Abenteuer Super-8 Digitalisierung

Man sollte es nicht für möglich halten, doch immer noch existieren zahlreiche Super-8 Schätzchen mit teilweise wertvollen Erinnerungen und warten darauf mal wieder angesehen zu werden.
Keine Frage, die Qualität ist nach heutigem Standard deutlich vermindert. Umso mehr wundert man sich, wenn die wie Pilze aus dem Boden schießenden Transfer-Dienstleister sogar bis zu 6K-Bildqualität offerieren. Natürlich darf man das nicht allzu wörtlich nehmen, jedoch kann man Dank aktueller Bearbeitungs-Softwares manch alte Aufnahme tatsächlich deutlich ansehnlicher machen. Dies verursacht einen erheblichen Zeitaufwand einerseits, mindestens gute grafische Sachkenntnis andererseits und voilà, dem Erfolgserlebnis steht nichts mehr im Weg.
So weit die Theorie, die Praxis ist recht häufig konträr geartet. Tatsächlich gibt es einige wenige Transferfirmen, die wirklich das Maximum aus den alten Aufnahmen herausholen. Doch deren Preise liegen dann auch nicht eben selten in einem vierstelligen Bereich, für Privatleute nicht von Interesse. Es verbleiben Sendeanstalten mit dem Anspruch bestmöglicher Qualität, wie sie für Dokumentarfilme usw. üblich ist.
So verbleibt dem ehemaligen Schmalfilmer die Qual der Wahl, wenn die Frage auftaucht: Selber machen oder einen der zahlreichen Dienstleister aus den Webangeboten beauftragen? Tatsächlich kann man mit größerem finanziellen Aufwand den Transfer sogar selbst betreiben. Abfilmen von der Leinwand oder mittels Umlenkspiegel ist zwar möglich, qualitativ nicht zwingend empfehlenswert. Umbau des Projektors ist eine Möglichkeit und bereits recht teuer (zirka um die € 1000,00), der Kauf einer Digitalisierungsmaschine, die Einzelbildabtastung vornimmt, eine weitere Chance. Auch hier ein Wermutstropfen in Form des Angebots. Zwischen 300 bis etwas über 400 Euro werden oft baugleiche Maschinen mit unterschiedlichen Produktnamen angeboten. In den Bewertungen muss man dann allerdings des Öfteren lesen, Maschine verursacht Filmrisse und Bildsprünge, Bildqualität aufgrund einfacher Optik auch nur mäßig. Verbleibt eigentlich nur eine rein professionelle Überspielmaschine. Da hier die Preise ab zirka € 8000,00 beginnen, lohnt sich das nur im beruflichen Umfeld der Filmbearbeitung. Sehr viele der im Web vertretenen Transferdienste nutzen diese Vorrichtung allerdings nicht. Gewinnmaximierung kommt zu oft vor eigenem Qualitätsanspruch.
Im Web bieten sich zahlreiche Firmen an, versprechen das Blaue vom Himmel, nur wenige dieser Dienstleister halten dann aber Wort. Allgemein muss aber auch gesagt werden, alte Filme haben gelegentlich Pilzflecken durch unsachgemäße Lagerung (Feuchtigkeit), Kratzer und Staubbefall. Empfehlenswert ist deshalb grundsätzlich eine professionelle Naßreinigung, die oft zusätzlich vor dem Transfer angeboten wird. Der Filmzustand ist mitentscheidend für die spätere Qualität.
Doch nun zu dem Abenteuer gemäß der Artikelüberschrift. Da war ein „IT-Fachredakteur“ einer bekannten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt mit seinem positiven Bericht über einen Kölner Dienstleister. Selbstverständlich bekam er ausschließlich die Sahnestückchen für die Sendung zu Gesicht. Man kann davon ausgehen, schlechte Qualität wird man ihm nicht gezeigt haben. Dafür sind normale Kunden da. Mein Erlebnis des zurück erhaltenen Films (Premium Option und HD-Qualität laut Rechnung, Wet-Gate Reinigung usw.) war tatsächlich nicht einfach schlecht, es war unannehmbar schlecht!
