aus seinen stechenden Augen, während Jeremias ihm unsere Namen nannte.
Die Gräfin hatte langes rotes Haar und eine fast durchscheinende Haut. Die anderen Ghule hatten sich wie zu unserem Schutz um uns geschart. Mit den beiden Vampiren war eine besondere Art von Kälte ins Haus gekommen, die mich fast erstarren ließ. Für einen Moment ruhte der Blick des Grafen auf mir, und ich hatte das Gefühl, in seinen plötzlich goldbraun schimmernden Augen zu versinken. Welch ein Mann! Meine Knie wurden weich, und ich suchte nach Halt. Dieses seltsame Schwindelgefühl, war es so wenn …?
„Schau ihm nie direkt in die Augen, du weißt doch, dass er ein Energievampir ist”, flüsterte Ruby und zog mich fort. Das war es also, so fühlte es sich an, wenn einem langsam die Energie abgezapft wurde.
Ruby erklärte es mir noch einmal ganz deutlich: „Es ist wie eine Hypnose, auf diese Art und Weise können sie alles von dir bekommen, du kannst dich nicht wehren, nicht mehr klar denken. Und du wirst immer schwächer, dein Lebenswille ermattet.” Ich nahm mir vor, meine Familie zu warnen.
„Ist so etwas mit den Menschen passiert, die ihr begraben habt?”, fragte ich. Ruby nickte.
Wir setzten uns an den Tisch, der inzwischen gedeckt war, und zu meinem Entsetzen hatten auch die Vampire bereits Platz genommen.
„Der Schinken schmeckt vorzüglich, nicht wahr meine Liebe”, wandte sich der Graf an seine Frau. „Dazu habe ich ja noch einen besonders edlen Tropfen.” Wie von Zauberhand stand plötzlich eine Flasche mit Rotwein auf dem Tisch.
„Holunder”, murmelte Mama. Erst jetzt merkte ich, dass sie völlig weggetreten war. Ich flüsterte Angela ins Ohr, dass sie dem Grafenehepaar auf gar keinen Fall in die Augen sehen sollte, und auch Jan war bereits durch Ruby informiert. Und Papa? Der hing förmlich an den Lippen der Gräfin und trank mit glänzenden Augen von dem Wein. Das war ja mehr als unheimlich. Wie sollte ich meine Eltern nur warnen?
„Wir müssen hier weg, so lange es noch geht”, raunte ich Angela zu.
„Ein bemerkenswertes Medaillon, das Sie da um den Hals tragen, Verehrteste”, säuselte der Graf und sah Mama lange und eindringlich in die Augen. Die wurde doch tatsächlich auch noch rot, wie ich im Licht der flackernden Kerzen sehen konnte.
Graf von Drachenfels, der besonders dem Schinken und der Salami sehr gut zusprach, wandte sich jetzt an Erasmus: „Wie laufen die Geschäfte?”
Der Angesprochene räusperte sich verlegen: „Schlecht mein Herr, ab und zu mal eine Ghulfamilie, die sich ins Luhg Holiday verläuft. Wir können mit der Konkurrenz nicht mehr mithalten, selbst Ghule ziehen heutzutage einen Aufenthalt in einem dieser modernen All-inclusive Hotels vor.”
Ich fragte mich, woher er etwas über die modernen Hotelketten wusste, doch er sprach bereits weiter.
„Unser Freund Bertram hier hat mir eine vielversprechende Idee unterbreitet.” Er klopfte Papa auf die Schulter.
„Ich bin ganz Ohr”, sagte der Vampir, und plötzlich verstummte jede weitere Unterhaltung in der Halle.
„Es würde das Geschäft erheblich ankurbeln, wenn wir aus dem Hotel eine Art Künstlertreff machen würden. Vielleicht sogar im internationalen Rahmen.”
Jetzt meldete sich erstmals Konstanze zu Wort.
„Ich halte das für eine gute Idee. Stellt euch vor, Künstler aus aller Welt, die hier ihre Werke ausstellen oder Konzerte vor einem erlesenen Publikum geben.”
Der Graf nickte: „Das wäre wie in alten Zeiten. Wunderbar!” Er wandte sich an seine Frau: „Was meinst du dazu Samaritana?” Die nickte begeistert:
„Oh ja, damit käme wieder frisches Leben ins Haus.” Verwirrt dachte ich, dass mir dieser Satz irgendwie bekannt vorkam, hatte ich ein Déjà-vu?
„Gut, das wäre also beschlossene Sache.” Er fixierte meinen armen Vater. „Eine ganz hervorragende Idee, lieber Bertram.”
Ruby flüsterte Erasmus etwas ins Ohr. Der machte erst ein abwehrendes Gesicht, nickte dann aber.
„Was die Finanzierung angeht … im Keller befinden sich noch die alten Kisten und Truhen voller Schmuck und Kleider aus vergangenen Zeiten, die sicher …”
„Ich weiß, wertloser alter Plunder. Nein, über die Finanzierung müsst ihr euch keine Sorgen machen, lasst das mal mein Problem sein.”
„Dann könnte doch das Personal die mittelalterliche Kleidung und den Schmuck tragen”, platzte es aus mir heraus, und erschrocken biss ich mir, unter dem durchdringenden Blick des Grafen, der jetzt auf mir ruhte, auf die Lippen.
„In der Tat. Das wäre eine besondere Attraktion und würde das Hotel hervorheben”, kam mir Konstanze zu Hilfe.
„Tritt einmal vor, junge Dame”, sagte der Herr des Hauses mit ruhiger aber bestimmter Stimme. Ich traute mich nicht, den Befehl zu verweigern und machte mit gesenktem Blick einen Schritt auf ihn zu. Nur nicht in seine Augen sehen, befahl ich mir.
Der Mann hatte eine ungeheure Ausstrahlung. Jetzt legte er mir seine Hände auf die Schultern und sagte wohlwollend mit tiefer und samtener Stimme: „Du bist mutig und klug. Aus dir wird mal etwas ganz Besonderes, das fühle ich. Deine Stärke wird euch führen.”
In diesem Moment fühlte ich mich alles andere als mutig. Ich war ihm ausgeliefert, auch ohne Blickkontakt zog er mich in seinen Bann. Ich atmete tief durch. Wenn aus mir etwas Besonderes werden sollte, würde er mir vielleicht doch nicht meine Energie absaugen und mich töten. Aber wie weit konnte ich ihm vertrauen, und was hatte er mit meiner Familie vor? Der Zauber war vorbei, und er senkte die Hände.
Seltsam, ich fühlte mich nicht schlecht oder gar schwach. Deine Stärke wird euch führen, klang es in mir nach. Langsam hob ich den Blick und sah ein warmes Lächeln in seinen honigfarbenen Augen. Der Bann war gebrochen.

Lesen Sie auch die Fortsetzung „Auf Wiedersehen im Luhg Holiday“

Beide Teile gibt es auch vereint als preisgünstiges Taschenbuch „Luhg Holiday“.

©byChristine Erdic

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Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
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Frau Christine Erdiç

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