Aloha wird digital

Manchmal ist es gut, wenn man Planungen lange vor sich herschiebt. Jedenfalls war das bei mir so, denn ich hatte alte Reisefilme, die ich seit endlosen Jahren digitalisiert haben wollte. Ganz besonders am Herzen lag mir ein Film von einer meiner Hawaii-Reisen. Bisher hatte ich immer nur fotografiert, jedoch sind lebendige Bilder häufig aussagekräftiger. Also kaufte ich mir im Jahr 1985 eine Super-8 Kamera, und als Qualitätsfanatiker natürlich eines der damals angesagtesten Modelle (Bauer 715 X). Das würde meiner großen Fotosammlung als wertvolle Ergänzung dienen. Selbstverständlich filmte ich mit 24 Bildern pro Sekunde, denn die allgemein übliche Norm von 18 Bildern beinhaltete ein stetiges Flackern, was mich erheblich störte.
Als ich dann die entwickelten Filme geschnitten, geklebt und umgespult hatte, war ich recht angetan. Nur das furchtbar laute Geräusch des Projektors nervte dermaßen, dass der Film, neben einigen anderen Aufnahmen, in einem Karton verschwand und viele, viele Jahre im Dauerschlaf verbrachte.
Vor einigen Wochen holte ich die Filme dann wieder hervor. Neue Technik, neues Glück, jetzt oder niemals! Sogar eine wirklich professionelle Schnittsoftware legte ich mir zu, was machbar ist, sollte nicht ausgelassen werden. Doch wem vertraue ich meine Filme an? Das Web ist voller Angebote, jede Firma meint besser als Hollywood zu sein, doch bei Licht betrachtet steckt der Teufel im Detail. In diesem Fall u.a. im Agfa-Film.
In sicherlich guter, aber fehlerhafter Absicht, beschichtete man damals die Filme mit Bienenwachs, um die Gleitfähigkeit in Kamera und Projektor zu verbessern. Warnende Stimmen aus dem eigenen Haus, als auch von Tetenal, einem verdienstvollen Hersteller photochemischer Mittel, wurden in den Wind geschlagen. Nun haben organische Substanzen immer den Makel eines Tages zu zerfallen, Pilzfraß zu ermöglichen und meinen Filmen erging es nicht anders. Übersät mit braunen Flecken, deren Struktur an Eisblumen erinnerte, mutierten die Aufnahmen nahe zur totalen Unansehnlichkeit.
Wer nun glaubt, ein oft gepriesenes Wet-Gate in Verbindung mit einer Naßreinigung des Films befreit von diesem Übel, der irrt gewaltig. Zwar hilft solche Reinigung Staubbesatz, Kratzer und Risse überwiegend zu eliminieren, aber Wachs löst sich nicht so leicht in Wohlgefallen auf.
Hilfe kam von einer Video-Transfer Firma aus Riemerling, deren sachlich erscheinende Homepage, nebst hervorragenden Referenzen namhafter Kunden zu einer Nachfrage animierte. Ein freundliches und langes Gespräch über dies und das, bis hin zu dem Hinweis: Wir verarbeiten nur vom Pilz gereinigte Filme. Verständlich, doch wohin mit meinen Aufnahmen? Auf Nachfrage wurde mir ein „alter Fahrensmann“ der Filmbranche empfohlen, Helmut Rings! Ein Mann, ein Leben für den Film, sowie eine eigens konstruierte Maschine zur Entpilzung von Filmmaterial. Langsam keimte Hoffnung.
Ich mache es kurz: Die entpilzten Filme sahen aus wie nagelneu, spontan kam Freude bei der Betrachtung auf, nun ab nach Riemerling damit und … schaun wir mal.
Dann kam der Tag der Rücksendung. Meine Filme waren wieder da! Voller Spannung öffnete ich das Paket, entnahm fast zärtlich den USB-Stick, PC angeworfen und … die ersten Bilder wurden sichtbar. Was soll ich nur sagen? Purzelbaum, Hechtsprung, Hurra-Rufe, meine Begeisterung kannte keine Grenzen mehr. Wirklich besser als in den kühnsten Erwartungen erhofft liefen meine vier Filme auf dem Monitor. Genau so wollte ich es immer haben, nun wurde ein Traum wahr. Unnütz zu erwähnen, ein wenig Nachbearbeitung durch Colorgrading, Nachvertonung war gleichfalls angesagt, schöne Arbeit wartete auf mich. Noch niemals hatte ich eine Rechnung so gerne bezahlt wie jetzt!
Um keine falschen Rückschlüsse aufkommen zu lassen noch dies: Ich hatte „nur“ einen Rohtransfer gewünscht damit nachträgliche Arbeiten nichts verschlimmbessern. Man muss aber auch sagen, nur wenige Szenen machten das erforderlich, so gut war der Transfer bereits. Meine eigenen Fehler erforderten zwingend Maßnahmen, war ich doch immer zu faul um ein Stativ mit mir herum zu schleppen, bei einigen Zoomaufnahmen, 24-fach, zeigte sich das mehr als deutlich. Möglichkeiten nachträglicher Stabilisierung sind damit Grenzen gesetzt. Dann wäre das Problem synchroner Nachvertonung arbeitsintensiv. Surfaufnahmen, sehr große Wellen brachen sich krachend am Strand nahe Turtle Bay/Oahu/Hawaii. Reine Musikuntermalung würde nicht ganz passend sein. Anders ausgedrückt, in wenigen Wochen ist auch das geschafft und dann singen wir, mein Filmchen und ich, gemeinsam Aloha Oe (spricht sich eu), denn das bekannte Aloha heh gibt es nur in den deutschen Schlagern der 50er Jahre. In diesem Sinn, strikt dem Inselfeeling folgend: Mahalo und Aloha óe, übrigens von Hawaii´s letzter Königin – Liliʻuokalani- komponiert, verbleibe ich ganz authentisch, indem ich abschließe mit:
A hoʻi aʻe au
Until we meet again
ʻO ka haliʻa aloha i hiki mai
Ke hone aʻe nei i
Kuʻu manawa
ʻO ʻoe nō kuʻu ipo aloha
A loko e hana nei

Veröffentlicht von:

Ulli Zauner

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