Zum Glück nur ein Traum

Die meisten Menschen kennen das, man träumt des Nachts die unmöglichsten und verrücktesten Sachen. Manchmal lustig, ab und zu schön, doch auch gruselige Momente kann man niemals ausschließen. Was aber am schlimmsten ist: Man ist dumm genug seinen Mitmenschen von den wüsten Träumen zu erzählen, gar noch darüber zu philosophieren. Dann kann es passieren das … aber mal ganz von Anfang an.
Mir träumte, ich ritt als Cowboy durch die Prärie. Klapperschlangen rissen vor mir aus, die Kakteen verneigten sich ehrfurchtsvoll vor mir. Nur ein paar Indianer, selbstverständlich falsch als Rothäute tituliert, kamen mit Geheul auf mich zu. Sie schwangen ihre Lanzen und die Tomahawks, wilde Panik ergriff mich, mein Skalp gehört mir, dachte ich noch, als ich in Schweiß gebadet erwachte. Uff, was für ein dämlicher Traum! Aber nun war ja alles wieder gut, dachte ich zumindest.
Meinen Arbeitskollegen fiel dann spontan auf, ich war heute nicht so bei der Sache wie sonst. Sorry, aber ich habe schlecht geschlafen, wirre Träume gehabt. Natürlich wollten sie mehr wissen und ich war so blöd davon zu erzählen …
Zuerst Schweigen, dann Staunen, einsetzende allgemeine Empörung!!! Mein Chef forderte mich auf alles liegen zu lassen, sofort zum Betriebsarzt zur Untersuchung. So ganz verstand ich das nicht, trotzdem fügte ich mich jener Anordnung.
Der erwartete mich bereits, man habe mein Eintreffen angekündigt. Ich erzählte von diesem Traum, der Arzt wiegte den Kopf hin und her, fand es sehr bedenklich und schickte mich zum Psychologen, der im gleichen Haus praktizierte.
Auf die große Couch sollte ich mich legen, erzählen, unterbrochen wurde ich nur von einzelnen Fragen des Seelenklemptners.
„Aha, sie träumten davon als Held durch das Habitat unterdrückter Völker zu reisen, richtig?“ Ich verneinte, ritt doch nur so herum. „Schauen wir mal weiter. Da rennen die Klapperschlangen spontan vor Ihnen weg … kommen Sie sich eigentlich vor?“ Nö, das wies ich weit von mir. „Plötzlich rennen die natürlichen Ureinwohner der Prärie schreiend auf Sie zu, vielleicht wollten diese Menschen Sie nach Stammesart stürmisch freundlich begrüßen, freuten sich über Ihren Besuch? Haben Sie schon einmal daran gedacht?“ Hallo, ich wurde etwas aufbrausend. Die wollten doch meinen Skalp, aber ich hatte zum Glück die neue Winchester dabei, da flitzten die aber …
„Sehen Sie, jetzt kommen wir der Sache deutlich näher. Ich diagnostiziere Herrschaftsanspruch in Ihrem Unterbewusstsein, gepaart mit dem Wunsch diesen durch Anwendung brutalster Gewalt durchzusetzen.“ Er machte eine Pause, sah mich verächtlich an, dann kam die Frage: „Essen Sie eigentlich gerne Zigeunerschnitzel oder Mohrenköpfe?“ Na klar, fand ich immer leckerrrr. „Da haben wir es wieder, Sie scheuen sich nicht einmal Begriffe aus der schändlichen Kolonialzeit anzuwenden. Daran erkennt man ein extremes Manko an Schamgefühl. Sagen Sie Afrikaner oder Neger?“ Ähm, ich wurde durch die Frage verunsichert. Nicht jeder Afrikaner kommt von dort, die gibts ja auch in der Karibik. Karibischer Afrikaner klingt aber richtig blöd, Schwarze möchte ich nicht sagen, weil man doch auch die Indianer nicht als Rothäute bezeichnen sollte. Also doch Neger? Diesen Begriff habe ich übrigens niemals als Schimpfwort verstanden oder in solch einer Bedeutung verwendet, warf ich ein. Diese Menschen sagen ja auch Weiße zu uns, nutzen aber gleichfalls ganz andere Wörter, die auch nicht eben der achtungsvollen Höflichkeit entsprungen sind.
Davon wollte der Psychiater jedoch nichts hören. Konnte er auch nicht wissen, wie mir später seine Gehilfin zuraunte. Weiter als in die Lüneburger Heide war der niemals gereist.
„Zurück zum eigentlichen Traum. Sie nutzten eine Winchester?“ „Klar“, sagte ich, „Verteidigung war doch notwendig, oder sollte ich naiv die weiße Fahne hissen? Ist aber auch egal, war ja nur ein durch und durch blöder Traum. Gefiel mir selbst absolut nicht!“
Das Endergebnis jener Untersuchung fiel vernichtend aus. Unterdrücktes Wunschdenken nach Gewaltanwendung, keine Achtung vor dem Leben, andere Menschen sind mir nichts wert und ich würde zum ausgeprägten Rassismus neigen …
Mit ruhiger Stimme sprach der Psychiater sanft zu mir: „Bleiben Sie liegen, entspannen Sie sich, das SEK ist gleich da …
Deutschland 2000 … und …???
Seit dieser Zeit suche ich eine neue politisch angepasste Wohnung. Als Ausdruck neuzeitlicher verständnisvoller Gesinnung muss der Hauseingang links sein, die Wohnungstür ebenso. Rechtstendenzen sind mir ein Greul. Als Tapete abwechselnd Grün oder in Regenbogenfarben. Sehr schick wird das und an den Wänden hängen dann überall Fotos von Greta, Robertchen oder Annalenchen. Selbstredend alles klimaneutral, weshalb mir 10qm genügen, dann kann ich den Raum im Winter mit der Körperwärme heizen. Bio total, sozusagen. Jeder Besucher meiner bescheidenen Behausung soll wissen: Dieser Mann meint etwas Böses nicht!
Zur Vermeidung unerwünschter weiterer Träume trinke ich Abend für Abend vor dem Schlafengehen zwei Liter Schnaps, dann falle ich ins Koma und erwache am nächsten Morgen, ohne wirr geträumt zu haben. Man kann ruhig doof sein, man muss sich nur zu helfen wissen!

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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