Rosenmontag, losse mer schunkele

Guten Tag meine sehr verehrten Damen und Herren am Radio, liebe Freunde des närrischen Geschehens, hier ist Ihr Reporter Dieter Abstrus mit einer Reportage, die Ihnen unter die Haut gehen wird.
Natürlich ist Ihre Fantasie gefordert, denn in diesen weniger erfreulichen Zeiten kann der Straßenkarneval mit seinen beliebten Umzügen nicht stattfinden. Daher beschreibe ich nun einen Umzug, der einzig in Ihrer Fantasie den Höhepunkt findet. Lauschen Sie am Radio und durchleben Sie allen Widrigkeiten zum Trotz eine schöne Zeit. Übrigens, mehrere Discounter bieten hierzu auch einen Kamelle-Selbstwurf-Set an, es verstärkt den Effekt zusätzlich.
Ich stehe am Kölner Dom, aus nicht mehr weiter Ferne kommt der Rosenmontagszug auf mich zu. Bunte Wagen und sehr originelle Figuren, absolut der Zeit angepasst und doch … nur eine liebevolle Hänselei deren Humor unübersehbar ist.
Der erste Wagen hat es in sich. Vor dem Wagen spielt eine Balalaika-Truppe den bekannten Song Kalinka (Калинка, калинка, калинка моя!), sehr melodisch vorgetragen. Auf dem Wagen sitzt ein traurig dreinblickender Putin, eine große Träne im Auge. Darunter kann man auf einem Schild lesen: Um mich ist es nicht gut bestellt, Nawalny ist Russlands neuer Held.
Nun folgt eine Fußgruppe der Kölschen Kampftrinker Elite Imma druff e.V.. Bunte Anzüge, mit einer großen Flasche Schnaps in der Hand. Laut singen sie: Lasst uns trinken, viele Promille, dat duut dat Virus endlich kille. Hat was, muss man mal sagen, auch wenn ich an dieser Stelle vor übermäßigem Genuss geistiger Getränke ausdrücklich warnen möchte.
Der nächste Wagen zieht an uns vorbei. Jetzt wäre auch der geeignete Moment, um den schönen Kamelle-Selbstwurf-Set einzusetzen. Ich reibe mir die Augen, also das ist wirklich stark, stärker und … mir fehlen die Worte! Sehe ich das wirklich? Ein Herr Ramelow und eine Frau Merkel liegen sich zärtlich in den Armen, während er – so sagt das angebrachte Schild – liebevoll Merkelchen zu ihr sagt. Ein Knüller!
Kann man so etwas noch toppen? Schwer zu beurteilen, denn gerade in diesem Jahr sind die Karnevalswagen extrem aussagekräftig. Eben folgt ein Wagen, auf dem ein Gesundheitsminister steht. Aufrecht wie die Freiheitsstatue in New York, doch statt einer Fackel hält er eine Spritze in der Hand. Der dazu angebrachte Spruch: Also …, na ja …, vielleicht …, eventuell …, man sollte auch bedenken …, wir müssen uns keine Sorgen machen …, das werde ich später hinterfragen müssen, kann man sich so nicht ausdenken. Würde die Figur auch noch hin und her schwanken … zuuu real um gezeigt zu werden.
Wie schnell die früheren neuen Länder längst ein unverzichtbarer Teil von uns geworden sind, versinnbildlicht ein Wagen der Karnevalsgesellschaft Halle/Saale. Sie möchten mit uns feiern. Wir erblicken einen OB, väterlich-freundlich auf die Untertanen herabsehend. Dazu die Aussage: Meine Gesundheit nur für Euch! Im Oberarm steckt eine Spritze. Im Begleittext für uns Presseleute steht, es macht darauf aufmerksam, dass jener OB vorzeitig eine Impfung erhielt, um seine Schaffenskraft ungebremst dem Wohl der Stadt zu widmen. Ein selbstloser Held, kein Zweifel möglich. Aber warum steht auf dem Schild: Resteverwerter???
Wer nun aber glaubt, im Karneval geht es nur um lokale Ereignisse, der irrt gewaltig. Ein noch stärker erblondeter Donald Trump zieht eben an uns vorüber. Er greift in eine Lostrommel und zieht ein Los. Dick und fett steht dort drauf: NIETE!!!
Unsere Nachbarn aus Great Britain haben auch einen Wagen dabei. Gesponsort wurde er von der Gewerkschaft der Hairstyler-Unions. Zu sehen ist ein blonder, wirr zerzauster Kopf, hätte dringend mal einen Haarschnitt nötig, doch vor ihm zeigt ein Richtungsweiser ins Nirgendwo, Exit … anmerken möchte ich, weil es britisch ist, müsste man das Wort eigentlich Brexit heißen. Aber egal, verwirrend bleibt es auf jeden Fall.
Am Schluß des Zuges kommt ein Mottowagen, dessen Darstellung mich ratlos zurücklässt, über die Bedeutung muss ich zuerst ernsthaft nachdenken, vielleicht noch Informationen einholen. Wir sehen ein großes Baby, nur mit einer Windel bekleidet, am Strand liegend. In der Hand eine riesige Tube Haargel, während man im Hintergrund ein kleines Schild bemerkt: Hotel Ibiza. Darunter, ganz groß geschrieben: Oan gschmierter Babykanzler … Also Kölner Dialekt ist das nicht. Dessen bin ich mir sicher. Aber wer, wie, was und woher? Rätselhaft. Nachforschungen werden nicht ausbleiben.
Liebe Hörerinnen und Hörer, mal ehrlich, ist das nicht ein ausgesprochen schöner Rosenmontag? So ganz im warmen Homeoffice statt auf der kalten Straße? Ich proste Ihnen zu: Helau und Alaaf, Wuppdika oder auch nur Trallala, et hätt noch immer juut jejange!
Klage kommen eigentlich nur vom Apotheker-Verband. Man verzeichnete erhebliche Umsatzeinbußen beim Verkauf der Anti-Baby-Pille. Darf man daraus eine aufkeimende Karnevalsfeindschaft vermuten? Ist Fremdgehen nicht mehr in Mode oder was ist los? Fragen über Fragen …
Und in der nächsten Sendung begeben wir uns auf eine Forschungsstation. Wir wollen wissen, wie ist das Liebesleben der Ölsardinen bei geschlossener Dose? Sie dürfen gespannt sein! Schalten Sie wieder ein, wenn es heißt: Dieter Abstrus, knallhart aus dem Leben recherchiert!

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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