PICKNICK UND PAPIERPULLOVER

Der 4. April ist in China den Verstorbenen gewidmet – es ist der Tag des Totengedenkens, das Qingming-Fest. Anders als hierzulande gedenkt man der Ahnen jedoch nicht in stiller Trauer, sondern veranstaltet gemeinsam mit deren Geistern ein fröhliches Wiedersehen mit Schnaps und Picknick.
Auch nutzt man die Gelegenheit, um den Vorfahren mittels Feueropfer Geld, Kleidung und andere praktische Dinge ins Jenseits zu schicken.
Der Tod ist also nicht nur ganz selbstverständlich ein Teil des Lebens – im Kontext der Natur markiert er die Vorbereitung auf einen Neubeginn.
Dass der Tod nach alter chinesischer Vorstellung keinen endgültigen Abschied bedeutet, sondern ein Teil des ewigen Kreislaufs des Lebens ist, vermittelt auch das Kinderbuch „Straßenlaterne Nr. 8“. Darin greift Andersen-Preisträger Cao Wenxuan Martin Heideggers Daseinsanalyse auf und verpackt diese kindgerecht.

VIERMAL SCHNAPS
Am Totengedenktag herrscht ein buntes Treiben auf Chinas Friedhöfen: Scharen von Menschen bringen die Gräber ihrer Ahnen auf Hochglanz und schmücken sie mit Blumen. Dann macht man es sich auf den Grabsteinen gemütlich und teilt sich ein Picknick mit den Geistern der Toten. Meist bringen die Hinterbliebenen Dampfbrötchen, Klebreisbällchen, kleine Schnapsflaschen und andere Köstlichkeiten – bevorzugt in Viererpacks – mit: Die Zahl "Vier" ist auf Chinesisch homophon mit dem Wort für "Sterben".

PER FEUERPOST INS TOTENREICH
Doch nicht nur gutes Essen spendet man den Altvorderen: Indem man praktische Dinge wie Pullover sowie Totengeld und Räucherstäbchen auf den Gräbern verbrennt, schickt man sie mit dem Rauch ins Jenseits. Zur Abwehr böser Geister wurden früher sogar Böller auf den Gräbern angezündet.
Da diese Art von "Postsystem" jedoch die Umwelt zu sehr belastet, ist man dazu übergegangen, Papiermodelle von Autos, I-Phones oder Kleidung zu fertigen. Diese kann man in den zahllosen kleinen Läden, die rund um die Friedhöfe angesiedelt sind, erwerben. Inzwischen bieten findige Friedhofsbetreiber sogar virtuelle Verbrennungen von Opfergaben für die Ahnen an.

AUF TOD FOLGT LEBEN
Doch Qingming ist mehr als nur ein Besuch am Familiengrab: Noch bis vor wenigen Jahrzehnten arbeitete der Großteil der chinesischen Bevölkerung als Bauern. Die Wurzeln des Qingming-Festes sind daher im landwirtschaftlichen Kontext zu suchen. Anfang April erwacht die Natur – mit dem Totengedenken feiern die Menschen also, ähnlich wie an unserem Osterfest, die alljährliche Wiederauferstehung des Lebens, den Sieg über den Tod. Das macht auch für der Name "Qingming" deutlich: Er bedeutet "hell und klar" und symbolisiert somit das Licht des neuen Lebens…

VON FREUNDSCHAFT UND VERGÄNGLICHKEIT
Ein helles Licht war nicht nur titelgebend für ein ungewöhnliches Kinderbuch des chinesischen Andersen-Preisträgers Cao Wenxuan, es bildet auch das zentrale Element: Die Begegnungen der Protagonisten finden alle im Schein der Straßenlaterne Nr. 8 in der Froschgrünen Kachelstraße statt. Ein alter Mann, eine Dame mit Schirm und ein struppiger Hund erscheinen der Reihe nach auf der Bühne des Lebens, gehen ein Stück des Weges miteinander – und verschwinden schließlich wieder.

Mit diesem Thema greift Cao Wenxuan die Ausgangsfrage von Martin Heideggers Philosophie auf: Den Sinn vom Sein vor dem zeitlichen Horizont der Endlichkeit des Daseins – und verpackt diese kindgerecht. Der Inhalt dieses Buches bietet somit einen leichten Einstieg für ein Gespräch mit Kindern über das zentrale Thema Tod!

Wissenswertes zu Buch, Autor und Illustrator:
Bibliographische Angaben:
CAO WENXUAN
STRASSENLATERNE NR. 8
Kinderbuch
Hardcover, 36 Seiten
16 Illustrationen
Format: 21 x 29,7 cm
€ 19,00 (D)/ € 19,50 (A)
ISBN: 978-3-943314-30-4

Zum Inhalt
Ein alter Mann, ein struppiger Hund, eine Dame mit Schirm: Alltag und Gewohnheit treiben die drei immer wieder zu der Straßenlaterne Nr. 8 in der Froschgrünen Kachelstraße. Hier ist ein Ort des Innehaltens. Man kann sich anlehnen, kurz verschnaufen und – im Fall des Hundes – sich erleichtern. Jeder wartet geduldig, bis er an der Reihe ist. So geht es tagaus, tagein, jahraus, jahrein. Bis sich die Dinge irgendwann ändern …
Eine Geschichte über den Lauf des Lebens, über Freundschaft und Vergänglichkeit.

Leseprobe: https://www.drachenhaus-verlag.com/china-fuer-kinder_strassenlaterne-nr-8/

Zum Autor
Cao Wenxuan, Jahrgang 1954, stammt aus der chinesischen Provinz Jiangsu. Während seiner Kindheit erlebte er Armut und Hunger, aber auch die Kraft und Schönheit der Natur. All diese Eindrücke prägten seinen Erzählstil nachhaltig. In den 80er-Jahren engagierte sich Cao für die Befreiung der Literatur in China, nachdem sie während der Kulturrevolution für ideologische Zwecke missbraucht worden war.

Cao, der bereits mehr als 50 Romane und Erzählungen verfasst hat, unterrichtet an der Universität Peking chinesische Literatur. Heute zählt der zu den herausragendsten Schriftstellern der chinesischen Gegenwartsliteratur. Er hat zahlreiche Preise gewonnen und seine Bücher werden an Schulen als Pflichtlektüre eingesetzt. Viele von ihnen gelten bereits als Klassiker.

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Mit dem von ihr 2010 gegründeten Drachenhaus Verlag möchte die Sinologin Dr. Nora Frisch China für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zugänglich machen. Besonders wichtig ist es ihr, eine differenzierte Sichtweise zu Land und Leuten wissenschaftlich fundiert zu vermitteln. Neben Reportagen zur chinesischen Mentalität, Werken zur Ideengeschichte Chinas, Belletristik, Reise-, Fach- und Wirtschaftsliteratur erscheinen im Drachenhaus Verlag in der Reihe "China für Kinder" zweisprachige Kinderbücher, die den Horizont junger Leser für die große Welt weiten sollen.
Jeder unserer Titel ist aufwendig gestaltet und hergestellt: Buchkunst über chinesische Kultur seit 2010!

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