Zum Glück hatte ich den Film am Tag vor dem Versand noch einmal durch den Projektor laufen lassen, die Bilder im Kopf abgespeichert. Erstaunlich guter Zustand, ich freute mich auf den digitalisierten Film. Zuerst kam eine Rechnung. Film sei erfolgreich bearbeitet und fertig zum Versand, nach Zahlung wird zeitnah versendet. Für knapp 240 Meter zahlte ich 165,00 Euro, in Erwartung eines guten Ergebnisses wollte ich mich nicht darüber beklagen. Dann hörte ich erstmal nichts mehr. Aufgrund telefonischer Nachfrage, ich hatte sehr schnell überwiesen, kam leicht verspätet die Zahlungsbestätigung per email. Versand erfolgt zeitnah … Erneute telefonische Anfrage, zusätzlich per e-mail meine Frage, wie sich zeitnah für dieses Haus definiert …
Knapp eine Woche später kam das Paket. Mein Film befand sich als MP4-Datei auf einem USB-Stick.
Kaum das mein PC eingeschaltet war, die Datei in mein Videobearbeitungsprogramm geladen wurde, kam ich in Versuchung eine Klinikpackung Beruhigungstabletten am Stück einzunehmen.
Ich darf erinnern: HD-Qualität; Premium usw … ganz im Gegenteil, es zeigten sich sehr kontrastarme Bilder, kaum Farbe, voll mit Flecken, die an eine eingetrocknete Reinigungsflüssigkeit erinnerten, alle paar Sekunden heftige Bildsprünge, manchmal sogar mehrfach in einer Sekunde und als Krönung sich häufiger wiederholende Szenen, andere Szenen fehlten dafür und zwischen den Szenen für 2-3 Sekunden Teile einer nicht dazu gehörigen Szene …, allerdings aus dem gleichen Film. Von verminderter Schärfe mag ich nicht mehr sprechen, es reicht auch so schon. Hätte ich abgefilmt, wäre das Ergebnis im unmittelbaren Vergleich erheblich besser ausgefallen.
Im Internet tritt diese Firma recht vollmundig auf, postet Fotos seiner Mitarbeiter mit rührigem Text. Nun kennt jeder die Vorlieben für Kaffee oder Smoothies, aber bei keinem Mitarbeiter, auch nicht beim Chef, ein Hinweis auf fachliche Vorbildung oder entsprechende bisherige berufliche Tätigkeit. Liest man nun in den Suchmaschinen die Bewertungen, sind diese entweder voller Lob oder vernichtend schlecht. Dazwischen gibt es kaum etwas. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung halte ich aktuell alle negativen Kommentare für absolut glaubwürdig.
Heute kam eine E-mail dieser Firma. Man möchte gerne wissen wie zufrieden ich bin … mehr an Unverschämtheit ist kaum vorstellbar.
Wer also noch altes Filmmaterial sein Eigen nennt, sollte sehr kritisch auf die Suche nach einem geeigneten Anbieter gehen. Wie gesagt, faire und gute Anbieter gibt es auch. Ein anderer Digitalisierungsdienst überzeugt bereits durch seine Aussagen, indem die erreichbare Qualität auf 800 Zeilen begrenzt ist. Solch ein Hinweis schafft Vertrauen und im Test mit einem anderen Film muss ich sagen: Es war ohne Anlass zu Kritik. Versprechen eingehalten, faire Bepreisung und die erreichte Qualität besser als erwartet. Es geht also …
Das Studium der Fachzeitschriften kann unter diesen Umständen eine willkommene Hilfe sein, ggf. fragen Sie bei mal bei den immer noch existenten Schmalfilmclubs nach Erfahrungen.
Viel Glück!

Zur Ehrenrettung jener Firma sei angemerkt, man rief mich nun an, gab Fehler zu und will mir das Geld Rückerstatten. Kaufmännisch einwandfrei.

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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