Eine kleine Leseprobe aus „Mystica Venezia“

Estrella spiegelte sich im Kerzenschein in der Kristallkugel. Auf ihrer Schulter saß die weiße Ratte mit dem goldenen Fellbüschel zwischen den Ohren, das gespiegelt fast wie eine Krone aussah, und harrte der Dinge, die dort kommen sollten.
„Was meinst du, Cinderella, werden wir Christina finden?” Die Ratte gab ein leises Knäckergeräusch von sich. Estrella war sich nicht ganz sicher, ob das Tier überhaupt etwas erkennen konnte, und dennoch schaute Cinderella wie gebannt auf den Nebel, der sich jetzt im Inneren der Kristallkugel bildete. Langsam entstanden schemenhafte Gebilde daraus, die nur eine Fachkundige mit den richtigen Inspirationen deuten konnte. Die Hexe fühlte die Aufregung auf ihrer Schulter an dem Zittern der kleinen Füßchen. Das Nackenfell der Ratte hatte sich aufgestellt, und schon stieß sie einen warnenden Pfiff aus.
„Ich weiß, meine Gute, du siehst also das Gleiche wie ich. Oh Christina Maria, in welch einer Zeit bist du gelandet?! Aber wo bist du? Venedig ist das nicht …”
Nicht nur das Nagetier war zutiefst beunruhigt. Die Stimmung, die die Kugel widerspiegelte, war mehr als bedrückend. Schmerz, Verderben und Tod, Hoffnungslosigkeit und dort …
Die Hexe schüttelte den Kopf. Ja, ganz deutlich, ein anderes Gefühl verdrängte das Finstere. Liebe. Wie ein helles Licht erstrahlte sie. Christina liebte. Und das in einer Zeit, die gezeichnet war von Elend und Glanz, Wunderheilern und Seuchen.
Cinderella zitterte noch immer und schmiegte sich schutzsuchend an Estrellas Hals.
„Ja, es war eine schlimme Zeit. Aber haben wir nicht auch heute noch unsere mysteriösen Krankheiten, die es zu erforschen gilt?”
Estrella nahm die Ratte auf die Hand und sah ihr fest in die Augen.
„Du bist nicht schuld und auch nicht deine Vorfahren. Ihr seid Träger und zugleich Opfer, ebenso wie wir Menschen auch. Krankheiten, Leiden und Tod sind nun mal Bestandteile unseres Lebens. Und immer, wenn wir die Krankheit augenscheinlich erfolgreich bekämpft haben, dann taucht sie in veränderter Form irgendwo wieder auf. Sie hat viele Gesichter, mein Mädel. Übrigens, es gibt einen Ort in Indien, dort wird eure Art sogar hoch verehrt. Im Karni- Mata- Tempel essen die Gläubigen von den Speisen und trinken Wasser aus den Schalen, von denen zuvor Ratten gegessen oder getrunken haben. Trotzdem ist es bis heute dort noch zu keiner Epidemie gekommen.”
Das kleine Tier hatte sich beruhigt, und Estrella strich ihm sanft über den Kopf, bevor sie es am Kletterbaum absetzte. In Gedanken versunken deckte sie ein Tuch über die Kugel, in der nun nichts mehr außer einer Spiegelung der beiden Kerzen zu sehen war. Dann ließ sie sich in einem bequemen Sessel am Fenster nieder und sah Cinderella zu, die jetzt geschickt an den Zweigen herumturnte.
Sollte sie Ana Karina nochmals warnen? Aber war es möglich und richtig, das Schicksal abzuwenden? Jenes Schicksal, dem sie bisher allzu oft schon in die Karten hatte schauen dürfen, ohne es jedoch jemals zu ändern. Diese Macht maßte sie sich nicht an. Und dennoch, änderten die Menschen nicht durch ihr Handeln Tag für Tag und Stunde um Stunde ihr Schicksal und damit oftmals auch das der anderen?
Die Hexe grübelte. Was war Schicksal? Eine Vorbestimmung? Manche Völker nannten es auch Karma. Ein Schicksal, das durch Handlungen und Taten, die in früheren Zeiten, ja sogar in einem anderen Leben stattgefunden haben können, bestimmt wird. Aber konnte man Schicksal als eine Art Wirkung einer schon zurückliegenden Ursache betrachten? Ja, das wäre eine Erklärung. Was jetzt mit Christina Maria und Ana Karina geschah, hatte seine Wurzeln zweifellos in der Vergangenheit.
Estrella gähnte herzhaft. Es war Zeit, schlafen zu gehen.
(Mystica Venezia – als Taschenbuch und E-Book erhältlich)

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©byChristine Erdic

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Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
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